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StrategieNo-Limit BSS

Woche 45 (BSS): Exploitive Play Teil 1: Die Calling Station

Einleitung

Unter „exploitive play“ versteht man, so zu spielen dass man Fehler in der gegnerischen Spielweise identifiziert und auszutzt. Im Rahmen einer 3-teiligen Kolumnen-Reihe möchte ich auf das Spiel gegen verschiedene Gegner-Typen eingehen. In jedem Teil wird zuerst der entsprechende Gegnertyp beschrieben und dann auf die Fehler solcher Spieler eingegangen. Aus diesen Fehlern leiten wir dann ab, wie man sein Spiel am besten an einen solchen Gegner anpasst.


Die Calling Station

Im ersten Teil dieser Reihe behandeln wir den Spieler-Typ, der vor allem auf NL5 und NL10 anzutreffen ist: die Calling Station.

Als Calling Station bezeichnet man Spieler, die relativ häufig callen. Typischerweise sind sie preflop sehr loose, spielen also mit marginalen Starthänden. „Any two cards can win“ ist ihr Motto.

Postflop klammern Sie sich dann an jeden Draw und folden nicht auf eine Conti-Bet, sofern sie nur ein mittleres oder kleines Paar halten. Sie hoffen hier, dass der Draw bis zum River ankommt bzw. sie noch Trips oder Two Pair machen. Dabei spielen sie jedoch generell passiv, d.h. checken und callen viel, aber betten bzw. raisen relativ selten. Wenn Sie dann einmal betten oder raisen, dann haben Sie in der Regel eine starke Hand; einen Bluff sieht man von Calling Stations sehr selten.

 

Fehler der Calling Station

Ein grundsätzliches Leak, das alle Calling Stations besitzen, ist die fehlende Aggressivität. Gegen gute Spieler machen sie mit ihren starken Händen oft kaum Value. Selbst mit Made Hands wie TPTK wird oft nicht gebettet, so dass Gegner kostenlos drawen können.


Ein weiteres Problem an ihrer Spielweise ist die geringe Selektivität bei den Starthänden. Oft werden marginale Hände wie zum Beispiel A2-AT gespielt. Trifft die Calling Station dann ein A und macht ein Top Pair oder trifft sie auch nur ein Middle Pair, so fällt es ihr schwer, sich von der Hand zu trennen und callt die Hand oft runter.


Letztlich hat die Strategie der Calling-Station auch ein Problem bezüglich fehlender Deception: da sie nur mit sehr starken Händen bettet oder raist wissen wir, woran wir sind und können entsprechend einfach unsere mittelstarke Hände folden.

 

Exploitive Play gegen Calling Stations

Betrachten wir uns die Eigenschaften einer Calling Station, so wird klar, dass wir in der Regel wenig Fold Equity haben. Die Calling Station möchte gerne den Flop sehen und wird entsprechend häufig einen Preflop-Raise callen. Daher sollten wir z.B. von MP3 oder CO nicht sehr loose spielen, wenn eine Calling Station hinter uns sitzt.

 

Hand 1

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

 

Calling Station is at BU


Preflop: Hero is MP3 with K, T

6 folds, Hero ???


In dieser Hand sollten wir folden. Mit einem Raise erhoffen wir den Pot direkt preflop oder durch die Conti-Bet mitzunehmen. Da hinter uns jedoch eine Calling Station sitzt, wird uns dies oft nicht gelingen und wir müssen um einen größeren Pot ohne Position spielen.

 

Auch am Flop müssen wir unser Spiel anpassen. Sobald unser Gegner durch den Flop seine Hand auch nur etwas verbessert, werden unsere Bets gecallt. Wir sollten daher nicht mehr nahezu jede Hand im Heads-Up contibetten. Insbesondere ohne Position wird es uns sonst oft so gehen, dass wir gecallt werden und dann am Turn aufgeben müssen.



Hand 2

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

 

Calling Station is at MP3


Preflop: Hero is BU with A, Q

6 folds, MP3 calls $0,10, 1 folds, Hero raises to $0,50, 2 folds, MP3 calls $0,40.


Flop: ($1,15) T, 8, 6 (2 players)

MP3 checks, Hero ???


Preflop verläuft die Hand standardmäßig. Am Flop würden wir in der Regel eine Conti-Bet machen. Dies sollten wir auf diesem Board jedoch nicht tun: die Calling Station wird uns hier zu oft callen, sei es dass sie ein Paar, ein Flushdraw, Gutshotdraw oder ein Pocket Pair hält.

 

Ebenso sollten wir die sonst oft profitablen Semi-Bluffs überdenken.

Wenn wir mit einem Draw, wie z.B. einem Nutflushdraw mit 9 Outs, semi-bluffen, so haben wir zwei Ziele: zum einen möchten wir den Pot direkt mitnehmen. Wegen der fehlenden Fold Equity wird uns das aber gegen Calling Stations seltener gelingen. Zum anderen versuchen wir unsere Hand nicht nach einem Flush aussehen zu lassen und den Pot aufzubauen, um später größere Value Bets machen zu können. Zwar möchten wir, wenn unser Draw ankommt, immer noch um einen großen Pot spielen, allerdings callt uns eine Calling Station auch, wenn wir vorher passiv gespielt haben und dann groß betten wenn das Board 3-suited wird.

 

 

Hand 3

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

 

Calling Station is SB with 2$ Stack


Preflop: Hero is BB with 4, A

3 folds, MP2 calls $0,10, 2 folds, BU calls $0,10, SB calls $0,10, BB checks.


Flop: ($0,40) 2, J, 7 (4 players)

SB checks, Hero bets $0,30, 2 folds, SB calls $0,30.


Turn: ($1,00) 6 (2 players)

SB checks, Hero ???


Wir spielen den Flop mit unserem Nutflushdraw und der Overcard an. Die Calling Station wird ihrem Ruf gerecht und callt als einziger Gegner. Am Turn haben wir immer nur noch den Draw und der Reststack der Calling Station entspricht der Potsize. Hier müssen wir nicht betten: unsere Fold Equity ist nahezu nicht vorhanden und falls der Draw am River ankommt gewinnen wir i.d.R. auch den Reststack der Calling Station.

 

Calling Stations gelten als diejenigen Gegner, von denen man am meisten Value bekommen kann. Das liegt daran, dass wir auch mit mittelstarken Made Hands, wie Top Pair Good Kicker, value machen können.

Treffen wir eine solche Hand so müssen wir auf jeden Fall value betten – der Gegner zahlt uns oft genug mit einem Top Pair und schlechterem Kicker, aber genauso mit Draws oder mittleren/kleinen Paaren aus.

Ebenso dürfen wir niemals den Fehler machen, sehr starke Hände gegen Calling Stations zu slowplayen. Checken wir z.B. mit einem Set zu einer Calling Station, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Gegner den check behind nimmt und der Pot so nicht größer wird. Bei starken Händen sollten wir daher auf jeder Street aus vollen Rohren feuern.

 

Hand 4

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

 

Calling Station is at BB


Preflop: Hero is BU with A, J

6 folds, Hero raises to $0,40, SB folds, BB calls $0,30.


Flop: ($0,85) J, 8, 2 (2 players)

BB checks, Hero bets $0,70, BB calls $0,70.


Turn: ($2,25) 5 (2 players)

BB checks, Hero bets $1,50, BB calls $1,50.


River: ($5,25) K (2 players)

BB checks, Hero ???


Wir betten hier unsere TPTK-Hand am Flop und am Turn. Am River kommt nun eine Overcard. Trotzdem sollte Hero gegen eine Calling Station hier noch eine kleine Value Bet machen: der Gegner wird hier oft genug mit einem kleinen Paar callen.

 

Sollte die Calling Station irgendwann aufwachen und in uns hinein betten oder unsere Bet raisen, so sollten wir auf jeden Fall sehr vorsichtig sein: mittelstarke Hände wie Top Pair und selbst Bottom Two Pair sind hier oft nicht mehr ausreichend. Oft kommt am River eine relativ harmlos aussehende Karte, wir machen unsere Value Bet und werden von der Calling Station All-In geraist. In solchen Situationen dürfen wir gegen Calling Stations nicht denken „der kann doch nicht mit einem Gutshot gecallt haben…“ – doch, Calling Stations machen das öfter. Anstelle hier zu versuchen einen Bluff auffliegen zu lassen, sollten wir einfach unsere schwächeren Hände folden und auf die nächste Hand warten.

 

Hand 5

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

 

Calling Station is at BB


Preflop: Hero is BU with A, T,

6 folds, Hero raises to $0,40, SB folds, BB calls $0,30.


Flop: ($0,85) J, T, A (2 players)

BB checks, Hero bets $0,70, BB calls $0,70.


Turn: ($2,25) 7 (2 players)

BB bets $3,00, Hero ???


Wir sehen uns am Flop vorne und machen eine Value-/Protection-Bet. Am Turn kommt der Flushdraw an und die Calling Station overbettet in uns rein. Wir haben zwar immer noch Two Pair, allerdings schlägt uns nun ein Flush oder auch eine Straight. Gegen die Donk bet eines so passiven Gegners sollten wir daher folden.

 


Fazit

Finden wir einen Tisch mit einer oder mehreren Calling Stations, so sollten wir definitiv Platz nehmen: wir gewinnen gegen diese Gegner oft, indem wir einfach nur unsere starken Hände straight-forward durchbetten.

Bluff-Moves sollten wir wegen fehlender Fold Equity vermeiden und wenn die Calling Station Aggressivität zu Tage legt, können wir nur mit den sehr starken Händen weiterspielen. Beachten wir diese Tipps, so können wir eine Menge Geld gegen diese Art von Spielern machen.

 

Kommentare (5)

#1 nacl, 05.07.09 15:14

Danke fuer diesen Artikel. Ich setze einfach gegen solche Spieler noch viel zu oft eine cbet.

#2 blackJ0, 07.07.09 16:16

Super Artikel. Habe dadurch einen Leak in meinem Spiel gefunden und weiß nun, wie man am provitabelsten gegen diese Spieler spielt. Vielen Dank!

#3 Smattix89, 14.04.10 20:32

Joahh guter Artikel, Beispiel 4 hat mir geholfen mit der Riverbet!<br /> Wie hoch sollte sie sein 1/2 Potsize?

#4 B52Bomber, 21.03.12 22:19

nice one

#5 1985vatoslocos, 25.08.12 05:57

top deluxe