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StrategieNo-Limit BSS

Gewinne ich die richtigen Pötte?

Einleitung

Neben dem Spaß versuchen die meisten von uns auch Profit aus dem Pokerspiel zu schlagen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: zum einen kann man mehr Pötte gewinnen, zum anderen kann man versuchen die Pötte, die man gewinnt, möglichst groß zu machen, während die Pötte, die man verliert, klein gehalten werden.

 

Es ist nicht die Anzahl der Pötte, die zählen ...

Ich habe schon, kurz nachdem ich zum Poker spielen gekommen bin, einige Bücher gelesen und fühlte mich gewappnet: ich kannte sowohl die Grundlagen als auch fortgeschrittene Spielzüge um die Gegner aus der Hand zu bluffen. Entsprechend war meine Devise zur Gewinnmaximierung ganz einfach: versuche möglichst viele Pötte zu gewinnen. Entweder durch eine gute Hand, oder eben indem man die Gegner aus dem Pot blufft.

Diese Denkweise ist ein kapitaler Fehler und hat mich garantiert einiges an Gewinn gekostet. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht darauf ankommt die meisten Pötte zu gewinnen: es kommt darauf an die wichtigen Pötte zu gewinnen. In dem heutigen Artikel betrachten wir, warum die Größe des Pots so wichtig ist. In der nächsten Woche folgt dann eine Analyse von verschiedenen Händen, anhand derer wir beleuchten inwiefern die aktive Steuerung der Potgröße eine Rolle spielt.

 

 

Die Relevanz der Potgröße

Als ich vor einiger Zeit ein No-Limit Video von Stoxtrader angeschaut habe ist mir aufgefallen, dass er ganz anders an die Planung einer Hand herangeht. Sobald die ersten drei Gemeinschaftskarten aufgedeckt wurden hat er zu fast jeder Hand gesagt, was für einen Pot er hier spielen will: soll es ein kleiner, ein mittelgroßer oder ein sehr großer Pot werden. Erst danach kamen die Gedanken zu den alternativen Spielweisen und dem gewählten Spielzug.

Bis dahin hatte ich mir über die geplante Größe eines Pots wenig Gedanken gemacht. Mir war schon klar, dass ich mit einem Royal Flush möglichst um all meine Chips spielen will und mit einer Hand, wie eine Highcard ohne eine Chance auf eine gute Hand, nicht viel riskieren will. Doch scheinbar hat die Potgröße eine weit wichtigere Bedeutung.


Der zentrale Punkt ist, dass man gerade im No-Limit sehr unterschiedliche Potgrößen vorfindet. Angenommen wir spielen mit einem Stack von 100 BB. Wir bekommen eine spielbare Hand in mittlerer Position und eröffnen indem wir auf 4 BB erhöhen. Oft nehmen wir den Pot direkt mit, da alle Gegner ihre Hand weglegen. Wir gewinnen damit die Pflichteinsätze, also 1,5 BB. Teilweise geht ein Spieler mit und wir machen am Flop standardmäßig eine Continuation-Bet, die unseren Mitspieler dazu bewegt seine Hand wegzulegen. Wir gewinnen in diesem Szenario 5,5 BB. Solche kleinen Gewinne gehören zum Alltag.


Betrachten wir nun ein anderes Szenario. Ein tighter Spieler (d.h. er spielt vor dem Flop relativ wenige Hände – achtet also darauf nur gute Hände zu spielen) in früher Position eröffnet mit einer 4 BB Erhöhung und wir gehen mit einem kleinen Pocket Pair mit. Am Flop treffen wir unseren Drilling. Ein Flush oder eine Straße sind nicht möglich. Der Gegner setzt 7 BB, wir gehen mit. Der Pot ist nun 23,5 BB groß (1,5 BB von den Pflichteinsätzen, 2*4 BB von den Aktionen vor dem Flop und 2*7 BB von den Aktionen am Flop). Am Turn kommt eine ungefährliche Karte, der Gegner setzt erneut, diesmal 20 BB. Wir erhöhen auf 60 BB und er geht mit. Am River ist der Pot nun schon 143,5 BB groß. Der Gegner checkt zu uns, wir setzen unsere verbleibenden Chips. Er geht mit. Er zeigt ein Überpaar (AA) und wir gewinnen mit unserem Drilling die Hand.


Unabhängig ob der Gegner hier gut oder schlecht gespielt hat — die Hand zeigt wie groß ein Pot werden kann. In diesem Beispiel haben wir um einen 201,5 BB großen Pot gespielt und 101,5 BB gewonnen. Wenn wir zum Beispiel 15 Mal einen kleinen Pot, in den wir 5 BB investiert haben, verlieren, aber nur einmal einen großen Pot wie den zuvor gewinnen machen wir unter dem Strich trotzdem Gewinn! Ebenso gilt der Umkehrschluss. Wir können die meisten Pötte gewinnen (z.B. die 15 kleinen Pötte) und trotzdem eine Session mit Verlust abschließen, da wir den einen großen Pot verloren haben.

 


Die goldene Regel beim Poker

 

Es kommt also nicht darauf an die meisten Pötte zu gewinnen, es kommt vor allem auf die zentralen Pötte an. Letztlich kann man eine Session auf wenige Schlüsselhände reduzieren – das sind diejenigen Hände, mit denen um einen großen Pot gespielt wurde. Der Gewinn oder der Verlust dieser Hände bestimmen das Ergebnis maßgeblich.


Sobald ein Pot also groß wird (und das könnt ihr durch Eure eigenen Aktionen natürlich mitbestimmen) solltet ihr Euch relativ sicher sein, dass ihr die beste Hand haltet. Mit einer marginalen Hand, wie zum Beispiel einem mittleren Paar, sollte man in der Regel nicht um einen großen Pot spielen. Es gilt die folgende Regel:


„Je besser die eigene Hand, desto größer sollte der Pot sein, um den man spielt. Analog gilt: Je schlechter die eigene Hand, desto kleiner sollte der Pot sein, um den man spielt.“


Betrachten wir noch einmal das zweite Szenario von eben. Wir haben am Flop unseren Drilling gemacht. Dies ist eine sehr starke Hand. Da sowohl ein Flush als auch eine Straße nicht möglich waren, schlägt uns eigentlich nur ein höherer Drilling. Dies ist aber sehr unwahrscheinlich und wenn er wirklich eine solche Hand hat ist das Pech und wir verlieren alle Chips. In den meisten Fällen liegen wir aber vorne und wollen aus unserer starken Hand entsprechend viel Profit schlagen. Entsprechend versucht man hier um einen großen Pot zu spielen.


Betrachtet man dieselbe Hand aus Sicht des Gegners so wird dessen Fehler deutlich. Vor dem Flop hat er mit AA ein Monster – es gibt keine Hand die besser ist. Am Flop kann sich das aber schnell ändern. Er hat ein Überpaar, was eine ordentliche Hand ist. Allerdings gibt es viele Hände, die einen schlagen können. So kann der Gegner zum Beispiel zwei Paare oder einen Drilling halten. Das Setzen am Flop ist ein Standardzug und macht auch Sinn. Der Fehler des Gegners ist seine Aktion am Turn. Auf einem relativ ungefährlichen Flop zeigt der Gegner Stärke, doch wir lassen uns nicht aus der Hand vertreiben. Das sollte ihm zu denken geben. Anstatt darüber nachzudenken was für eine Hand wir haben könnten setzt er erneut einen größeren Betrag und geht auf unsere Erhöhung mit. Der Pot ist dadurch groß geworden und unser Gegner hat nur ein Paar (auch wenn es Asse sind – es ist nur ein Paar…). Er hat sich durch seine Spielweise in eine Situation gebracht, in der er mit einer mittleren Hand um seinen ganzen Stack spielt – das war sein Fehler, der ihn sehr viel Geld gekostet hat.

 


Fazit

 

Bei einer durchschnittlichen Session verliere ich meist mehr Pötte als ich gewinne. Trotzdem gewinne ich bei den meisten Sessions. Der Grund hierfür ist, dass ich marginale Hände eher mal weglege wenn der Pot zu groß wird, dafür aber bei starken Händen versuche einen möglichst großen Pot aufzubauen. Ich kann gut damit leben, hin und wieder die beste Hand wegzulegen, wenn ich dafür in Situationen wo um einen großen Pot gespielt wird Favorit bin.


Dieser Artikel sollte Euch zeigen, dass es nicht darum geht möglichst viele Pötte zu gewinnen. Das wichtigste ist, die Pötte die man relativ sicher gewinnt (da man eine starke Hand hat) groß zu machen und die Pötte wo man auch gut verlieren kann (da man eine schwächere Hand hat) klein zu halten.

 

Kommentare (8)

#1 surfer76, 22.04.08 09:25

Klasse Artikel. Finde diese Vorgehensweise einleuchtend und werde sie auch gleich mal versuchen umzusetzen.<br /> <br /> Lieber auf die guten Gelegenheiten warten, als seine Chips in zu vielen Pöten riskieren.

#2 moneymekka, 22.05.09 15:22

schreibt harrington in seiner cashgame reihe auch <br /> kleine hand kleiner pot - große hand großer pot.<br /> sollte man preflop auch mit einbeziehen: hier hab ich die erfahrung gemacht zb. gegen loose gegner eher auf raises/ 3bets zu verzichten und sogar meist die beste hand (also eig. - wenn auch knappe! - +EV moves) zu folden (zb. AJs in late pos. nach ner reihe limpern). triffst du mit AJ oft genug um postflop im raised pot standzuhalten? kann man sich ja mal gedanken machen.

#3 Phantomlord, 04.08.10 08:56

Ein erstklassiger Artikel! Das grundsätzliche Prinzip wird zwar auch in den Bronzeartikeln erwähnt, aber gerade die konkreten Beispiele zeigen einem doch sehr deutlich wo man das Geld verschenkt.<br /> Wie oft erwischt man sich dabei, dass man mit einer mittelmäßigen Hand einen Pot so lange aufbläht bis man nicht mehr aus der Hand heraus kommt, obwohl ein Fold am Flop weder eine Schande noch ein großer Verlust gewesen wäre?<br /> Man sollte das denke ich wirklich verinnerlichen und den Artikel vielleicht auch von Zeit zu Zeit einfach nochmal lesen. Top!

#4 cashoe, 07.08.10 13:40

ich denke, dass wir relativ selten einen 101,5 bb pott gewinne werden<br /> <br /> RAKE!!!!!!!

#5 Huckebein, 08.08.10 13:13

Der Rake wird in den meisten NL Strategieartikeln nicht genannt. Das liegt vor allem daran, dass der pro Anbieter unterschiedlich ist und es auch keinen Sinn macht, bei jedem Betrag "abzgl. Rake" hinzuschreiben....Diese ungefähre Angabe würde meist auch nicht sehr viel ändern....

#6 BacardiLover, 13.12.10 15:49

Excellenter Beitrag. Hat mir sehr geholfen.

#7 olinik03, 09.01.12 18:47

Super Beitrag - vielen Dank!

#8 Relax231, 04.02.15 12:36

Diesen Anstatz habe ich in Coaching vorallem in denen von Fallout öfter gehört. Nun wirds auch mal Zeit es selber um zu setzen :)