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StrategieNo-Limit BSS

Ist Protection auf den Micro-Limits sinnvoll?

Einleitung

In der Strategie-Sektion lernen wir, dass wir mit Made Hands wie zum Beispiel TPTK gegen Draws (z.B. einen Flushdraw) protecten sollen. Gerade auf den Micro-Limits kommt es aber dann immer wieder vor, dass wir doch gecallt werden und am Turn oder River kommt der Draw an. Entsprechend häufig fragen sich Anfänger, ob Protection bei den typischen Gegnern auf den Microlimits überhaupt sinnvoll ist. In dieser Kolumne wollen wir genau diese Frage beantworten.


Beispielhand

Zur Illustration nehmen wir folgende Beispielhand:

No-Limit Hold'em, $0.05/$0.10. Alle Gegner haben Stacks von 10$.

Preflop: Hero is SB with A, K
8 folds, Hero raises $0.40, BB calls $0.40

Flop: 4, 8, K ( $0.80 )
Hero ???


Preflop haben wir eine Standard-Situation. Alle Gegner folden, wir haben AK und raisen. Der BB callt unseren Raise und wir kommen Heads-Up zum Flop.

Am Flop evaluieren wir unsere Hand neu. Wir treffen TPTK und sehen uns nun klar vorne. Two-Pair Hände sind relativ unwahrscheinlich, da das Board wenig connected ist. Ebenso sind Straight-Draws unwahrscheinlich - der Gegner kann hier maximal einen Gutshot haben. Allerdings ist das Board 2-suited, so dass ein Flushdraw möglich ist. Wie in der Strategie-Sektion beschrieben entscheiden wir uns hier dazu, unsere Made Hand zu protecten und betten 0,60$.


Ziele von Protection

Doch warum protecten wir? Welches Ziel verfolgen wir damit? Letztlich wollen wir den Gegner in eine lose-lose-Situation bringen: egal ob er foldet oder callt, er soll dabei verlieren. Betrachten wir hierzu die folgenden Szenarien:
  • Villain hat A 6 und foldet auf unsere Bet
Wir haben zur Zeit die beste Hand. Allerdings hat Villain eine Equity von gut 37% - entsprechend gehören ihm rein mathematisch 37% vom Pot, uns stehen die restlichen 63% zu. Foldet der Villain seine Hand, gibt er seinen Anteil am Pot faktisch auf - wir erhalten also seine 37% durch unsere Protection Bet.

Eventuell erscheint das Beispiel etwas konstruiert, da Villain hier sehr selten folden wird (wir betrachten gleich, was bei einem Call passiert). Allerdings ist die konkrete Hand, die Villain hier hat, nicht allzu relevant: Villain könnte auch einen Connector wie 65 halten und damit einen Gutshot Draw haben - auch hier hat er über 23% Equity. Selbst mit einer Hand wie 72o hat er noch gut 5% Equity. Diese Hände wird Villain sehr wahrscheinlich folden und wir gewinnen den gesamten Pot anstatt nur den Anteil, der uns mathematisch zusteht.

  • Villain hat A 6 und callt unsere Bet
Villain hat am Flop 9 Outs. Er muss bei einem Pot von 1,40$ unsere Bet von 0,60$ callen - das sind 2,3:1. Er braucht allerdings bei 9 Outs 4,2:1. Ein Call rein nach Odds und Outs ist also mathematisch "falsch". Was heisst das genau? In 4,2 von 5,2 Fällen wird Villain die Turn-Karte verfehlen, in einem von 5,2 Fällen wird er sein treffen. Er verliert also in 5,2 Versuchen 4,2 * 0,60$ = 2,52$ und gewinnt dafür einmal 1,40$. Das ergibt einen Verlust von 1,12$ in den 5,2 Versuchen bzw. 0,22$ Verlust pro Versuch.
Ein Call kann trotzdem sinnvoll sein, denn bisher haben wir noch nicht betrachtet, dass nach einem am Turn ja noch Bets folgen können. Wenn es Villain gelingt, jedes Mal, wenn er seinen Flush trifft, zusätzlich 1,12$ zu gewinnen, so ist der Call break-even. Sowohl Villain als auch wir machen langfristig weder Gewinn noch Verlust. Kann Villain im Schnitt weniger Value extrahieren macht er Verlust, kann er mehr extrahieren machen wir Verlust.

Betrachten wir dieselbe Situation nun noch einmal mit der Hand 65. Villain callt hier in der Hoffnung seinen Gutshot zu treffen. Wir nehmen der Einfachheit halber an, Villain weiss, dass wir keinen Flushdraw haben - er hat also 4 Outs. Entsprechend benötigt er 10,75:1, bekommt aber wieder nur 2,3:1. Falls er eine 7 am Turn trifft, muss er also im Schnitt 10,75 * 0,60$ = 6,45$ Gewinn machen. Da bereits 1,4$ im Pot sind, fehlen ihm noch 5,05$. Er muss also im Schnitt einen halben Stack von uns bekommen, damit er break even ist. Schafft er es nicht, macht er langfristig durch den Call Verlust und wir machen Gewinn dadurch.


Typische Fehler

Die Beispielrechnung zeigen uns zwei Fehler auf, die viele Anfänger machen:


  • Slowplay mit TPTK-Händen: In der obigen Beispielhand nicht zu betten ist ein großer Fehler. Selbst wenn das Board Rainbow wäre, würde ich so gut wie immer betten. Hände wie 56 oder ein mittleres Paar haben immerhin 4 bzw. 5 Outs. Wenn wir checken, geben wir dem Gegner unendlich große Pot Odds. Der Gegner wird uns nur dann ausbezahlen, wenn er sein Out getroffen hat und entsprechend vorne ist.

  • Payoff von angekommenen Draws: Viele Spieler erkennen nicht, wenn Sie geschlagen sind. Angenommen Viallain callt unsere Bet am Flop, am Turn kommt ein und er bettet Potsize in uns rein. Was soll er hier haben? Entweder er blufft, er hat eine starke Hand (z.B. Set), dass nun Angst vor dem Flush bekommt, oder er hat den Flush. Gerade Gegner auf den Microlimits sind eher passiv, d.h. sie callen zuviel, betten/raisen aber zu wenig. Entsprechned ist ein Bluff hier nicht allzu wahrscheinlich. Wenn wir die guten Hände des Gegners nun immer auszahlen, geben wir ihm die richtigen Implied Odds für den Call am Flop und machen dadurch seine Entscheidung richtig.

  • Massive Overbets: Ein anderes Phänomen, was man immer wieder sieht ist, dass Anfänger in Situationen wie der Beispielhand All-In gehen. Damit protecten sie zwar ideal gegen einen Draw und machen ,wenn sie von einem Draw gecallt werden, auch gut Gewinn. Allerdings zwingen wir unseren Gegner so i.d.R. zu einer richtigen Entscheidung, nämlich dem Fold. Er wird hier selten einen Draw bzw. generell eine schlechtere Hand callen. Wenn wir gecallt werden, sehen wir meistens Hände wie 2-Pair oder besser und liegen entsprechend hinten. Wir gewinnen mit dieser Spielweise zwar einige kleine Pötte, bekommen aber als Favorit kein Value mehr von schlechteren Händen und wenn wir hinten liegen verlieren wir gleich einen großen Pot.


Fazit

Natürlich ist es ärgerlich, wenn wir am Flop und am Turn betten um zu protecten und am River kommt dann eines von Villain's wenigen Outs an. Trotzdem sollte nach dieser Kolumne klar sein, dass Protection auch auf den Micro-Limits wichtig ist. Gerade gegen Gegner des Typs Calling-Station sollte man immer protecten, da sie schlechte Calls machen, die uns langfristig eine Menge Gewinn einbringen. Wird ein solcher Gegner allerdings aktiv und fängt an, groß zu betten oder raisen müssen wir unsere Situation neu evaluieren und darauf achten, die schlechten Calls nicht zu richtigen Entscheidungen werden zu lassen, indem wir zu oft noch große Bets/Raises callen und damit Villain auszahlen.
 

Kommentare (4)

#1 tzare, 11.12.07 16:08

Warum steht in der Überschrift FL wenn der inhalt sich eindeutig auf NL bezieht ?

#2 FabianKola, 12.12.07 23:15

Genau das habe ich mich gerade auch gefragt, hoffe das wird demnächst noch geändert.

#3 wespetrev, 25.01.08 18:57

Der Artikel trifft ins Schwarze.

#4 Justchris1980, 24.02.08 19:13

mittlerweile steht da ja no limit...kann dem artikel nur zustimmen.<br /> hatte kj im bb keiner erhöhte, ich auch nicht, traf 2pair und checkte mich dennoch bis zum ende durch. es kamen noch 10q und a7 gewann. hätte ich den artikel doch gestern schon gelesen.