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Downswing - Einfach nur Pech?

Einleitung

Diese Woche möchte ich ein Thema besprechen, dass jeden früher oder später betreffen wird: den Downswing. Natürlich wünschen wir uns alle, dass wir kontinuierlich unsere Bankroll immer weiter ausbauen. Doch teilweise spielen wir zig-tausend Hände break even - oder noch schlimmer: wir verlieren über einen längeren Zeitraum in fast jeder Session.


Sowohl Upswings als auch Downswings gehören zum Poker einfach dazu. Man kann die Intensität zwar etwas beeinflussen (z.B. weisen manche Spielarten, wie das Heads-up-Spiel, eine weit höhere Varianz auf; ebenso kann man durch Pushen in 51-49 Situationen zwar die Winrate etwas erhöhen, aber man muss auch mit einer viel größeren Varianz im Vergleich zu einer konservativen Spielweise leben), aber ganz vermeiden lassen sich die Swings nicht. Da uns ein Upswing nicht so sehr stört wie ein Downswing, beschäftigen wir uns mit letzterem und betrachten zum einen die Gründe für einen Downswing und zum anderen was man machen kann, wenn man in einem Downswing steckt.

 

 

Habe ich einfach nur Pech?

Die meisten Spieler (sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene) antworten auf die Frage nach dem Grund für Ihren Downswing mit "Ich habe andauernd Pech". "Pech" ist quasi die negative Seite der Varianz. Wir kennen alle Situationen wie folgende:

  • Wir halten KK, erhöhen preflop, ein Spieler erhöht nochmal und es kommt zum preflop All-In - natürlich zeigt unser Gegner AA. Wir waren zwar hinten, aber das Setup war einfach unglücklich.
  • Wir halten AA und kommen preflop all-in, der Gegner zeigt KK - natürlich kommt ein K auf dem Board. Wir waren zu 80% Favorit (der Gegner hat trotzdem keinen Fehler gemacht) und verlieren unglücklich.
  • Wir haben ein Set am Flop getroffen und es kommt zu einem All-In. Der Gegner hat nur einen Gutshot, trifft diesen aber. Auch hier waren wir großer Favorit und unser Gegner hat äußerst schlecht gespielt, gewinnt aber den Pot.


Letztlich hat man in fast jeder längeren Session entsprechende Situationen. Man ist großer Favorit und verliert trotzdem, oder man schiebt alle Chips mit einer starken Hand korrekterweise in die Mitte und stellt dann fest in ein ungünstiges Setup gerannt zu sein. Meistens gewinnen wir als guter Spieler aber öfter in entsprechenden Favoriten-Situationen und schieben seltener unsere Chips als Underdog in die Mitte. Entsprechend machen wir mittel- bis langfristig Gewinn.


Kurzfristig kann es dadurch aber auch verlustreiche Sessions geben. Kritisch wird es, wenn die verlustreichen Sessions über einen längeren Zeitraum anhalten. Natürlich ist es theoretisch auch möglich als guter Winningplayer einen Downswing über 100.000 Hände zu haben - es ist nur einfach extrem unwahrscheinlich.


Entsprechend muss man sich bei einem länger anhaltenden Downswing fragen, woran es denn liegt. Es ist nur allzu menschlich die "Schuld" an den negativen Sessions auf das Glück der Gegner, den bösen Pokeranbieter oder irgendwo anders zu suchen - nur eben nicht bei sich selbst. Doch genau das bringt einen als Spieler nicht weiter.

 

 

Oft ist ein Downswing nicht nur Pech...

Ich bin der Meinung, dass der größere Teil der "Schuld" an einem Downswing bei den meisten Spielern die eigene Spielweise und nicht einfach nur Pech ist (der Autor spricht hier aus Erfahrung ;)). Entsprechend rate ich jedem, nicht sofort alles auf Pech in einer Situation wie "Set over Set am Flop" zu schieben. Gegen wirkliches Pech kann man eh nichts machen, insofern sind diese Situationen nicht sonderlich interessant. Vielmehr sollte man sich anschauen, ob alle anderen Hände korrekt gespielt wurden - denn wie anfangs gesagt hat man entpsrechende negative Situationen in fast jeder Session. Trotzdem ist man sonst oft als Gewinner vom Tisch gegangen...


Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass größere Verluste meistens aus Abweichungen vom idealen Spiel herrührten - nicht aus unglücklichen Situationen. Insbesondere in einer ,wo man öfter Verluste macht, häufen sich diese Abweichungen:

  • Tilt

Wer kennt es nicht: man hat eine Session in der einfach nichts klappt. Jede Continuation Bet wird geraist, immer wenn wir mal mit AQ oder AJ preflop raisen bekommen wir eine 3-Bet und wenn wir eine richtig starke Hand haben will niemand mitspielen. Besonders problematisch ist es, wenn man immer wieder mit einem bestimmten Gegner aneinander gerät (der in unseren Augen meistens auch noch ein Fisch ist). Wir ärgern uns, werden wütend und treffen schlechte Entscheidungen - oft kosten die uns dann einen ganzen Stack.

 

  • Grinding, Multitabling und Leaks

Wenn man länger auf einem Limit spielt geht man oft dazu über eine Menge Tische zu spielen. Ich selbst spiele mittlerweile 9-12 Tische parallel - je nachdem wie viele zur Verfügung stehen. Hierbei muss man sich klar machen, dass man niemals sein A-Game spielt. Man hat einfach keine Zeit über jeden Spielzug 10 Sekunden nachzudenken, da dann schon wieder 5 Tische hektisch blinken. Multitabling ist letztlich ein Spiel wie im Autopilot-Modus. Man erkennt sehr schnell die "in der Regel" sinnvollen Standardmoves, kann sich aber nicht auf jeden einzelnen Gegner einstellen und auch nicht sein Spiel analysieren.


Zudem ändert man oft (unbemerkt) seine Standardspielweise mit der Zeit - anfangs hier und da mal ein suited connector aus mittlerer Position an relativ tighten geraist wird so etwas evtl. zum Standard gemacht. Oder man hat in letzter Zeit Minraises immer wieder gecallt und oft einen Bluff gesehen und callt daher diese jetzt standardmäßig immer. Solche Änderungen können kurzzeitig gut aussehen, sind aber oft langfristig nicht profitabel. Durch die Anwendung als "Standardmove" bei mehreren Tischen können so schnell Leaks, also Schwächen im eigenen Spiel entstehen, die langfristig Verluste bringen.

 

  • Scared Money

Insbesondere, wenn man für ein bestimmtes Limit eine relativ knappe Bankroll hat, kommt der Effekt des "scared moneys" zum tragen. Man möchte die Verluste so gering wie möglich halten und vermeidet daher das Spiel um größere Pötte ohne die Nuts. So werden dann z.B. Monster-Draws am Flop auf eine Bet nur noch gecallt, auch wenn ein Raise oft viel profitabler ist. Man hat ja noch keine Made Hand und will daher nicht viel riskieren - dieser Gedanke ist ein kapitaler Fehler!

 

 

Was kann ich ändern?

Wie bereits geschrieben: an dem Faktor "Pech" können wir nicht viel ändern. Allerdings sollten wir uns gerade in einem Downswing mehr unserem eigenen Spiel zuwenden und darauf achten, dass wir gutes Poker spielen.

 

  • Tilt
Gegen das Tilten kann man schwer allgemeingültige Empfehlungen geben, da es eine sehr personenbezogene Angelegenheit ist. Es gibt Spieler, die haben noch nie getiltet. Anderen Spieler kommt der Dampf schon aus den Ohren wenn sie einen Coinflip verlieren.

Wenn ich merke, dass ich gerade nicht gut spiele und evtl. zu tilten anfange schalte ich sofort "Autopost Blinds" aus und spiele nur noch sehr tight die Tische zu Ende. Daneben achte ich darauf, nicht verärgert an die Tische zu gehen - sei es durch Ärger beim Poker oder sonstige schlechte Stimmung. Im Zweifelsfall rate ich dazu, einfach mal ein paar Tage gar nicht zu spielen um wieder Lust auf das Spiel zu bekommen.

 

 

  • Multitabling
Ein weiterer Punkt, den man meines Erachtens in einem Downswing machen sollte, ist das Spiel an wenigen Tischen. Jeder der denkt er würde auch bei 10 Tischen optimal spielen sollte sich einfach mal an 2 Tische setzen. Auf einmal wird man feststellen wie viel mehr Informationen man von den Gegnern "lesen" kann; entsprechend kann man bessere Entscheidungen treffen. Zudem hat man so wieder Zeit über jeden Spielzug intensiv nachzudenken: "Auf welche Range setze ich meinen Gegner?", "Was ist mein Standardmove?", "Würde eine alternative Spielweise nicht mehr Sinn machen?", "Unter welchen Bedingungen sollte man wie spielen?". All das ist beim Spiel an vielen Tischen gleichzeitig nicht machbar.

 


  • Handanalyse

Ebenso sollte man die gespielten Hände intensiv analysieren um Leaks oder zumindest fragwürdige Hände zu identifizieren. Ich rate dazu, nie direkt nach dem Spiel eine Analyse zu machen, sondern am besten am nächsten Tag. Zum einen schaue ich mir an, mit welchen Händen ich am meisten Gewinn und am meisten Verlust gemacht habe. "Waren die Hände richtig gespielt?", "Habe ich den Gegner auf die korrekte Range gesetzt?", "Habe ich gut protectet? War der Call nach Odds ok?" - all das sind Fragen die man sich stellen sollte. Ebenso rate ich aber auch dazu, sich einfach mal 100 aufeinanderfolgende Hände aus der Session zu nehmen und diese anzuschauen: "Folde ich evtentuell preflop Hände, die ich profitabel limpen kann?", "Macht es Sinn immer limp/call zu spielen um dann am Flop aufgeben zu müssen?", "Spiele ich die meisten Hände in Position oder spiele ich zu viel out of position?".


Die Analyse nach dem Spiel ist ein ganz wichtiger Aspekt, da man viele fragwürdige Hände während des Spiels gar nicht als solche erkennt.

 

 

  • Scared Money

Um nicht mit scared money zu spielen sollte man einfach mal auf das nächst niedrigere Limit wechseln. Das hat zwei positive Effekte: zum einen hat man wieder eine ordentliche Bankroll (im relativen Sinne, also die Anzahl der Buyins für das Limit verdoppelt sich) und spielt nicht mehr um scared money. Zum anderen hat man auf dem niedrigeren Limit in der Regel etwas schwächere Gegner - genau das richtige um in einem Downswing wieder Selbstvertrauen zu tanken, zu alter Stärke zurück zu kehren um dann wieder auf das nächste Limit zu wechseln.

 

 

Fazit

Der langfristige Erfolg oder Misserfolg ergibt sich durch die eigenen Entscheidungen. Sicherlich kann man kurzfristig trotz perfektem Spiel Verluste haben - meist ist Pech aber gar nicht der Hauptgrund für einen Downswing.


Oft schleichen sich über einen längeren Zeitraum Schwächen ins Spiel ein (bzw. man hat die Schwächen schon immer), die sich in einem Downswing besonders stark bemerkbar machen. Hier hilft es nicht, wegen vielen unglücklichen Situationen zu jammern, sondern man sollte sich viel Zeit nehmen das eigene Spiel zu analysieren.

 

Kommentare (5)

#1 yaf, 15.04.08 11:09

ich würde noch was hinzufügen: die müdigkeit... wer kennt es nicht, lange sessions um 2 uhr nachts - da ist die konzentration natürlich nicht so gut und man kann sein a game nicht mehr spielen.

#2 Jeeneo, 11.02.09 18:24

So, jetzt muss ich auch mal meinen Senf dazu geben.<br /> Also ich kann momentan nicht zustimmen das ein Downswing nur durch schlechteres spielen zustande kommt. <br /> Ich zähle mich eigentlich zu den recht tighten Spielern. Und ich habe gerade einen Downswing. Und ich kann nicht erkennen das ich irgendwie schlechter spiele. Nur ein kleinen Beispiel. Von den letzten 10 All In gespielten KK, habe ich 9 mal verloren und nur einmal gewonnen. Ich bin aber nur einmal gegen Asse gelaufen. Heute habe ich schon wieder mit AA verloren und mit QQ gegen 89s. Wobei er durch einen Runner Runner Flush gewonnen hat. Soviel zum Thema Downswing durch schlechtes spielen. Das ist verdammtes Pech und das führt nun leider zu einem Downswing. <br /> <br /> Es gibt auch Downswings das einfach nur durch Pech hervorgeht. Ich durchlebe das gerade.<br /> Ansosnten noch ein gutes Blatt.<br /> <br /> Tony Fischer<br /> <br /> PS. Nach dem blöden Suckout mit meinen QQ war ich megamegamega SAUER.

#3 Jeeneo, 11.02.09 21:37

Nachtrag<br /> <br /> Hab grad schon wieder mit AA gegen QQ verloren und mit QQ gegen 88.<br /> Schlechtes Spiel oder einfach nur Pech???<br /> Entscheidet selber.<br /> <br /> Übrigens: AA vs QQ war in push or fold bei SNG<br /> bei den QQ bin ich noch rausgekommen. Aber denoch hat er sein 8er am River getroffen.<br /> <br /> Tony Fischer

#4 blackJ0, 05.05.09 09:07

Sehr guter Artikel. Hat auf jeden Fall etwas geholfen.

#5 Figopolski, 28.09.11 14:25

Vielleicht sollte Nr. @2 nicht jeden tighten Gegner mit KK AllIn stellen :D