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StrategieNo-Limit BSS

5-Bet-Bluffpushes vs. 4-Bets und die Anpassung an Flop-Checkraises im Heads-up

Einleitung

In diesem Artikel
  • Anpassungen an loose 4-Bets
  • Wie du auf häufige Checkraises am Flop reagierst

In diesem Artikel möchte ich zwei wichtige Themen für das Heads-up-Poker dieser Tage besprechen: 5-Bet-Bluffpushes vs. 4-Bets und die Anpassung an Checkraises.

Oft treffen wir beim Spielen von zwei oder drei Tischen auf Regulars und werden von diesen mit häufigen Checkraises (CR) konfrontiert. Eine solche Spielweise des Gegners kann uns dazu bringen, unsere Komfortzone zu verlassen. Dies zu verhindern ist für die meisten Spieler nicht einfach. Es scheint, als wären häufige 4-Bets kein gleichwertiges Problem, da diese Moves durch unsere lighten 3-Bets quasi provoziert werden.

Dem kann ich mich nur anschließen: Wenn unsere Gegner ihre 4-Betting-Range looser gestalten, so 3-betten wir zukünftig tighter und shoven dafür häufiger.

Teil I - 5-Bet Bluffs vs. 4-Bets

Es wird wohl niemanden mehr überraschen, dass Duelle gegen Regulars an 3-4 Tischen ab und zu (oder sogar oft) zu sehr aggressiven oder auch super loosen Spielen werden (manchmal reichen auch nur 2 Tische). Die meisten der Low-Stakes-Regulars spielen aber nur preflop und am Flop sehr loose. Auf den späteren Streets fehlt ihnen meist die Erfahrung, um einschätzen zu können, wann es besser ist,aufzugeben und wann man den Gegner weiter unter Druck setzen sollte.

Aufgrund dieser Tatsache geht es im ersten Teil meines Artikels um 5-Bet-Pushes mit Standardstacks und einem sehr loosen Postflopspiel.

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir eiskalt bluffen, wenn wir mit einer beliebigen Hand 5-Bet/pushen (und genau darum wird es gehen) und unsere einzige Waffe daher die erzeugte Foldequity (FE) ist.

Wenn unsere 4-Betting-Range nicht nur aus Valuehänden besteht, haben wir immer etwas Foldequity.

Wie du weißt, ändern sich im Spiel die Ranges abhängig von der Dynamik, so dass es einen kritischen 4-Betting Punkt gibt, an dem es profitabel wird, any two zu pushen, vorausgesetzt, dass wir nur von Valuehänden (V) gecallt werden.

Versuchen wir nun einmal zu bestimmen, wie die 4-Betting-Range unseres Gegners aussehen sollte (dabei ist zu beachten, dass die 4-Bet-Werte im HUD während einer Session stark variieren können), um unsere Bluff-5-Bet mit any two profitabel zu machen.

Bestimmen wir nun zu erst den „V“-Parameter, also die Range mit der unser Gegner callen wird:

V = 4-Bet/Call = TT+, AQo+, AQs+ = 4,7%
Y = 4-Bet (gegen die wir dank unserer FE profitabel 5-bet-bluffen können)
Y – Y * X = 4,7%
X = FE

Die Differenz von Y – V = der notwendige Anteil an Bluffs der gegnerischen Range, wenn wir any two pushen.

Klar ist, dass wir FE haben, wenn wir mit any two gegen die gesamte 4-Betting-Range des Gegners pushen, die aus dem Anteil an Bluffs und dem Anteil an Valuehands (X) besteht.

FE = X.

EV (F) = (100BB + 4-Bet Size) * X

Dies ist der EV eines Pushes mit any two, falls unser Gegner foldet (unser Pushingstack plus seine 4-Bet mal die FE).

EV © = (1 – X) * EQ * 200BB – (1 – X) * (1 - EQ) * 200BB

Das ist der EV, falls der Gegner callt: Alle Spots, in denen er uns callt (1 – X) und wir den Pot mit unserer Equity von any two gewinnen, minus alle Spots, in denen wir den Pot verlieren (1 – EQ). So erhalten wir unseren Push-EV.

EV (F) + EV © > 0

Wenn also EV (F) + EV © > 0 ist, ist auch unser Move +EV. Mit diesen bekannten Parametern müssen wir jetzt nur noch die nötige FE herausfinden.

4-Bet Size = 27BB (eine Standard-4-Bet)
EQ(random) vs. V = 27,6%


EQ = 27,6%

Das bedeutet:

EV = (1 – X) + (0,276 * 200 – 0,724 * 200) + X * 127 = (1 – X) * (-89,6) + X * 127
X= (89,6)/(89,6 + 127)
X= 0,413 = 41,3%

Damit haben nun also die nötige FE, die wir zur Berechnung der Range nutzen:

Y – 41,3% * Y = 4,7%
Y = 8%

Wenn wir also aufgrund der Spieldynamik davon ausgehen, dass unser Gegner von Zeit zu Zeit looser als 8% 4-bettet und uns nur mit seiner Valuerange callt, wird es für uns profitabel mit any two broke zu gehen.

Nach ein paar einfachen Equityberechnungen erhalten wir daraus:


Jetzt entfernen wir alle Hände, mit denen unser Gegner die 3-Bet einfach callen könnte und addieren seine kleinste akzeptable Bluffingrange:


Wenn du also denkst, dass die 4-Betting-Range des Gegners irgendwann im Spiel auch diese minimale Bluffingrange enthält (oft ist sie viel polarisierter), wird es profitabel mit any two zu pushen.

Teil II - Anpassungen an häufige Checkraises am Flop

Es ist teilweise lustig zu sehen, dass jede Diskussion über Checkraises lange dauern und man viele Kenner der Konzepte finden kann, die ich hier vorstellen werde. Dennoch werden genau diese Spieler von anderen oft kritisiert. Es ist einfach sehr schwer, eine Standard-Herangehensweise an die heutigen HU-Games zu entwickeln, da die jeweilige Strategie sehr von dem jeweiligen Gegner und der gemeinsamen History abhängt.

Bevor ich nun tiefer ins Detail gehe, sollten noch ein paar Dinge geklärt werden. Ich bewerte einen CR-Wert als hoch, wenn er über 25% liegt, unser Gegner also jeden vierten Flop checkraist. Seine komplette Range können wir dabei nicht definieren, es können sogar any two Cards seiner 30-40% BB-Callingrange sein. Ihm also einfach die Top 25% seiner BB-Callingrange zu geben, ist definitiv ein Fehler. Die Range wird im Gegensatz dazu stark von der Textur des Boards abhängen. Darum schlage ich folgende Herangehensweise vor.

Um unsere Analyse zu vereinfachen, definieren wir zwei Floptexturen:

  • "Rd.-Flops" - auf denen unser Gegner mit seinem CR oft eine starke Made Hand repräsentieren kann, z.B. 456 oder 79J.

  • "Nrd.-Flops" - auf denen er nur selten seine Valuerange getroffen hat, aber auch weiß, dass das für uns genauso gilt, z.B. A74 rainbow.

Natürlich treffen wir auch immer wieder auf Gegner, die unabhängig von der Boardtextur checkraisen, weswegen ich denke, dass wir versuchen sollten, unser Spiel gegen beide Gegnertypen anzupassen.

Zuerst definieren wir eine Standard BB-Callingrange eines Regulars. Diese liegt bei etwa 32-38%.

Offensichtlich werden Checkraises for Value häufiger auf Rd.-Flops gespielt als auf Nrd-Flops, da die Callingrange weniger Bildkarten und mehr Connectors/Gaps enthält. Dabei ist es aber wichtig zu beachten, dass unser Gegner genauso denkt und daher niedrige und verbundende Boards hart attackieren kann.

Ich schlage vor, wir diskutieren zu Beginn im Einzelnen die Kategorisierung der Handstärken: HU, BSS, Flop.

Diese Einordnungen treffe ich, da ich vor ungefähr einem Jahr einen Artikel namens "Hand Categorization” gelesen habe, in dem es um die relative Handstärke beim NL Hold'em ging. Diese Idee habe ich hier übernommen:

  • 1. Monster Hands: 2 Pair+ (Nrd.), Set+ (Rd.)
  • 2. Strong Made Hands: TPGK+ (Nrd.), TP + Strong Draw (Rd.)
  • 3. Marginal Made Hands: 2nd Pair GK+ (Nrd.), TPTK+ (Rd.)
  • 4. Strong Draws: Gutshots + Overcards (Nrd.), Combo- oder Monsterdraw auf die Nuts (OESD oder FD + GS) (Rd.)
  • 5. Weak Draws: 3rd Pair, Overcards + 2 Backdoors (Nrd.), Low OESD oder weak FD ohne Overcards (Rd.)
  • 6. Sehr schwache Hände, fast Air: Gutshot, 2 Undercards < X auf X-High-Board (Nrd.), 3rd Pair, Overcard + Backdoor (Rd.)
  • 7. Air: Hände die kaum Equity und keinen Showdownvalue haben

Überlegen wir uns nun, wie oft wir die verschiedenen Hände halten, wenn unser Gegner im BB callt. Natürlich ist es unmöglich, darauf eine genaue Antwort zu finden, aber mit einigem Nachdenken kann man einige Schlüsse daraus ziehen.

Wir raisen zu etwa 75-100% unserer Hände aus dem SB. Unser Gegner callt mit 30-40%, die nicht den besten Händen seiner Range entsprechen. Wir haben allerdings den Top-Anteil in unserer Range. Und wir haben die Initiative.

Tatsächlich trifft unser Gegner Rd.-Boards häufiger als wir, da sein Anteil von connected und schwachen Händen kleiner ist als unserer. Nrd.-Boards treffen wir jedoch beide gleich schlecht, da es nur wenige Hände in seiner Range gibt, die er for Value checkraisen kann und nicht schon preflop ge-3-bettet hat. Wir haben natürlich immer noch eine Prefloprange von fast 100%, aber dennoch Hände, die wir repräsentieren können.

Wie in der folgenden Hand gezeigt, können wir also seine Glaubwürdigkeit auf Nrd.-Boards (dry und nicht connected) reduzieren:

BEISPIEL 1:

NL Holdem $0.50(BB)

Stacks
Villain ($50)
Hero ($50)

Preflop: Hero is SB with Ah7s
Hero raises to $1.50, BB calls $1

Flop: ($3) Qd8s4h
BB checks, Hero bets $2, BB raises to $6, Hero calls $4

Turn: ($15) Qd8s4h2d
BB bets $9.50, Hero calls $9.50

River: ($34) Qd8s4h2d3s
BB bets $18, Hero raises to $33 All-In

Unser Gegner hat hier am River so gut wie nie eine Hand, die genug Equity hat, um unser Raise zu callen oder sogar check/call River zu spielen. Das ändert sich erst dann, wenn der Gegner dazu neigt, seine BB-Callingrange zu polarisieren und auch Hände wie KJ+ oder sogar KK+ dazunimmt.

Wenn dir diese Tendenzen aufgefallen sind (was sehr unwahrscheinlich, aber dennoch möglich ist und dir gleichzeitig einiges über den Gegner verrät), weißt du im Grunde auch, dass seine 3-Betting-Range preflop mit einem Schwerpunkt zu Bluffs polarisiert ist.. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir gehen ja davon aus, dass wir es mit einem durchschnittlichen Low-Stakes-Regular zu tun haben, der eher wenig über Moves wie das Callen von KK+ im BB nachdenkt. Falls wir also den Showdown sehen, zwingt er uns dazu, seinen Flop Checkraises ein bisschen mehr Credit zu geben.

Selbstverständlich müssen wir auch daran denken, dass wir nicht um jeden einzelnen Pot auf einem trockenen Board kämpfen müssen, da unser Gegner anfangen wird, mit mittelmäßigen Händen unsere Bluffs zu catchen.

Darum sollten wir die relative Handstärke (7 Kategorien) in unsere Überlegung einbeziehen. Zu beachten ist im Folgenden, dass in keinem Beispiel ein Checkbehind in Betracht gezogen wird, da es hier um Situationen geht, in denen wir immer contibetten.

  • 1 + 2 – Wir spielen hier definitiv bet/call Flop, call Turn und raise River for Value (natürlich unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation – River AF, WtSD, eigenes Image).
  • 3 – Bet/call Flop und Neubewertung je nach Turnkarte. Hier hat man die Wahl zwischen einem Raise for Value/Protection und einem Calldown, um Bluffs zu kassieren.
  • 4 + 5 – Bet/call Flop und raise Turn als Semibluff (nicht schwer zu balancen, da wir auch sehr schlechte Turns mit Kategorie 2 oder sogar Kategorie 1 raisen)
  • 6 + 7 – Schwer zu sagen. Man kann bet/call → call → push spielen (diese Line sieht wie bei Kategorie 1 aus, ist also stark und gebalanced) oder einfach am Flop aufgeben. Wir müssen auch unsere Aggression balancen, denn wir können nicht jeden Pot gewinnen.
Kommen wir zu den Rd.-Flops.

Hier ist die Sache nicht ganz so einfach und wir müssen die Rd.-Flops in zwei Gruppen einteilen. In der einen Gruppe sind alle Rd.Hd.-Flops, auf denen unser Gegner eine starke Hand repräsentieren kann, die aber nimmer noch sehr drawheavy sind. Damit ist es wahrscheinlicher, dass er einen starken Draw hat als eine Made Hand. Die anderen Rd.-Flops bleiben gleich.

Diese Einteilung erleichtert uns die Bestimmung unserer Aktionen erheblich. Sowohl die Rd.- als auch die Rd.Hd.-Flops helfen unserem Gegner meist mehr als uns selber, weswegen wir vorsichtiger agieren müssen als auf Nrd.-Boards.

Auch unsere relative Handstärke ist nicht sehr stabil und wir wissen oft nicht, wo wir stehen. Im Gegensatz dazu hat unser Gegner nicht viel Mühe seine polarisierten Ranges auf Rd.Hd.-Flops zu checkraisen (sowohl mit Made als auch Drawing Hands). Außerdem kann er auf passenden Turnkarten seine Aggression fortsetzen (Blanks, Drawkarten und Karten, die starken Händen helfen).

Nehmen wir also an, dass unser Gegner 25% aller Rd. und Rd.Hd.-Flops checkraist und auf alle Turnkarten zu 100% contibettet, falls wir callen sollten. Dabei dürfen wir aber eine 3-Bet am Flop nicht außer Acht lassen.

Betrachten wir nun unsere relative Handstärke und richten daran unseren Spielzug aus:

  • 1 – Bet/Call Turn, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass die Riverkarte die Action killt, niedriger ist als die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gegner eine Hand hat, mit der er den River bettet aber am Turn folden würde. Andernfalls raisen wir.
  • 2 – Wir bewerten den Turn anhand seiner Gefährlichkeit und Drawheaviness. Raisen und runtercallen wird im Grunde den gleichen EV haben. Natürlich wäre es besser zu callen, wenn wir wissen, dass unser Gegner 3rd Barrels feuern wird.
  • 3 – Mit diesen Händen lässt es sich am Turn nicht einfach spielen. Die bessere Alternative wäre den Flop zu betten bzw. zu 3-betten. Auf sehr drawlastigen Boards mit Non-Standardstacks können wir diese Line auch mit Händen der Kategorie 7 oder sogar 2 spielen und so unsere Hände balancen und protecten. Dafür müssen die Stacks aber ziemlich deep sein.
  • 4 – Diese Hände sollten wir am Turn raisen. Balancen lässt sich dies mit Händen aus Kategorie 1.
  • 5, 6, 7 – Mit diesen Händen spielen wir entweder bet/3-bet Flop oder folden, da wir nicht unbedingt einen Turn sehen wollen.
Die Größe der Checkraises

Ich empfehle, immer den Turn zu betten, wenn wir gecheckraist haben: ½-Potsize auf Rd.-Boards und 2/3-Potsize auf Nrd.-Boards.

Wie wir alle wissen, ist ein CR auf einem dry Board nicht sehr furchteinflößend, weswegen unsere Gegner looser callen werden. Durch ein Checkraise repräsentieren wir eine starke Range, die besonders zu Beginn eines Duells recht glaubwürdig ist. Wir sollten immer versuchen, den Value unserer starken Made Hands zu maximieren. Wir bluffen also zu Beginn weniger, aber sobald unser Gegner erkennt, dass wir diese Spots fast jedes Mal for Value spielen, ist es gut, die eigene Range ein bisschen zu polarisieren. Unser Betsizing wird es unserem Gegner schwer machen, Herocalls abzuliefern, da wir in diesen Spots meistens eine sehr starke Hand haben.

Eine Bet von halber Potsize am Turn bei Rd.-Flops ist gut, um den River sehen zu können, den wir auch mit einer Made Hand sehen möchten, da wir oft nicht genau wissen, wo wir stehen. Eine halbe Potsizebet bedeutet gleichzeitig auch eine geringere Varianz.

Das war mein Artikel. Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. Ich hoffe, er konnte dir helfen dein Spiel besser zu verstehen und zu verbessern. Das war Atij für PokerStrategy.com