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StrategieNo-Limit BSS

Preflop-Strategie: Tight or Loose?

Einleitung

Oft werden Spieler nach zwei Dimensionen kategorisiert. Zum einen nach der Auswahl ihrer Starthände, d.h. ob sie tight oder loose spielen. Zum anderen danach , ob sie eher passiv oder aggressiv spielen. Bezüglich der zweiten Dimension ist man sich relativ einig, daß eine aggressive Spielweise besser ist als das passive Spiel, da man so neben dem Sieg mit der besten Hand oft auch Pötte gewinnt indem man bessere Hände zum Folden bringt. Bezüglich der ersten Dimension gibt es jedoch keine eindeutig bessere Strategie: unter den Winning players eines Limits sind oft Spieler der Typen TAG und LAG enthalten.

In dieser Kolumne möchte ich die Vor- und Nachteile des tighten bzw. loosen Spiels darstellen und darauf eingehen, wann welche Spielweise sinnvoller erscheint. Hierzu beschreibe ich zuerst meine eigene Entwicklung und gehe dann darauf ein, welche Lektionen ich aus den Erfahrungen gelernt habe.

 

Erst sehr tight, dann sehr loose - jetzt irgendwas dazwischen

Als ich mit Full Ring auf NL25 angefangen habe hielt ich mich erst einmal nur an den Starting Hand Chart. Aus meinen Erfahrungen mit Fixed Limit wußte ich, daß eine kleine Änderung der Preflop Strategie an der falschen Stelle starke Auswirkungen haben kann und entsprechend war ich diesbezüglich sehr konservativ.

Durch das Anschauen der FR Coachings von Shagg habe ich dann aber zunehmend seinen Stil adaptiert, der oft sogar noch etwas tighter ist. So wurde beispielsweise AQo für mich an einem FR Tisch aus UTG zum Standardfold. Durch die Änderungen konnte ich oft vorkommende marginale Situationen vermeiden und profitabler spielen. Daneben habe ich auch an meinem Postflop Spiel gearbeitet und konnte dann Stück für Stück auf NL200 und NL400 aufsteigen.

Dort war die sehr tighte Spielweise immer noch profitable, allerdings sank die Winrate doch merklich. Vom Shorthanded.-Spiel inspiriert begann ich meine Starting Hand Range aufzuloosen: während ich von den frühen Positionen immer noch relativ tight war habe ich insbesondere vom Cutoff und vom Button sehr viel mehr Hände gespielt. Der Umstieg war nicht ganz reibungslos, da ich zuerst lernen mußte in welchen Situationen welche Hände profitabel spielbar sind und welche man besser folden sollte, jedoch stellte sich nach einiger Zeit ein sehr positives Ergebnis ein: ich konnte sehr viele kleine Pötte durch Bluffs gewinnen und wurde mit guten Händen öfter ausbezahlt, so daß die Winrate insgesamt stieg.

Auf dem Weg von NL400 über NL600 zu NL1000 habe ich dann immer weiter experimentiert. Der Höhepunkt meines loosen Spiels war dann eine Session auf NL1000 mit 25/20 Stats - d.h. ich habe jede vierte Hand gespielt und jede fünfte Hand erhöht. Damals hatte ich schon zwei Tage mit einem sehr loosen Spiel äußerst gute Ergebnisse erzielt, so daß ich dachte man könnte die Gegner generell ausspielen. Das Endergebnis war eine große, rot leuchtende Zahl auf die ich nicht näher eingehen möchte...

Heute spiele ich weder sehr tight, noch ultra-loose, sondern habe im Schnitt FR-Stats von etwa 15/10 (natürlich sind das nur Mittelwerte; je nach Tisch und Gegner kann es hier zu größeren Abweichungen kommen). Damit spiele ich nun seit längerem auf NL400 bis NL1000 recht profitabel und ich denke daß ich mittlerweile eine solide Preflop-Strategie für mich gefunden habe.

 

Vor- und Nachteile der jeweiligen Spielweise

Meine Erfahrung ist, daß tightes und looses Preflop-Spiel komplementäre Vor- und Nachteile haben. Generell kann man die Eigenschaften auf die folgenden zwei Aspekte konzentrieren:

  • Stärke der Starthand.
    Schon in den ersten Strategie-Artikeln haben wir gelernt, daß wir möglichst mit starken Starthänden zum Flop gehen sollen, da wir sonst oft nicht wissen wo wir stehen. Bei einer tighten Spielweise ist das gegeben. So raisen wir als sehr tighter Spieler beispielsweise aus UTG nur die stärksten Starthände wie QQ+,AK - hier gibt es wenige Hände die uns dominieren können. Ebenso haben wir auch in position meist die beste Hand wenn wir raisen. Bei einem loosen Spieler ist das nicht der Fall. Er hat oft eine schwächere Hand als die bereits in den Pot eingestiegenen Gegner und callt oder raist damit. Entsprechend kann er nicht davon ausgehen, daß er immer vorne ist wenn er ein Top Pair getroffen hat, sondern man muss postflop etwas vorsichtiger (was nicht passiver heißt) weiterspielen.

  • Lesbarkeit Den zweiten Aspekt den man beachten muß ist die Tatsache, wie einfach wir es unseren Gegnern machen uns auf eine kleine Range zu setzen. Es sollte klar sein, daß wir möglichst verhindern wollen lesbar zu sein, da der Gegner - wenn er uns präzise auf eine kleine Range setzen kann - oft selbst mit schwächeren Karten profitabel gegen uns spielen kann. Genau hier liegt das Problem des sehr tighten Spielers. Nehmen wir noch mal den Spieler von oben, der sehr tight spielt und aus UTG raist. Da die meisten Spieler nur ihre Top x% raist können wir relativ einfach sagen, daß er beispielsweise ein hohes Pocket pair oder AK hält. Postflop können wir daher gut einschätzen, ob wir vorne sind oder einfach folden können. Ein looser Spieler der zum Beispiel über 20% seiner Hände aus dem Cutoff openraist ist schon viel schwerer Lesbar. Er kann hier ein kleines Pocket, einen suited connector, zwei Bilder oder auch ein Monster halten. Bei so einer weiten Range wird es viel schwerer einzuschätzen, ob wir am Flop vorne liegen oder nicht.

 

Wie sieht die ideale Standard-Strategie aus?

Nachdem wir die zwei zentralen Aspekte beleuchtet haben stellt sich die Frage nach der optimalen Standard-Strategie. Die gibt es natürlich nicht. Letztlich müssen wir immer überlegen, gegen welche Gegner wir spielen. Nehmen wir daher folgende Szenarien an:

  • Unsere Gegner achten vorwiegend nur auf ihre eigenen Karten und nicht, wie wir spielen. Ebenso versuchen Sie nicht uns auf eine Range zu setzen.
    Gegner dieses Typs sind oft auf den kleineren Limits anzutreffen. Sie haben zwei Karten und spielen diese „nach Standard": am Flop wird betrachtet ob man eine ordentliche Made Hand hat und wenn das der Fall ist sieht man sich vorne. Gegen solche Gegner müssen wir uns bzgl. Lesbarkeit wenig Gedanken machen - sie achten ja sowieso nicht darauf. Daher können wir uns darauf konzentrieren, nur relativ starke Starthände auszuwählen und spielen entsprechend tight.

  • Unsere Gegner nutzen PokerTracker und PokerAce und achten auf unsere Statistiken wie PFR und VPIP. Diese beziehen sie auch in ihre Entscheidungen ein. Auf den höheren FR Limits findet man zunehmend Gegner diesen Typs.

    Bei solchen Gegnern werden wir es viel schwerer haben, mit einer tighten Spielweise oft mit guten Händen ausbezahlt zu werden. Anhand der Statistiken sehen die Gegner, daß wir sehr selektiv in der Auswahl unserer Starthände sind und entsprechend oft Hände wie TPTK oder besser halten. Gegner die mitdenken können uns jedoch exploiten, indem sie uns nicht ausbezahlen wenn das Board gut zu unserer Range paßt, und uns aus dem Pot bluffen wenn das Board ungünstig ist bzw. value betten falls sie eine bessere Hand haben. Entsprechend macht hier gegen gute Gegner eine etwas loosere Range Sinn, damit wir nicht so leicht ausgespielt werden können und mit starken Händen auch einen Payout bekommen.

Wichtig dabei ist, daß es selbst innerhalb eines Limits sehr unterschiedliche Gegner gibt, so daß eine Anpassung der Preflop-Strategie sinnvoll ist. Sitzt beispielsweise ein Fisch am Tisch, so versuche ich viele Pötte mit ihm zu spielen (werde also looser) um ihn stacken zu können. Bei einem Maniac würde ich dagegen eher etwas tighter Spielen und auf eine richtige Hand warten, mit der ich dann aber auch bereit bin all-in zu gehen.

Die generelle Betrachtung der Vor- und Nachteile zeigt aber, daß Aussagen wie „LAG ist besser als TAG" oder umgekehrt relativ unsinnig sind, da sie nicht die konkrete Spielsituation (insbesondere unsere Gegner) betrachten.

 

Fazit

Man kann sowohl als tighter, als auch als looser Spieler Winning Player sein. Wichtig ist, daß man seine Spielweise den jeweiligen Gegnern anpaßt. Je weniger die Gegner auf uns achten, desto weniger müssen wir auf unsere Lesbarkeit achten und können uns voll auf das Spielen starker Starthände konzentrieren. Wenn die Gegner allerdings darauf achten wie viele Hände wir spielen und uns auf entsprechende Ranges setzen sollten wir etwas looser werden damit sie Schwierigkeiten haben uns zu lesen.

 

Kommentare (9)

#1 DonPokerone, 20.04.08 18:36

was bedeutet denn PFR und VPIP?

#2 DanHero, 17.06.08 22:30

PFR= PreFlopRaise also der prozentuale Anteil deiner Hände, die du vor dem Flop erhöhst wie z.B. AA,KK,QQ usw.<br /> VP$IP= Voluntarily Put $ Into Pot. Dieser Wert gibt Aussage darüber, wieviel Prozent seiner Hände ein Spieler preflop einfach nur in den Pot limpt, also nur den Bigblind mitgeht. Ein hoher VPIP lässt meistens auf einen eher schlechten Spieler schließen.

#3 KingofQueens08, 09.09.08 19:29

sehr schöner Artikel!!!<br /> <br /> Mehr ist nicht dazu zu sagen :)

#4 doomian, 18.10.08 14:37

@ #2 es sind genau die anderen hände, also die die er nicht einfach nur limpt sondern die hände die er selbst erhöht, oder eine erhöhung mitgeht, etc.<br /> also immer dann wenn er freiwillig mehr geld als den big blind investiert.

#5 BenjiDerKing, 10.12.08 22:26

@2 und 4<br /> werder noch...es ist der anteil on prozent in denen er pot beteiligt ist,eagl ob er nur limpt oder ein raise callt oder selber raist.es sind alle seine hände mit denen er beteiligt ist.

#6 Dodger23, 06.03.09 21:19

lol

#7 Herbamix, 27.06.09 10:09

@5 Ausgenommen er checkt den BB. Das zählt nämlich nicht.<br /> <br /> So, jetzt ist richtig :)

#8 K1llingKing, 16.08.10 19:10

Pokerstrategen unter sich ;-)

#9 moneymanni11, 11.10.10 20:41

Ich finde den Artikel sehr gut! Danke =)<br /> <br /> Ob ich jetzt mehr TAG oder doch schon ab und zu ein wenig LAG bin ist mir im Prinzip egal! Solange ich profitabel und gut Spiele ist das unwichtig :D<br /> <br /> Auf jeden Fall weiß ich jetzt mehr wie man gegen unterschiedliche Gegner spielt und dass ich immer mal ein bisschen mit meiner Prefloprange experimentieren sollte, um zu sehen was geht und was nicht.