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Exploitive Play: Der weak-tighte Gegner

» KOLUMNE

Exploitive Play: Der weak-tighte Gegner

von Thorsten77

Unter „explotive play“ versteht man, so zu spielen, dass man Fehler in der gegnerischen Spielweise identifiziert und auszutzt. Im Rahmen einer 3-teiligen Kolumnen-Reihe möchte ich auf das Spiel gegen verschiedene Gegner-Typen eingehen. In jedem Teil wird zuerst der entsprechende Gegnertyp beschrieben und dann auf die Fehler solcher Spieler eingegangen. Aus diesen Fehlern leiten wir dann ab, wie man sein Spiel am besten an einen solchen Gegner anpasst.

Gegenstand dieser Kolumne ist der weak-tighte Spieler. Steigt man von NL5/NL10 auf NL25 FR auf, so wird man feststellen, dass sich das Spiel stark verändert. Man sieht nur noch seltener Showdowns, Multiway-Pötte sind eher seltener und die Spieler folden eher auf frühen Streets. Die meisten Gegner verfolgen ein weak-tightes Spiel.

 

Was ist der weak-tighte Gegner?

Unter einem weak-tighten Gegner versteht man einen Spieler, der zum einen relativ hohe Anforderungen an seine Starthände hat, zum anderen aber auch relativ ängstlich spielt. Entsprechend haben solche Spieler meist preflop eine sehr gute Hand, geben postflop aber auf, wenn sie denken, nicht mehr vorne zu liegen. Der weak- tighte Gegner hofft darauf, mit Premiumhänden an den Flop zu kommen und dort eine noch stärkere Hand (bzw. die Nuts) zu treffen und so den Gegner zu stacken.

Fehler des weak-tighten Gegners

Das erste Problem des weak-tighten Gegners ist, dass man ihn relativ einfach lesen kann. Raist ein solcher Gegner zum Beispiel von UTG, so deutet dies auf eine relativ enge Range wie QQ+, AK hin. Ebenso weiß man relativ schnell, dass man bei einer 3-Bet von einem solchen Gegner i.d.R. hinten liegt. Da der Gegner hier relativ viele Chips in eine Hand investieren muss, obwohl die Ungewissheit der nächsten fünf Karten existiert, überlegt er sich zweimal, mit welchen Händen er eine solche 3-Bet macht - in der Regel findet man dann KK oder AA.

Ein weiteres Problem der Spielweise ist, dass der weak-tighte Gegner zu oft preflop eine Hand aufgibt, die besser ist als die Range seiner Gegner. Anstatt sich zu denken: Ich liege vor der gegnerischen Range und durch ein Raise bekomme ich die Initiative und übe Druck auf den Gegner aus, der dann ohne Position weiterspielen muss, hat dieser Gegner eher Gedanken wie: Meine Hand könnte noch gut sein, aber ich bin auch teilweise gegen ein Monster hinten - ich warte lieber auf eine stärkere Hand.

Letztlich hat die Strategie des weak-tighten Gegners das Problem, dass er sich postflop viel zu oft aus dem Pot bluffen lässt. Er verfährt nach dem Prinzip "fit or fold". Zwar ist der weak-tighte Gegner schon noch in der Lage, eine Continuationbet zu machen, allerdings gibt er dann spätestens am Turn auf, wenn er nicht getroffen hat.

Ein 2-Barrel-Bluff kommt für ihn nicht in Frage. Wenn er aber mal einen Flop trifft (z.B. mit einem Overpair), dann kann sich der Gegner nur sehr schwer von seiner Hand trennen. Er denkt das Overpair sei gut (schließlich sieht er andauernd Showdowns, wo die Gegner schwächere Hände zeigen) und geht damit oft sogar bis zum All-In - schließlich will er sich nicht andauernd aus dem Pot schubsen lassen.

Exploitive Play gegen weak-tighte Gegner

Die Eigenschaften des weak-tighten Gegnerns lassen sich relativ einfach exploiten. Man weiß relativ schnell, wo man steht, und kann so entscheiden, ...

  • ... ob man den Gegner rausbluffen kann.
  • ... ob man vorne liegt und den Gegner stacken will.
  • ... ob der weak-tighte Gegner vorne ist und man ihn den kleinen Pot gewinnen lässt.

Betrachten wir zuerst einmal ein paar Preflop Situationen.

Hand 1

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

Weak-tighter Gegner is at UTG

Preflop: Hero is BU with A, Q
UTG raises 0,40$, 6 folds, Hero ???

Gegen die Range des weak-tighten Gegners sind wir klar hinten. Oft haben wir dazu das Problem, dass wir bei einem Treffen eines Toppairs dominiert sind. Entsprechend sollten wir hier folden. Wir können mit unserer Hand faktisch keinen Flop treffen, der uns richtig hilft. Natürlich besteht die Option, dass wir callen und versuchen den Gegner aus dem Pot zu bluffen, aber zum einen wird er hier oft ein Toppair/Overpair treffen und wir müssen aufgeben, zum anderen würden wir damit unsere Hand in einen reinen Bluff verwandeln.

Betrachten wir die gleiche Situation mit einer anderen Hand.

Hand 2

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)

Weak Tighter Gegner is at UTG

Preflop: Hero is BU with 7, 6
UTG raises 0,40$, 6 folds, Hero ???

Rein von der Equity her ist AQo weit besser als 76s - aber bei No-Limit zählt die Playability! Ich würde hier callen. Wie mit jeder Hand haben wir die Bluff-Komponente, die wir allerdings nicht überbewerten sollten. Hier haben wir aber eine sehr gut spielbare Hand. Wir können einen Flushdraw oder Straightdraw treffen oder auch ein Twopair machen, ohne das wir von UTG dominiert sind.

Postflop können wir dann relativ einfach weiterspielen. Treffen wir einen Flush- oder Straightdraw, so callen wir immer seine Continuationbet. Wenn er dann am Turn zu uns checkt betten wir. Oft genug müssen wir den Draw in dieser Situation nicht treffen, der weak-tighte Gegner foldet meistens.

Bettet er am Turn nochmal, können wir einfach nach Odds & Outs weiterspielen. Der Call am Flop ist hier weit besser als mit AQo, da wir zwei Komponenten haben, die uns den Sieg bescheren können, zum einen die "Bluff"-Komponente, zum anderen aber können wir immer noch den Draw treffen. Sollten wir am Flop ein Twopair oder eine bessere made Hand treffen, so sollten wir direkt ein Raise machen. Falls der weak-tighte Gegner hier ein Overpair hat, wird er es nur selten weglegen können.

Betrachten wir ein weiteres Preflop-Beispiel.

Hand 3

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

Weak Tighter Gegner is at MP3

Preflop: Hero is BU with 8, 8
4 folds, MP3 raises 0,40$, 1 folds, Hero ???

Wir könnten hier auf Setvalue callen, allerdings würde ich hier eher raisen. Aus MP3 ist auch die Range des weak-tighten Gegners weiter und enthält z.B. Hände wie AQ, AJ, KQ oder 99. Diese Hände wird der weak-tighte Gegner meistens gegen ein Reraise wegwerfen, da er ein Monster bei uns vermutet.

Ebenso können wir etwas looser Blinds stehlen, falls ein weak-tighter Gegner hinter uns oder in den Blinds sitzt. Meistens wird er folden und falls wir ein Reraise bekommen, haben wir einen einfachen Fold.

Hand 4

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)

Weak Tighter Gegner is at BU

Preflop: Hero is UTG with 2, 2,
Hero calls $0,10, 6 folds, BU raises to $0,50, 2 folds, UTG calls $0,40.

Flop: ($1,15) 9, 8, 6 (2 players)
Hero ???

Preflop verläuft die Hand standardmäßig. Am Flop würden wir in der Regel check/folden. Dies sollten wir auf diesem Board jedoch nicht tun. Der weak-tighte Gegner hat hier entweder ein Overpair, oder zwei Overcards. Wir können also noch gut vorne sein.

Die weake Spielweise des Gegners können wir ausnutzen. Wir donken einfach in den Gegner hinein und er wird Overcards folden. Werden wir gecallt oder geraist, können wir aufgeben. Während diese Spielweise bei vielen Gegnern nicht profitabel ist, da man zu oft gecallt wird und am Turn nicht weiß, wo man steht, können wir hier die Schwäche unseres Gegners exploiten.

Analog sollten wir gegen solche Gegner oft semibluffen. Wie bekannt sein sollte, ist für einen Semibluff wesentlich, dass Foldequity besteht. Das ist bei weak tighten Gegnern definitiv gegeben. Aus Angst in ein Monster zu laufen, werden sie oft sogar noch bessere Hände folden. Entsprechend sollten wir unsere Draws aggressiv gegen diesen Gegnertyp spielen.

» ZUSAMMENFASSUNG

Ich habe zwei Ziele, wenn ich gegen weak-tighte Gegner spiele. Zum einen möchte ich eine große Menge von kleinen Pötten durch (Semi-)Bluffs und Steals gewinnen. Die Weakness in der Spielweise nutze ich also aus, indem ich nicht nur meine Value-Hände gewinne, sondern auch Hände, die das Board verfehlt haben.

Das zweite Ziel ist es, mit sehr guten drawing Hands oder Pocketpairs in Position gegen weak-tighte Gegner zu spielen, die signalisiert haben, dass sie eine starke Hand halten. Ich weiß mit diesen Händen am Flop schnell, wo ich stehe und kann bei einem Treffer den Gegner oft stacken.

 

Kommentare (11)

#1 PommesPapst, 11.12.07 19:34

ich fühle mich erwischt, ich bin manchmal auch zu weak postflop.

#2 waxnlovesAces, 17.03.08 13:52

So jetzt brauche ich nich nen Artikel wie ich von weak tight zu TAG werde :(

#3 Shinato, 21.05.08 22:58

Die Grenze von zu weak und splashy ist wohl fließend. Finde das auch oft schwer, da das Mittelmaß zu finden, vor allem gegen Donkbets.

#4 Cyberisda, 07.08.08 13:34

Ohje ohje...ich sehe mich irgendwie auch eher im weak tighten Spieler als im TAG...ich glaube ich brauch mal wieder nen paar Punkte und dann Artikel büffeln...<br /> <br /> So oft auf die Nase gefallen das ich wohl im "tilt" viel zu weak geworden bin...damn

#5 Absti, 07.08.08 14:02

ich bin auch ehr weak tight glaub ich.... läuft aber bis jetzt nicht mal so schlecht so....

#6 taschenbillard, 07.08.08 14:16

Japp, geht mir leider genauso.

#7 betandking, 08.08.08 07:04

In Hand 4 muss es Preflop "Hero calls 0,40 $" heißen und nicht UTG, ist aber marginal.

#8 blackJ0, 07.07.09 16:30

Super Artikelreihe! Freue miche schon darauf, Teil 3 zu lesen.

#9 Grandalf, 22.04.10 13:52

also beim vierten Beispiel würd ich eher ein Check/Raise bevorzugen.<br />

#10 Deathstar0pth, 16.11.11 16:11

zu9: jo das sehe ich auch so. Mit unserer Spielweise verkörpern wir das perfekte Set-value play. Wenn wir jetzt hier c/r, bringen wir häufig auhc noch overpairs zum folden.<br /> <br /> Sieht das jemand anders?

#11 MarcelRene, 25.09.13 13:54

zu 9/10: Etwas anders: der weak-tighte Spieler könnte sich bei Overcards die freecard nehmen oder bei einem nicht so hohem Overpair ebenso nicht angreifen, genauso wie ihm bei Toppair sein Kicker zu schwach erscheinen könnte.<br /> Da steigt die wahrscheinlichkeit, daß wir auf turn aussteigen müssen zu sehr.<br /> Und Flop nichts machen um dann den turn zu bluffen- ne.