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StrategieNo-Limit BSS

Die 2nd-Barrel-Theorie Teil 1

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Die 2nd-Barrel-Theorie Teil 1

von MiiWiin

Wir wollen uns heute mit einer komplizierten aber nützlichen Waffe im No-Limit Hold'em beschäftigen – der 2nd Barrel. Wir gehen darauf ein, warum sie überhaupt zu benutzen ist und in welchen Situationen bzw. gegen welche Gegner wir auf sie verzichten sollten. Diesmal schauen wir uns die Theorie und Randbedingungen der 2nd Barrel an, nächstes Mal werden wir an einigen konkreten Beispielen spezifische Situationen analysieren.

DEFINITION

Was ist eine 2nd Barrel überhaupt?

Praktisch gesehen ist sie eine Bet am Turn, nachdem wir als Preflop-Aggressor am Flop eine Continuation Bet gemacht haben. Über die Definition der Continuation Bet kann man sich lange streiten, genauso sieht es bei der 2nd Barrel aus. Ist sie eine Bluffbet oder eine Valuebet, wenn wir gehittet haben?

Wir haben am Turn meistens vier grob eingeteilte Situationen:

1.) Wir haben eine Monsterhand (z.B. Set, Straight, Flush)

Am Turn sehen wir uns meistens vorne und wollen Value von unserem Gegner. Natürlich betten wir in der Hoffnung, All-in zu kommen. Gleichzeitig protecten wir natürlich unsere Hand gegen mögliche Draws. Unsere Line sollte bet/call bzw. bet/3-bet sein.

2.) Wir haben eine gute made Hand oder eine weak made Hand (z.B. Overpair, TPTK, Middle Pair)

Wir haben eine Hand mit Showdown-Value, die aber sehr verletzlich ist. Auch hier betten wir den Turn, da wir sehen wollen, wo wir stehen (=> Informationbet), unsere Hand gegen drawing Hands protecten (=> Protectionbet) und da wir gegen einen Draw natürlich noch vorne liegen, ist es sogar eine Valuebet. Bekommen wir jedoch ein Raise (bzw. Checkraise) am Turn, so müssen wir unsere Hand meistens aufgeben, da wir nur noch selten vorne liegen und diese Hände sich meist nicht mehr verbessern können, da sie nur 2-5 Outs besitzen, die aber meistens nicht einmal clean (bzw. dominiert) sind. Unsere Standardline ist deswegen meistens bet/fold.

3.) Wir haben am Turn einen Draw (Flushdraw, OESD)

Nach unserer Continuation Bet am Flop haben wir am Turn entweder einen Draw aufgegabelt, oder haben ihn am Flop schon besessen, sind aber weiterhin unimproved. In diesem Fall wäre unsere Bet ein Semi-Bluff, der zum einen von der Foldequity profitiert, zum anderen von der Chance, am River unsere Hand zu treffen.

4.) Wir haben Flop und Turn komplett verfehlt

Nachdem wir am Flop eine Standard-Continuationbet gesetzt haben, stehen wir auch am Turn unimproved da und können bestenfalls Ace high vorweisen. Zudem haben wir kaum saubere Outs auf eine wirkliche Verbesserung unserer Hand am River. In diesem Fall wäre eine Turnbet eine zweite Continuation Bet, diesmal allerdings als Purebluff-Bet. Diese Bet hat meistens nur den Sinn, unseren Gegner zum Folden zu bringen und lebt somit einzig von der Foldequity.

Wir werden als 2nd Barrel nun die Beispiele 3.) und 4.) definieren, sie also als eine Purebluff-Bet“ oder Semibluff-Bet“ verstehen.

WARUM ÜBERHAUPT EINE 2ND BARREL FEUERN?

Nun kann man sich natürlich fragen, warum wir überhaupt eine 2nd Barrel abfeuern sollen. Allerdings stellt man sich die Frage am Flop auch nicht so häufig, ob man eine Continuation Bet setzt. Grob geschätzt kann man im Heads-up in über 80% der Fälle eine Continuation Bet anbringen. Sie ist alleine durch die Foldequity eine profitable Angelegenheit.

Am Turn lässt diese Bereitschaft, durch seine pure Aggressivität den Pot unimproved zu gewinnen, jedoch merklich nach. Es gibt viele Spieler, die nahezu immer den Flop contibetten, aber am Turn fast immer aufgeben.

Was entstehen dadurch für Probleme?

Egal mit welchen Spielern wir am Tisch sitzen, jeder hat auf die eine oder andere Weise die Augen auf und merkt sich gewisse Spielzüge. Hauptsächlich bezieht sich die Aufmerksamkeit auf gemeinsame Hände. Wenn wir nun also dreimal innerhalb kürzester Zeit gegen den gleichen Villain die Line „raise preflop / contibet Flop / check/fold Turn“ spielen, so wird er das mitbekommen und sich merken. Egal, was für ein komischer Spieler dieser Villain laut seinen Stats ist.

Wir werden später analysieren, gegen welche Spielertypen eine 2nd Barrel erfolgversprechender ist. Man kann sich jedoch denken, dass es gegen eine Callingstation nicht unbedingt profitabel ist, doch in diesem Beispiel nahezu unvermeidbar.

Nehmen wir an, dieser spezielle Villain ist eine Callingstation und wir haben die drei oben angesprochenen Hände verloren. Nun raisen wir preflop…was haben wir zu erwarten?

Villain weiß, dass wir häufig am Turn aufgeben. Somit sieht er nun einige Chancen, Pötte gegen uns zu gewinnen. Entweder er kann mit einer schwachen Hand runtercallen, da er der Meinung ist, wir würden beinahe any2 raisen. Oder aber er könnte versuchen, uns durch eine kleine Probebet am Turn aus der Hand zu schmeißen. Diese Probebets am Turn kommen häufig von passiven Spielern, die selber nicht viel in die Hand investieren wollen. Es ist quasi eine Art Floatversuch, zu dem wir durch unsere bisherigen Hände beigetragen haben. Und letztlich ist diese Bet nicht dumm, denn stehen wir wieder unimproved da, müssen wir auch hier auf die kleine Bet schon wieder folden.

1.) PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
MP ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
BU ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is CO with A , 2
2 folds, Hero raises to $1.00, BU calls $1.00, 2 folds

Flop: ($2.35) 4, 7, J (2 players)
Hero bets $1.75, BU calls $1.75

Turn: ($5.85) Q (2 players)
Hero checks, BU bets $2.00, Hero folds

Unser Image wird dadurch immer schlechter, Villain wird sich einen Spaß daraus machen und jedes Mal den Turn klein betten. Rückwirkend dazu wird er noch häufiger preflop callen und natürlich auch unsere Continuation Bet am Flop.

Wir sind dadurch in einen Kreislauf geraten, der nicht nur unserem Image schadet, sondern auch noch richtig Geld kostet. Was können wir dagegen tun?

Natürlich wäre die einfachste Möglichkeit, preflop tighter zu werden und nicht mehr so häufig gegen die Callingstation zu raisen. Ebenso hat die Continuation Bet mittlerweile einen negativen Erwartungswert, so dass wir sie ebenfalls nicht mehr häufig anwenden sollten. Nun steht uns aber noch Möglichkeit drei zur Verfügung – die 2nd Barrel.

Durch unser Image wird die Calling-Range von Villain immer größer, so dass unsere Foldequity durch eine 2nd Barrel am Turn deutlich steigen sollte. Auch wenn wir gegen solch loose Spieler 2nd Barrels vermeiden wollen, so ist sie hier durchaus angebracht.

Zudem sollte uns klar sein, dass wir ab und an auch gut treffen und für starke Hände natürlich ausbezahlt werden wollen. Spielen wir also gegen einen solchen Gegner fast immer check/fold Turn und betten den Turn nur, wenn wir eine starke Hand vorweisen können, so werden wir auch für eine Callingstation lesbar und verlieren somit langfristig Value.

DIE FAKTOREN

Unsere Gegner:

Am oberen Beispiel wurde, glaube ich, deutlich, warum man überhaupt 2nd barreln sollte. Und das obwohl eine Callingstation nicht zu unseren primären Zielen gehört. Im Gegenteil.

Wie wir bereits oben definiert haben, ist unsere 2nd Barrel entweder eine Bluffbet oder eine Semibluffbet. Beide leben entscheidend von der Foldequity. Und selbstverständlich sinkt die Foldequity gewaltig gegen sehr loose Spieler. Dazu gehören neben den Callingstations auch die Maniacs.

Beide Spielertypen geben ihre Hand nicht so schnell auf, die einen callen runter, die anderen versuchen, uns rauszubluffen. Unsere Foldequity ist somit relativ gering. Wichtig hierfür sind z.B. PockerTracker-Werte wie der „Went to showdown“ und natürlich der „Fold to Turnbet“-Wert, dazu natürlich alle anderen Standardwerte, über welche wir unsere Gegnertypen klassifizieren.

Dementsprechend sind 2nd Barrels erfolgversprechender gegen LAGs, TAGs und natürlich Rocks. Wir haben hier meist eine höhere Foldequity zu erwarten, da wir wissen, dass diese Gegner auch viele Hände am Turn weglegen können. Andererseits muss uns klar sein, dass gerade diese Spieler eher thinking Player sind. Um den Erfolg einer 2nd Barrel hier zu kalkulieren, müssen wir vier weitere Punkte beachten: Unser Image, das Board, unsere Range bzw. die Range unserer Gegner!

Unser Image:

Anfangs hatten wir uns das Beispiel gegen eine vermeintliche Callingstation angeschaut. Ein wichtiges Kriterium war auch hier unser Image. Grundsätzlich sollte es klar sein, dass wir eine höhere Foldequity erzielen, sollten wir recht tight spielen. Umso looser wir auftreten und betten, desto geringer ist die Aussicht auf den Erfolg einer 2nd Barrel.

Damit sollte klar sein, dass wir auch gegen geeignete Gegner nicht nach Belieben den Turn betten können. Gerade gegen thinking Player ist die Frequenz unserer 2nd Barrels entscheidend. Sollten wir also zuvor einige starke Hände gespielt haben, wo wir eventuell nicht zum Showdown gekommen sind, so können die anderen Spieler durchaus den Eindruck haben, dass wir sehr aggressiv spielen. Dass wir in Wirklichkeit starke Hände hatten, wissen sie nicht. Waren wir also in letzter Zeit recht aktiv, so sollten wir hier einen Gang zurückschalten. Umgekehrt können wir natürlich aggressiver werden, wenn wir wie oben beschrieben ein paar Male check/fold Turn gespielt haben. Hier bekommen wir eine Menge Credit für unsere 2nd Barrel.

Das Board, unsere Range und die Range unserer Gegner:

Ebenso entscheidend sind natürlich das Board und die Hand, die wir repräsentieren wollen. Ist das Board sehr drawlastig, so muss man sich überlegen, ob man am Turn eine hohe Foldequity besitzt. Haben wir beispielsweise ein Ace-high-Board ab dem Flop, so können wir durchaus TPTK repräsentieren. Trauen wir unserem Gegner hier nun eine drawing Hand zu, so ist eine 2nd Barrel durchaus nicht verkehrt, da sie kaum profitabel gecallt werden kann.

Erscheint das Ace nun am Turn, muss man sich überlegen, ob Villain uns unsere starke Hand abnimmt. Ist er sehr aufmerksam, so wird er wissen, dass wir auch mit Overcards contibetten und somit durchaus den Turn getroffen haben könnten. Gerade bei solchen scarecards sollte man sich überlegen, ob der Gegner sie uns abkauft. Es ist quasi eine Art 3rd level thinking, die aber beinahe nötig ist, um gegen gute Gegner gezielt 2nd Barrels einzusetzen.

Deutlich besser ist natürlich ein drawless Board, wobei wir davon ausgehen, dass Villain ein middle Pair am Flop durchaus mal callen kann. In diesen Fällen ist eine 2nd Barrel häufig profitabel, da ein guter Spieler selten ein middle Pair bis zum Showdown runtercallt.

Genau diese Gedanken sind enorm wichtig: Was hält Villain für eine Hand? Womit callt er am Flop, gibt aber den Turn auf. Will er uns eventuell floaten? Diese Fragen werden wir nächste Woche an gezielten Beispielen näher erläutern.

» ZUSAMMENFASSUNG

Die 2nd Barrel ist eine wichtige Waffe, um seine aggressive Spielweise am Turn fortzusetzen und nicht nur am Flop eine Continuation Bet anzubringen und jeden Turn aufzugeben. Wir werden damit lesbar und für unsere starken Hände nicht ausbezahlt. Zudem laden wir passive Gegner ein, uns dauernd runterzucallen sowie aggressive Gegner, uns zu floaten.

Wie erwähnt werden wir auf den letzten Punkt des Artikels nächste Woche mit gezielten Beispielen eingehen! Wann macht eine 2nd Barrel in Abhängigkeit von unserem Gegner, unserem Image, dem Board sowie unserer und Villains Range wirklich Sinn!?

 

Kommentare (14)

#1 blacksheep89, 25.03.08 19:30

Finde den Artikel sehr lehrreich.<br /> Ich hatte schon immer das Problem ,dass ich am Turn manchmal meine Hand zu weak aufgebe und Villain mich somit easy floaten kann. Bin schon gespannt auf nächste Woche.

#2 Gh0s7rid3r, 25.03.08 21:18

Den Artikel finde ich auch sehr lehrreich. Jetzt hab ich ein grosses Leak bei mir entdeckt, das sich bei mir im Downswing eingeschlichen hat.<br /> Auf die Second Barrel werde ich nun häufiger in guten Spots einsetzen.

#3 FreshFrozenMikel, 26.03.08 07:06

Sehr guter Artikel und auch sehr nützlich. Viele Semi-Fische auf Party haben sich nämlich angewöhnt, die Contibet jedes bzw. jedes zweite Mal zu callen, da sich auch bei denen rumspricht, dass es sowas wie Conti-Bets überhaupt gibt (daher nur Semi-Fische, die denken wenigstens ab und an nach).

#4 Pauldolski, 26.03.08 10:52

Ich find den Artikel ebenfalls sehr lehrreich!<br /> Eine Anmerkung hab ich jedoch: Du sprichst hier öfters vom "floaten"- ich weiß zwar ungefähr was damit gemeint ist, aber die Strategie die dahinter steckt ist im Content erst ab Platin einsehbar. Daher ist es ein wenig schwierig wenn du vom floaten sprichst und vorraussetzt das das jeder drauf hat!<br /> Ansonsten wie gesagt alles super!

#5 BOATS, 26.03.08 11:56

#4: schau einfach ins Glossar: http://www.pokerstrategy.com/de/glossary/Float

#6 MiiWiin, 26.03.08 13:25

@5:<br /> <br /> Die Definition die im Glossar angegeben ist, sowie BOATS es verlinkt hat, ist vollkommen ausreichend für dieses Thema.

#7 pokerHaJo, 26.03.08 19:31

juhu ich fisch hab instinktiv was richtig gemacht :D ^^<br /> <br /> aber im ernst guter artikel und freu mich dass meine denkweise die ich selbst bei solchen situationen hab, mal richtig war =)

#8 rasputin, 26.03.08 23:34

könntest du vielleicht auch auf die line c/r turn eingehen, gegen gegner die viel floaten/light callen?

#9 Kuschelbaer, 28.03.08 17:45

Sehr guter Artikel, 2nd Barrels haben bisher in meinem Spiel fast völlig gefehlt, was sich jetzt hoffentlich ändern wird.<br /> Bin schon auf die Fortsetzung gespannt!<br /> <br /> In der Beispielhand hat wird Villain übrigens am Flop vom BU zum SB!

#10 Destolon, 04.04.08 13:45

schöner artikel, aber gabs da nicht schon einen vom gutaussehenden, sportlichen meister atuerke?

#11 Masblok, 22.11.10 18:36

Artikel finde auch ich sehr gut. Der Artikel hat mich zum nachdenken gebracht und ich habe ein paar leaks bei mir entdeckt naemlich: zum falschen Zeitpunkt eine 2nd Barrel u. zum Richtigen Zeitpunkt keine 2nd Barrel

#12 CryingAce, 11.02.11 12:26

Ist sicherlich noch ein Leak von mir, das ich zu oft c/f oder gar c/c ..

#13 MaYbe89, 29.07.11 07:58

ja da stimme ich zu..kleines leak gefunden! thx!

#14 derf0s, 03.04.12 21:27

Klasse Artikel MiiWiin.