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StrategieNo-Limit BSS

Pocket Pairs unimproved am Flop

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Pocket Pairs unimproved am Flop

von MiiWiin

Preflop sehen wir unser Pocket Pair meistens als recht stark an, da wir wissen, dass es postflop zu einem Monster werden kann. Stehen wir dann jedoch unimproved am Flop, sprich wir haben unser Set verfehlt, ist es recht schwer mit seiner Hand weiterzuspielen. Ein paar Gedankenansätze dazu möchte ich heute beschreiben, auch wenn klar sein sollte, dass es für diese Situation kaum etwas Allgemeingültiges gibt.

VORRAUSSETZUNG UND PROBLEMATIK

Die meisten Spieler wissen, dass Pocket Pairs in No-Limit Holdem eine sehr starke Hand sein können bzw. am Flop zu einer sehr starken Hand werden können. Voraussetzung dazu ist natürlich ein Hit, so dass wir ein Set vorweisen können, mit denen wir bis auf ganz wenige Ausnahmen auf jedem Flop broke gehen können. Verfehlen wir jedoch unser Set, stehen wir meist mit einer sehr schwachen Hand da.

Ein Pocket Pair hat demnach den Vorteil einer sehr guten Playability, da ein Set eine verdammt starke Hand ist die auch nicht dominiert werden kann. Es gibt nun mal kein Kickerproblem. Der Nachteil daran ist natürlich, dass wir kaum etwas anderes aufgreifen können. Ganz selten halten wir mit mittleren Pockets ein Overpair am Flop und wenn haben wir dennoch eine schwache Hand und gerade mal 2 Outs um uns deutlich zu verbessern. Ebenso können wir nur ganz selten einen Draw hitten.

Da ich nun ein paar mögliche Spielweisen aufzeigen möchte, möchte ich die möglichen Hände, die dies betrifft, etwas eingrenzen. Wir reden von mittleren Pocket Pairs, die wir ohne Initiative spielen, sprich wir haben preflop auf Setvalue gecallt.

AUSGANGSBEISPIEL

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is Button with 8 , 8
UTG raises to $1.00
2 folds, Hero calls to $1.00, 2 folds

Flop: ($2.35) 3, 3, K (2 players)
UTG bets $1.50, Hero?

Die folgenden Gedanken beziehen sich also auf diese oder ähnliche Situationen. Wir reden also nicht von 22/33 oder QQ/KK als Pocket Pair. Zudem sind wir jeweils ohne Initiative. Die Frage, ob man nicht preflop hätte raisen können, interessiert uns hier nicht. Wir befinden uns nun in solch einer Situation.

Die Position: Wir gehen in erster Linie davon aus, Pocket Pairs auf Setvalue meistens in Position zu callen. Da wir nicht openlimpen, wären wir out of Position meistens in einem 3-betted Pot oder hätten, sofern Villain nur gecallt hat, selber die Initiative. Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist demnach ein Blind-Defend, bei dem wir unser Pocket Pair aus den Blinds heraus callen und somit postflop out of Position agieren müssten. Wir werden uns nun in erster Linie auf das Spiel in Position konzentrieren und am Ende noch einmal kurz auf das Spiel out of Position eingehen.

Unsere Möglichkeiten: Nehmen wir als nun oben aufgeführte Situation an: Wir haben preflop in Position mit unserem Pocket Pair gecallt und stehen nun Heads-up unimproved am Flop. Villain macht seine Standard-Continuation-Bet. Was machen wir?

Wie nahezu immer haben wir unsere drei Möglichkeiten zur Verfügung: Fold, call oder raise.

Ein Fold wäre die einfachste Entscheidung. Wir entscheiden uns nur bei einem Hit weiter zu spielen, da wir nicht getroffen haben, folden wir. Die Hand wäre somit für uns vorbei und verloren.

Sollten wir uns für ein Raise entscheiden, so haben wir meist auch noch eine zusätzliche Entscheidung in Abhängigkeit von Villain zu treffen. Sollte er folden, haben wir die Hand zwar gewonnen, aber was machen wir bei einem Call bzw. bei einer 3-bet?

Entscheiden wir uns für einen Call, werden wir garantiert eine weitere Entscheidung am Turn treffen müssen. Wenn Villain zu uns checkt, checken wir ebenso oder betten wir? Wenn Villain den Turn bettet, folden wir dann, callen wir erneut oder raisen wir jetzt?

DER FOLD

Wie bereits erwähnt, hätten wir bei einem Fold eine recht einfache Entscheidung getroffen und wären mit der Hand fertig. Die Frage, die wir uns jedoch stellen müssten: Haben wir vielleicht die beste Hand gefoldet?

Was trauen wir Villain zu? Haben wir Stats und Reads oder spielen wir hier gegen unknown? Haben wir uns eventuell preflop schon Gedanken über den weiteren Verlauf gemacht? Sollte Villain ein solch tighter Spieler sein, dass wir ihm beinahe nur Premiums aus UTG zutrauen, so haben wir vielleicht ausschließlich auf Setvalue gecallt und uns darauf eingestellt, ohne Hit die Hand sofort aufzugeben.

Wir gehen also davon aus, dass wir hinten liegen und gleichzeitig kaum eine Möglichkeit sehen, Villain von einer besseren Hand runterzubluffen. Stehen diese beide Faktoren für uns fest, so ist ein Fold logischerweise die richtige Entscheidung.

Wie sieht das aber bei loosen Spielern aus, wo wir uns durchaus noch vorne sehen?

DAS RAISE

Sollten wir in diesem Spot raisen, stellt sich natürlich die Frage, was wir damit erreichen wollen?

Ein Raise hat grundsätzlich zwei verschiedene Zwecke: Zum einen raisen wir for Value, da wir von einer schwächeren Hand ausbezahlt werden wollen. Zum anderen raisen wir um Foldequity zu erzielen und eventuell eine bessere Hand zum Folden zu bewegen.

Nehmen wir dafür noch mal unseren tighten UTG-Raiser an. Wir trauen ihm eine starke Hand zu und entscheiden uns für einen Raise! For Value kann dieser raise nicht sein, da wir uns ja wie erwähnt meistens hinten sehen. Aber können wir mit einem Raise Hände wie bspw. QQ/JJ zum folden bewegen? Diese Frage müssen wir uns stellen, denn wenn wir letztlich nicht dieser Meinung sind, welchen Sinn hat dann unser Raise?

Sollten wir aber der Meinung sein, Villain ist tatsächlich in der Lage hier eine stärkere Hand direkt wegzulegen, macht ein Bluffraise durchaus Sinn.

Noch problematischer wird die Situation allerdings, wie wir gegen einen recht loosen Villain spielen. Und zwar einem Gegner, dem wir preflop wesentlich schlechtere Hände zutrauen. (Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass wir in diesem Fall praktisch auch preflop hätten 3-betten können. In diesem theoretischen Fall haben wir uns aber für einen Call in Position entschieden)

Wie wird Villain auf ein Raise unsererseits reagieren? Ist er so loose, dass er sogar mit schlechteren Händen callen würde und wir somit for Value raisen? Oder heißt das gleichzeitig, dass wir ihn hier niemals von einer besseren Hand herunterbekommen?

Nehmen wir an, dass Villain sehr häufig 2nd-barrelt wird, ist ein Raise vielleicht angebrachter. Wir erzielen Foldequity und nehmen Villain die Möglichkeit, solange zu bluffen, bis wir die Hand aufgeben müssen. Es ist natürlich verdammt schwierig, seine Hand in Relation zu Villains Range zu setzen und somit zu entscheiden, wie weit wir mit der Hand gehen möchten.

Standardmäßig sollte bei einer 3-bet von Villain, egal wie wir diesen Spieler einschätzen, die Hand für uns gelaufen sein. Interessant wird es daher nur bei einem Call.

Am Turn muss man demnach ebenfalls versuchen, dem Gegner eine Range zu setzen. Klar ist jedoch, dass die Foldequity gegen einen loosen Spieler der den Flop bet/call spielt, nicht gerade rosig ist und wir im Normalfall einen bereits sehr großen Pott haben. Somit sollte man meistens auf eine weitere Bet verzichten und hoffen, günstig zum Showdown zu gelangen.

DER CALL

Kommen wir nun zur letzten Option: Dem Call. Mit einem Call bleiben wir in der Hand, erzielen aber natürlich keine Foldequity. Wir können die Hand nicht sofort gewinnen und müssen eine weitere Entscheidung am Turn treffen. Dies mag zwar logisch klingen, verbunden damit ist aber auch, dass ich bereits einen Plan für den Turn haben muss, wenn ich am Flop calle.

Was haben wir für Möglichkeiten am Turn?

Sollte Villain erneut betten, hätten wir zwar theoretisch 3 Möglichkeiten, aber ein Raise sollte die Ausnahme sein. Wir können uns hier nie eindeutig vorne sehen und somit nicht for Value raisen. Sollten wir uns von einem raise viel Foldequity versprechen, so bräuchten wir schon recht eindeutige Reads, da eine 2nd Barrel durchaus Stärke demonstriert.

Blieben uns also die Optionen call und fold. Gegen einen recht tighten Spieler, von dem wir eventuell sogar wissen, dass er recht selten 2nd barrelt bzw. nur, wenn er auch eine made Hand hat, ist ein Fold eine denkbare Option. Man mag zwar denken, die Line call Flop / fold Turn erscheine weak, letztlich haben wir aber wenig investiert und sind uns aufgrund unserer Reads recht sicher, hinten zu liegen. Wir haben unserer Meinung nach ausreichende Informationen über Villains Hand erhalten und sehen unsere Hand nun am Turn als die zweitbeste an. Somit könnten wir folden.

Wenn wir erneut callen, begeben wir uns in eine "way ahead / way behind"-Situation. Gegen einen recht tighten Gegner macht dies wenig Sinn. In diesem Fall müssten wir Villain als sehr loose und aggressiv einschätzen und ihm für seine neuerliche Bet wenig Credit geben. Genau wie bei dem Call am Flop der Plan für unser Turn-Play stehen sollte, so muss bei einem erneuten Call am Turn auch der Plan für unser River-Play stehen.

Spielen wir wirklich way ahead / way behind? Setzen wir unseren Gegner häufig genug auf solch schwache Hände, mit denen er eventuell sogar 3mal barrelt, so dass wir mit unserer recht schwachen made Hand noch mal eine Bet am River callen können und dabei häufig genug noch vorne liegen?

Und genau hier kommt ein großes Problem: Wenn wir nicht vorhaben, am River aufgrund des bereits groß gewordenen Pots erneut zu callen, obwohl wir annehmen dass Villain auch hier recht häufig bluffen wird, so sollten wir schon am Turn aufgeben. Entscheiden wir uns aber aufgrund eines sehr loosen Gegners für unser "way ahead / way behind"-Prinzip, so sollten wir auch den River callen.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass Villain zu uns checkt. Wir haben die Möglichkeiten eines Check-behinds oder aber einer Bet. Sollten wir betten, so läuft es letztlich auf einen Float hinaus. Ein Float ist ein Bluff und somit ist es auch hier unser Ziel, Villain von einer eventuell stärkeren Hand zu bekommen.

Sollten wir der Meinung sein, dass Villain recht aggressiv ist und uns eventuell am Turn bluffcheckraisen könnte oder aber am River eine Bluffbet feuern könnte, wir uns aber meistens noch vorne sehen, so sollten wir lieber den Turn behind checken und den River callen.

Haben wir es mit einem eher tighten Spieler zu tun, muss man sich die Frage stellen ob Villain hier eine stärkere Hand folden kann. Auch hier gilt natürlich, sollten wir Foldequity sehen, dann sollten wir auch floaten.

OUT OF POSITION

Angeführt wurde bereits, dass wir relativ selten out of Position mit einem kleinen Pocket Pair spielen (spielen sollten).

Man kann seine Hand in einen puren Bluff verwandeln und donkbet/fold spielen, jedoch bekommen wir von vielen Gegnern einen Bluffraise, da der Preflop-Aggressor seine Overcards nicht aufgeben will. Wir folden somit die beste Hand, denn callen können wir dieses Raise natürlich nicht.

Ebenso besteht die Möglichkeit des Checkraises, das natürlich ebenfalls ein Bluff ist, jedoch mehr Foldequity verspricht. Der Nachteil ist natürlich, dass er wesentlich teurer ist und somit auch wesentlich häufiger funktionieren muss.

Aber auch hier besteht die Möglichkeit check/call. Sollten wir den Flop check/call spielen und den Turn donken, so wäre dies quasi ein Float out of Position. Er bietet sich vor allem gegen recht aggressive Spieler an. Gegen Spieler, die häufig bluffen, hätten wir somit am Flop die Continuation-Bet eingesackt. Wenn wir wissen, dass dieser Spieler zwar häufig den Turn mit Air 2nd barreln würde, nach unserer Donkbet aber selten raisen wird, da er sich damit beinahe committen würde, ist diese Spielweise durchaus angebracht.

Gegen tightere passivere Spieler jedoch, wo wir nicht davon ausgehen, dass sie mit Air 2nd barreln, können wir einfach check/folden. Wir tragen somit unsere eventuell beste Hand günstig zum Showdown und sehen uns bei einer Turnbet des tight-passiven Spielers hinten.

MULTIWAY

Die beschriebenen Situationen beziehen sich hauptsächlich auf das Heads-up-Play ab dem Flop. Sollten wir einen Multiway-Pot haben, haben wir natürlich mehrere Hände gegen uns die besser sein könnten oder zumindest viele Outs haben. Dadurch sinkt unsere Foldequity und wir sollten vorsichtiger agieren.

URSPRUNG

Natürlich sind die beschriebenen Szenarien sehr allgemein gehalten und sollen nur Denkansätze liefern. Am besten für uns ist natürlich, wenn wir genaue Reads und Stats von Villain haben, also einschätzen können, womit er preflop raist, wie häufig er Flop und Turn bettet und wie häufig er Hände auch aufgeben kann. Werte wie der „Went to showdown“ spielen natürlich gerade bei den Floatversuchen eine große Rolle.

Zudem sind die Aktionen, die sich auf das Turn- und River-Play beziehen, natürlich boardabhängig. Können wir bei dieser Karte bluffen oder ist es eine Karte, die wohl offensichtlich an der Situation nichts geändert hat?

Selbstverständlich spielen auch unser Image sowie unsere History mit in die Entscheidungen hinein. Haben wir häufiger mal gefloatet, sollten wir unimproved Pocket Pairs häufiger mal direkt aufgeben. Waren wir zuletzt sehr aggressiv, sehen uns aber vorne, sollten wir eher versuchen den Showdown zu erreichen und eher mal checken am Turn.

Entscheidend ist natürlich wie immer auch die Deception bzw. das Balancing. Wenn wir bspw. die Line „check/call Flop // check Turn“ nur mit kleinen Pocket Pairs spielen, mit denen wir nicht getroffen haben, so könnte das ein Villain durchaus mitkriegen und auf einmal häufiger 2nd barreln. Nutzen könnten wir dies dann, indem wir auch mit einem getroffenen Set diese Line spielen (und dann natürlich den Turn check/raisen).

Das gleiche gilt natürlich für jegliche Floatversuche, auch hier sollten wir mit starken made Hands eine ähnliche Line wählen. Ebenfalls ist es natürlich wichtig, dass man nicht direkt zu viele Hände aufgibt. Wir wissen, dass wir statistisch gesehen nur ca. jedes 8.mal ein Set treffen. Werfen wir also 7mal direkt unsere Hand am Flop weg, so werden wir beim 8.mal seltener ausbezahlt.

» ZUSAMMENFASSUNG

Ein unimproved Pocket Pair ist meistens keine starke Hand, aber sie muss auch nicht hinten liegen. Gegen verschiedene Gegner haben wir verschiedene Möglichkeiten, sollten uns aber bewusst sein, dass ein einfacher Call bzw. check/call nicht falsch sein muss.

Man muss die Hand nicht immer zwanghaft am Flop entscheiden, beispielsweise durch Bluffraises. Diese sind teuer und vertreiben natürlich schlechtere Hände, bessere Hände werden meistens in der Hand bleiben.

Was wir benötigen, ist die Information über Villains Hand. Wenn wir durch eine 2nd Barrel also die Information bekommen, dass wir meistens hinten liegen, ist die Variante check/call Flop // check/fold Turn eine recht günstige, die sich zudem hervorragend balancen lässt. Alles Angeführte sind nur Gedankengänge, die man natürlich selber umsetzen muss. Meistens reicht es schon, wenn man sich überlegt welche Möglichkeiten man eigentlich hat, bevor man einfach sagt: „Set nicht getroffen, ich bin raus…“!

 

Kommentare (4)

#1 GenerationDoof, 21.04.08 23:35

Guter Artikel insgesamt, allerding würden 3-5 konkrete Spielsituationen mit unterschiedlichen Villains/Boards am Schluss die Theorie davor deutlich leichter einprägsam machen.

#2 crt32, 22.04.08 19:50

Zum Thema 3-bet am Flop: wenn der Flop so trocken ist wie im Ausgangsbeispiel, sollte man wohl eher das Yeti-Theorem hernehmen und bluff-pushen.

#3 yaf, 24.04.08 12:21

yeti theorem?

#4 crt32, 25.04.08 20:28

http://archives1.twoplustwo.com/showflat.php?Number=9285815