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Riverplay Teil 3 - Out of Position

» KOLUMNE

Riverplay Teil 3 - Out of Position

von MiiWiin

Nach dem wir in Riverplay Teil 1 über die Grundsätze des Riverplays gesprochen haben, konnten wir in Riverplay Teil 2 einige Beispiele durchgehen, bei denen sich Hero in Position befand. Heute wollen wir uns darum kümmern, welche Optionen und Möglichkeiten uns out of Position zur Verfügung stehen. Es ist nun einmal leider so, dass uns out of Position wenige Informationen zur Verfügung stehen und wir leider auch häufig nicht das letzte Wort haben.

DER NACHTEIL OUT OF POSITION

Es sollte jedem klar sein, dass wir out of Position einen großen Nachteil haben und demnach so häufig wie möglich versuchen sollten, in Position zu agieren. Häufig lässt sich das aber nicht vermeiden, da wir auch aus frühen Positionen gute Hände aggressiv spielen wollen und dabei natürlich recht oft gecallt werden.

Abhängig davon, wie sich die Hand bis zum River nun entwickelt hat, stehen wir dort nun vor einer schwierigen Entscheidung. Neben der Frage, ob Bluffs sinnvoll sind, ist es natürlich auch entscheidend, wie wir mit unseren starken Händen das maximale value herausholen können.

UNSERE OPTIONEN OUT OF POSITION

Unsere Standard-Optionen sind klar: Entweder wir checken oder wir betten. Jedoch können wir auch hier eine dritte Option einfügen. Neben unserer normalen Valuebet in Höhe von ca. 2/3 Potsize (die wir am River aber eher variieren können, da sie mittlerweile nicht mehr den Zweck der Protection erfüllen muss) können wir eine Blockbet anbringen.

Die Blockbet kann mehrere Zwecke erfüllen. Wir versuchen durch sie, den positionellen Nachteil auszugleichen und durch sie für einen relativ günstigen Preis eine wertvolle Information zu erhalten. Als Voraussetzung dafür gehen wir davon aus, dass uns Villain nicht bluffraist.

Nehmen wir neben Bet (in normaler Höhe) und Check die Option Blockbet dazu und gehen wir einmal alle Möglichkeiten durch und schauen uns an, wann wir sie theoretisch anwenden.

check/fold

Wir gehen davon aus, am River eindeutig hinten zu liegen, sprich wir geben uns keinerlei Showdownvalue. Des Weiteren sehen wir keine Chance, Villain durch eine Bet zu einem Fold zu bewegen. Sollten wir die Foldequity als nicht ausreichend einstufen, macht ein Bluff keinen Sinn. Wir geben die Hand also einfach auf.

check/call

Mit einem check/call begeben wir uns quasi in eine Way ahead/Way behind-Situation. Wir wollen starke Hände nicht ausbezahlen, aber wenn möglich günstig zum Showdown. Am River ist diese Situation ein Sonderfall, bspw. im Gegensatz zu einem c/c am Flop oder Turn.

Wir brauchen nicht mehr zu protecten, die Hand ist gemacht. Wir müssen unsere Hand einstufen und einschätzen, ob wir damit ausreichend Showdownvalue haben. Im Gegensatz zum Turnplay wird Villain hier jedoch relativ häufig eine Bluffbet ansetzen und zwar teilweise so häufig, dass wir mit einem positiven Erwartungswert die Bet callen können.

Entscheidend dafür ist natürlich das Board. Sollte bspw. ein Draw nicht angekommen sein, den wir Villain recht häufig zutrauen, so mag ein check/call eine gute Option sein, solange wir eine Hand wie TPTK halten. Sollte Villain recht aggressiv sein, wird er häufig eine Bluffbet einstreuen, da er unseren Check als weak interpretieren könnte, er jedoch auch weiß, dass er mit einem Draw (ohne Hit) keinerlei Showdownvalue hat.

Ebenso ist ein check/call möglich, wenn wir eine recht marginale Hand halten, wie z.B. ein Toppair ohne guten Kicker. Wir wollen zwar den Showdown sehen, gehen aber kaum davon aus dass eine schwächere Hand callen wird.

Dennoch ist check/call keine grundsätzliche Option, sondern, wie in den letzten Wochen bereits erwähnt, immer in Abhängigkeit der Pot- und Betsize zu sehen. Man kann durchaus eine ½-PS-Bet callen, auf einen Push aber folden.

check/raise

Das Checkraise ist eine Waffe, die man bis zum River entweder schon gezogen haben sollte (am Flop oder Turn) oder nun stecken lässt.

Grundvoraussetzung für ein Checkraise am River wäre eine sehr starke Hand und ein sehr aggressiver Villain. Wir müssen also davon ausgehen, dass Villain nahezu immer den River betten (bluffen) wird, ebenso müssen wir aber auch der Meinung sein, dass er sogar mit schlechteren Händen noch häufig genug unser Raise (in den meisten Fällen ein Push All-In) callt. Diese Situationen sind sehr selten und werden dazu noch relativ häufig falsch eingeschätzt.

bet/fold

Bet/fold ist eine Option, die mit Bedacht angewendet werden sollte. Uns muss klar sein, was wir damit erreichen wollen. Ein starke Bet am River kostet uns eine Menge, bei einem Raise verpassen wir den Showdown.

Man muss sich also einen Call von Villain versprechen, der hier bereit seien muss, eine schlechtere Hand als unsere zum Showdown zu führen, die er jedoch nicht selber betten würde. Andererseits müssten wir uns bei einem Raise sicher sein, nur die zweitbeste Hand zu halten.

Grundsätzlich lohnt sich so ein Spiel am ehesten gegen schlechte loose-passive Spieler, also der grobe Typ „Callingstation“.

bet/call (bet/push)

Bet/call ist eine der einfachsten Optionen. Halten wir eine sehr starke Hand, mit der wir bereit sind, broke zu gehen, sollten wir gegen beinahe jeden Gegner betten, anstatt wie erwähnt ein Checkraise zu versuchen (das ja auch in den meisten Fällen widersprüchlich zu unserem Verhalten auf den vorherigen Streets wäre).

blockbet/fold

Wir haben oben die Blockbet kurz angesprochen. Ich setze mal voraus, dass man weiß, welchen Sinn ein Blockbet hat. Sollte bspw. ein Flushdraw verpasst werden, so haben wir die Option check/call als durchaus empfehlenswert eingestuft. Wir versuchen dort, einen Bluff zu inducen. Jedoch habe ich bereits dort darauf hingewiesen, dass es natürlich dennoch in Abhängigkeit der uns vorgesetzten Odds entschieden werden muss, ob wir callen.

Nehmen wir nun eine Situation an, in der ein Draw ankommt. Wir haben zwar eine gute made Hand wie TPGK oder ein weakes 2Pair, sehen uns aber nicht mehr häufig vorne. Das Problem ist, dass check/call mittlerweile eine Option geworden ist, die für uns nicht mehr profitabel ist, wenn wir der Meinung sind, nicht häufig genug vorne zu liegen, um eine 2/3PS-Bet callen zu können. Genauso wenig wollen wir einen Bluff induzieren, denn selbst wenn wir von einigen Bluffbets ausgehen, sehen wir uns im Verhältnis noch zu häufig hinten.

Wir wollen als keine starke Hand ausbezahlen, andererseits uns nicht billig aus dem Pot bluffen lassen. Wir blockbetten also.

Der Gedanke basiert darauf, dass Villain wesentlich seltener zu einem Bluffraise greifen wird als zu einer Bluffbet. Hatte er mit einer Crap-Hand vor, uns am River zu bluffen, so wird er sie nach einer Blockbet wegschmeißen. Raist er dennoch, so ist es wesentlich häufiger eine starke made Hand, und zwar so häufig, dass wir unsere Hand aufgeben können.

Leider funktioniert dies nicht gegen alle Spieler. Was wir hierfür brauchen, sind schlechte Spieler, egal wie wir sie ansonsten kategorisieren. Er darf nicht verstehen, was wir mit dieser Blockbet erreichen wollen. Von einer Callingstation bspw. erhoffen wir uns sogar noch Value von schwächeren Händen, da dieser Spielertyp dafür bekannt ist, auch sehr schlechte Hände zum Showdown zu tragen. Einen aggressiven Spieler wollen wir am Bluffen hindern. Da diese Blockbet uns also noch häufig genug Value beschert und uns bei einem Raise eine gute Information gibt, wo wir mit unserer Hand stehen, ist sie gegen schwache Spieler eine nützliche Waffe.

blockbet/call (blockbet/push)

Blockbet/call ist eine Option, die man sehr genau betrachten muss. Beim ersten hinschauen macht sie keinen Sinn, denn die genaue Definition der blockbet sagt aus, dass man auf einen Raise foldet (sonst wäre es eine valuebet und keine blockbet).

Jedoch gibt es hier zwei Ausnahmen:

Es gibt Situationen, in denen unsere Blockbet mit einem Minraise beantwortet wird. Wie ich immer wieder drauf hinweise, spielen am River die Odds immer noch eine entscheidende Rolle. Sollten wir also einen Minraise erhalten und somit gute Odds bekommen (da wir eine Blockbet meist 1/4-1/3-Pot ansetzen), ist ein Call dennoch denkbar, wenn man davon ausgehen kann, dass Villain vielleicht nur günstig zurückmoven möchte.

Ebenso kann eine Blockbet als reverse Bluff angewendet werden, beispielsweise gegen thinking Player. Wenn ich weiß, dass Villain bekannt ist, was eine Blockbet ist, und dass er ebenso das Wissen besitzt, dass ich in der Lage bin, diese Waffe gezielt einzusetzen, so kann er mich durch ein Raise profitabel mit Air von meiner made Hand herunterbluffen. Es macht also auch mit starken Händen mal Sinn, gegen so einen Gegner zu blockbetten und dadurch ein Bluffraise zu induzieren (auf das wir dann callen oder pushen können). Hierfür ist es jedoch wichtig, genaue Reads auf Villain zu haben.

Beispiele

Ich möchte nun zu den oben beschriebenen Möglichkeiten ein paar Beispiele anführen.

check/call

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
BU ($25) (35/16/3.4/24/453) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
MP ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is CO with A , K
2 folds, Hero raises to $1.00, BU calls $1.00, 2 folds

Flop: ($2.35) A, Q, 7 (2 players)
Hero bets $1.75, BU calls $1.75

Turn: ($5.85) 8 (2 players)
Hero bets $4.00, BU calls $4.00

River: ($13.85) 2 (2 players)
Hero checks, BU bets $7.00, Hero calls $7.00

Wir haben es mit einem recht loosen Gegner zu tun, der einigermaßen aggressiv ist, jedoch nicht gerade als guter Spieler ausgemacht werden kann. Wir betten den Flop und Turn, um vor dem 3. zu protecten. Am River fällt diese Protection weg, wir sehen uns häufig genug vorne und gehen auch davon aus, dass Villain in der Lage ist einen busted Draw oder pure zu bluffen. Wenn wir betten, wird er wohl nicht mehr viel callen (sein WTS ist nicht sonderlich hoch), also entscheiden wir uns hier für check/call. Die Bet fällt verhältnismäßig günstig für uns aus, so dass wir einen leichten Call haben.

bet/fold

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
BU ($25) (30/4/0.5/29/561) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
MP ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is CO with A , K
2 folds, Hero raises to $1.00, BU calls $1.002 folds

Flop: ($2.35) 4, 4, 7 (2 players)
Hero bets $1.75, BU calls $1.75

Turn: ($5.85) 8 (2 players)
Hero checks, BU checks

River: ($5.85) K (2 players)
Hero bets $4.25, BU raises to $13.00, Hero folds

Am Flop machen wir eine Contibet, da wir uns einiges an Foldequity versprechen, da Villain dieses Board wohl eher selten getroffen hat. Nach seinem Call sieht man am Turn nicht mehr ausreichend Foldequity, er wird hier wohl ein Pocket Pair oder eine 7 zum Showdown tragen.

Am River bekommen wir jedoch unser Toppair, gleichzeitig kommt der Backdoorflush an. Wir betten hier for Value, denn unser Villain Marke „Callingstation“ wird hier mit sehr vielen Händen noch callen, die er aber nicht selber betten würde. Check/call scheidet daher aus. Da er nun jedoch raist, müssen wir uns hinten sehen. Villain ist sehr passiv, er wird hier nahezu nie bluffen. Ist er nicht gerade dabei, KQ oder KJ maßlos zu overplayen (was bei passiven Spielern eher nicht der Fall ist, sie callen es nur runter…) so laufen wir hier viel zu häufig gegen 4x/77/88/AA/Backdoorflush, als dass ein Call profitabel wäre.

blockbet/fold

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
BU ($25) (26/17/5.2/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
MP ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is CO with A , K
2 folds, Hero raises to $1.00, BU calls $1.002 folds

Flop: ($2.35) A, 8, 8 (2 players)
Hero bets $1.75, BU calls $1.75

Turn: ($5.85) 9 (2 players)
Hero bets $4.00, BU calls $4.00

River: ($13.85) Q (2 players)
Hero bets $4.00, BU folds

Wir haben es mit einem recht aggressiven Gegner zu tun. Am Flop und Turn protecten wir natürlich unsere Hand, am River kommt eine ganz eklige Karte. Nicht nur der Flush kommt an, auch AQ schlägt uns jetzt. Mit einer großen valuebet verjagen wir alle schwächeren Hände und laden starke Hände ein, uns den Stack abzunehmen, denn auf einen Push bekämen wir so gute Odds, dass wir kaum noch folden könnten.

Auf dem Board wollen wir jedoch auch nicht check/call spielen, da wir uns außer gegen einen Bluff nicht mehr gegen viele Hände vorne sehen können. Natürlich kann Villain hier mit Air oder Händen wie Ax/JJ/TT betten, aber der Call wäre wohl dennoch –EV, da uns einfach zu viele Hände beat haben.

Wir blockbetten also. Sollte Villain nun mit einer schwächeren Hand shoven – nice hand, dann hat er uns rausgeblufft. Zu häufig aber wird er eine wesentlich stärkere Hand als unsere halten. Abgesehen davon gehen wir nicht davon aus, dass Villain ein guter Spieler ist und somit unsere Blockbet exploitet, so dass er sie als dermaßen weak auslegen könnte, dass er nun erst recht bluff-shoved.

» ZUSAMMENFASSUNG

Wir haben nun ein paar Beispiele am River in verschiedensten Situationen durchgesprochen. Wichtig ist, dass man weiß, welche Optionen man jeweils hat und was man mit ihnen erreichen möchte.

„Standard“-Play gibt es am River nicht, man hat sowohl in Position als auch out of Position viele Möglichkeiten, die man in unterschiedlichsten Situationen auch differenziert anwenden sollte. Alleine sich darüber Gedanken zu machen bzw. im Nachhinein eine Session darauf hin zu bilanzieren, wird mit Sicherheit für keinen Spieler ein Nachteil sein. Es gibt immer etwas zu verbessern.

 

Kommentare (8)

#1 leoZilla, 02.06.08 17:16

guter Artikel, für NL25-100 Spieler sehr lesenswert<br /> <br /> bis auf -><br /> <br /> bsp1: imo b/f<br /> bsp2: 78 hat uns nicht beat

#2 Pono, 02.06.08 20:36

bsp2: nicht 78 , aber 56

#3 Topmodel57, 03.06.08 05:10

beispiel 2 is ma nen easy call am river. Wieso soll er denn nicht mit KJ/KQ raisen?

#4 MiiWiin, 03.06.08 06:51

Dann tauschen wir bei Bsp. 56 mit 78.;-)<br /> <br /> Natürlich kann auch durchaus callen, aber der passive Spieler wird uns hier zu häufig beat haben.

#5 kermit83, 03.06.08 13:34

@ #3 pppppapapapapapasssisssisssisssiveveveveverrrrrr Gegegegegegegner....<br /> Gegen solche Leutz darf man schon mal Angst haben und zittern, wenn die den river raisen....

#6 tuzz, 05.06.08 10:20

Schöne Serie. DA hat man was zu tun, das zu analysieren und zu verinnerlichen.<br /> <br /> Nur der Vollständigkeit halber:<br /> Bsp.1 da ist der BU am River plötzlich nen UTG... ;)

#7 MiiWiin, 06.06.08 16:06

@6<br /> <br /> Ja, also mit den Hand-Konvertierungen hab ich es irgendwie nicht so. ^^

#8 CryingAce, 12.02.11 11:11

Ich auch nicht, oder warte ,<br /> viell. liegt es ja nicht an Uns ;-)