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StrategieNo-Limit BSS

Woche 47 (BSS): Exploitive Play Teil 3: Der Maniac

 

Einleitung

Unter „exploitive play“ versteht man, so zu spielen dass man Fehler in der gegnerischen Spielweise identifiziert und auszutzt. Im Rahmen einer 3-teiligen Kolumnen-Reihe möchte ich auf das Spiel gegen verschiedene Gegner-Typen eingehen. In jedem Teil wird zuerst der entsprechende Gegnertyp beschrieben und dann auf die Fehler solcher Spieler eingegangen. Aus diesen Fehlern leiten wir dann ab, wie man sein Spiel am besten an einen solchen Gegner anpasst.


Der Maniac

Es gibt ihn auf NL5 ebenso wie auf NL1000 immer mal wieder: der Maniac. Die Symptome dieses Spielertyps sind sehr charaktersitisch und entsprechend einfach sind Maniacs zu erkennen: sie spielen sehr loose und sind in sehr viele Pötte verwickelt.

Allerdings sind sie im Gegensatz zu Calling Stations sehr aggressiv - Bets, Raises und Reraises sind die Mittel ihrer Wahl. Während ganz wenige Spieler preflop und am Flop wo die Einsätze klein sind eine Maniac-Spielweise verfolgen, aber danach nur mit guten Händen um größere Pötte spielen, sind die meisten Spieler, die man als "Maniac" am Tisch trifft, einfach nur Donkeys (oder ein paar verwirrte Handbewerter, die auf den unteren Limits mal austesten wollen, wer die größte Luckbox ist).

 

Fehler des Maniacs

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob der Spielertyp Maniac große Leaks hat: er hat geringe Anforderungen an die Starthände und spielt überaggressiv. Allerdings bietet ihm diese Spielweise auch gewisse Vorteile: wir können einen Maniac fast nie auf eine enge Range setzen und er übt auf seine Gegner sehr starken Druck aus, so dass er viele Pötte ohne einen Showdown gewinnt.


Trotzdem sind die zwei aufgezählten Leaks die Schwächen des Maniacs: durch die loose Spielweise hat er selten am Flop eine starke Made Hand. Oft wird er mit marginalen Händen wie einem Middle Pair, einem schwachen Draw oder auch Top Pair no Kicker dastehen. Von daher hat er ähnliche Probleme wie eine Calling Station: er wird zu oft am Showdown eine Hand sehen, die ihn dominiert hat.


Das zweite Problem des Maniacs ist seine zu hohe Aggressivität. Auf der einen Seite muss er Conti-Bets machen, da er sonst viel zu häufig den Flop check/fold spielen müsste. Auf der anderen Seite wird er auch öfter mal gecallt, da die Spieler seine Aggressivität wahrnehmen und entsprechend nicht sofort von einem Monster ausgehen. Dies resultiert dann oft in einen 2- oder 3-Barrel Bluff. Insgesamt riskiert der Maniac so einen Großteil seines Stacks mit marginalen Händen oder sogar pure Bluffs.

 

Exploitive Play gegen Maniacs

Gegen Maniacs sollte man es vermeiden marginale Hände zu spielen. Wir wollen mit solchen Händen selten um Stacks spielen, doch die aggressive Spielweise des Maniacs lässt uns oft keine andere Wahl. Daher würde ich vorwiegend Premium-Hände spielen, aber auch Hände, bei denen ich am Flop schnell weiss wo ich stehe.


Betrachten wir zuerst einmal ein paar Beispiel-Situationen.



Hand 1

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)


BU: Maniac

 

Preflop: Hero is CO with A, J

6 folds, Hero raises 0,40, BU re-raises 1,20$, 2 folds, Hero ???


Wir liegen hier von der Equity her oft vorne. Trotzdem würde ich meine Hand hier folden. Wir wollen hier mit AJo preflop nicht 4-betten. Ein Call ist aber ebenso unschön, da wir nur in 1/3 der Fälle das Board treffen und der Maniac sicher Druck ausüben wird.

Zudem haben wir, wenn wir treffen nur eine schwache Made Hand. Entsprechend bevorzuge ich hier den Fold und warte auf einen besseren Spot.

 


Hand 2

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)


MP3: Maniac

Preflop: Hero is CO with 2, 2

5 folds, MP3 raises 0,50, Hero ???


Der Maniac open-raist hier, was so ziemlich alles heissen kann. Durch die aggressive Spielweise haben wir hohe implied Odds und können so locker auf Set Value callen, was hier aus meiner Sicht auch das beste Spiel wäre.

Gegen andere Gegner würde ich teilweise 3-betten, allerdings sollten wir das gegen Maniacs eher vermeiden: wir haben wenig Fold Equity und bauen einen großen Pot mit einer marginalen Hand auf. Zu oft wird uns der Maniac postflop aus dem Pot betten, so dass unsere 3-Bet nicht profitabel ist.


Nehmen wir an wir callen in der Hand, alle anderen Gegner folden.

 

  • Flop 1: ($1,15) A, 8, 6 (2 players)

MP3 bets 1,00, Hero ???


Wir haben hier einen easy fold. Da der Gegner zu oft auch am Turn eine second barrel abfeuert, sollten wir gar nicht daran denken ihn zu floaten, d.h. die Flop Bet zu callen und bei einem check am Turn zu betten - das ist gegen einen solchen Gegner nicht profitabel.

 

  • Flop 2: ($1,15) A, 8, 2 (2 players)

MP3 bets 1,00, Hero ???


Bingo - wir treffen unser Set und sind weit vorne. Unser Ziel ist es nun value zu extrahieren. Das Board ist überhaupt nicht gefährlich und wir können hier einfach callen, um den Maniac weiter betten zu lassen. Wenn wir raisen foldet der Maniac evtl. noch, weil er nichts getroffen hat. Wenn wir passiv bleiben und nur callen feuert er evtl. auch ohne eine Hand nochmal den Turn und vielleicht sogar den River.

 

  • Flop 3: ($1,15) 5, 3, 4 (2 players)

MP3 bets 1,00, Hero ???


Wir haben hier ein Pair, das gut sein *kann* und einen OESD. Das Problem an dem Paar ist, dass wir oft nicht weiterspielen können, auch wenn wir evtl. die beste Hand haben: wir wollen mit 22 nicht um einen Stack spielen. Hier haben wir aber noch 8 Outs und es ist davon auszugehen, dass wir noch etwas Value bekommen, wenn wir die Straight treffen. Entsprechend würde ich hier auch eine Bet callen und am Turn neu evaluieren.

 

 

Hand 3

Ein weiteres Beispiel soll zeigen, dass man gegen Maniacs auch mal etwas looser callen muss:

 

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (10 handed)


BB: Maniac

 

Preflop: Hero is BU with Q, J

7 folds, Hero raises 0,40$, 1 folds, BB calls 0,30$


Flop: ($0,95) Q, J, 4 (2 players)

BB bets $0,70, Hero ???


Wir haben Top 2 Pair und sind definitiv vorne. Um gegen Flush- oder Straightdraws zu protecten, sollten wir hier raisen.

 

Angenommen die Hand geht so weiter:


BB bets $0,70, Hero raises $2,80, BB calls $2,10


Turn: ($6,55) 2 (2 players)

BB bets $6,80 (all-in), Hero ???


Der Flush kommt an und gegen einen passiven Spieler müssten wir hier folden. Doch gegen einen Maniac ist unser Top 2 Pair oft noch gut. Zudem haben wir Outs auf den Flush mit unserem J. In dieser Situation kann man nicht einfach folden: auch wenn wir gerne eine sehr starke Hand haben: gegen die Range des Maniacs sind wir hier vorne und müssen entsprechend callen.

 


Fazit

Gegen Maniacs zu spielen ist oft unschön: wir treffen oft das Board nicht oder haben nur eine marginale Hand, mit der wir nicht um Stacks spielen wollen.

Entsprechend sollten wir unser Spiel anpassen: wir warten auf die richtigen Hände und das sind gegen den Maniac zum einen Premium-Hände wie QQ+ oder aber Hände, mit denen man den Flop stark trifft oder einfach folden kann (z.B. kleine Pocket Pairs).

Ebenso kann man auch mal suited connectors in Position spielen, wenn mehrere Gegner in der Hand sind - auch hier weiss man am Flop recht gut, wo man steht und kann entsprechend einfach weiterspielen.

 

Der größte Fehler beim Spiel gegen den Maniac ist, dass man sich von seiner Spielweise anstecken lässt. Ich sehe immer wieder Leute, die z.B. auf einen Reraise des Maniacs mit Händen wie 55 All-In pushen (und natürlich gecallt werden) - hier hat man meist nicht mehr als einen Coinflip.

Besser ist es, hier etwas geduldiger zu sein: der Maniac zahlt uns in der Regel aus, wenn wir eine sehr starke Hand haben, also müssen wir nicht mit marginalen Händen um Stacks spielen. Ganz wichtig dabei ist jedoch, dass, wenn wir eine gute Hand haben, die oft genug vorne ist (z.B. Two Pairs), uns nicht von den Bets/Raises einschüchtern lassen, sondern bis zum Ende gehen. Zwar kommt es gelegentlich vor, dass wir am Showdown ein Set beim Maniac sehen, in der Vielzahl der Fälle nehmen wir den Pot aber mit, da der Maniac mit einer One Pair Hand auf allen drei Strassen in uns gebettet hat.

 

Kommentare (4)

#1 blackJ0, 07.07.09 16:41

Sehr tolle Artikelserie. Hat mir auf jeden Fall weitergeholfen, mein Spiel zu verbessern.

#2 c0pykill, 12.11.09 17:08

gute serie :)

#3 mikecheck, 29.05.10 09:24

Kann mich nur anschließen: coole Artikelserie. <br /> <br /> "Während ganz wenige Spieler preflop und am Flop wo die Einsätze klein sind eine Maniac-Spielweise verfolgen, aber danach nur mit guten Händen um größere Pötte spielen, sind die meisten Spieler, die man als "Maniac" am Tisch trifft, einfach nur Donkeys (oder ein paar verwirrte Handbewerter, die auf den unteren Limits mal austesten wollen, wer die größte Luckbox ist)."<br /> --> sind das insider-Infos?! ;-)

#4 Talentfreiheit, 28.10.10 10:20

Das mit der Spielweise anstecken stimmt schon, ist mir erst gestern passiert und ich bin natürlich voll ins Messer gelaufen. Hab danach aber direkt aufgehört, bevor ich noch komplett on tilt gegangen wäre.