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Crushing NL 50 5/6 - Gegnerspezifisches Play II

» KOLUMNE

Crushing NL 50 (5/6)
Gegnerspezifisches Play II

von Hasenbraten

Im vorherigen Artikel hast du schon die Grundlagen des gegnerspezifischen Spiels, Exploiting, Balancing und als Anwendung auch polarisierte Ranges kennen gelernt.

In diesem zweiten Teil wird nun mit einem weiteren Teil über Semibluffs sowie Deception eine zusätzliche Anwendung der Konzepte geliefert. Weiterhin lernst du einige Ausgangsideen für das Spiel gegen unterschiedliche Gegnertypen kennen.

Dabei liegt das Augenmerk auf dem gegnerspezifischen Spiel. Es werden gezielt Fehler von unterschiedlichen Spielertypen aufgezeigt und Konzepte zur Ausnutzung vorgeschlagen, die über “Bluffe einen Nit” hinausgehen und über eine theoretisch fundierte Basis verfügen.

Deception

Der Begriff Deception ist bis jetzt maximal sporadisch aufgetaucht, allerdings noch nicht weiter beleuchtet worden. Er steht im Zusammenhang mit dem Balancing und bedeutet in diesem Zusammenhang wörtlich soviel wie Verschleierung.

Es geht darum, zu verhindern, dass dein Gegner deine Hand anhand deiner Spielweise erkennen kann. Das ist häufig ein Grund für eine Continuationbet, wenn auch in der Regel kein ausreichender. Könnte dein Gegner gut Hände readen, wäre er ohne Balancing oder Deception in der Lage, viele sehr gute Entscheidungen gegen dich zu treffen. Das wiederum würde ihm eine große Edge gegen dich verleihen.

Es geht also darum, einem mitdenkenden Gegner diese guten Entscheidungen so schwer wie möglich oder sogar unmöglich zu machen. Betrachten wir den Sachverhalt noch ein wenig allgemeiner.

Sowohl du als auch dein Gegner haben Zielvorstellungen für eine Hand. Diese hängen zum einen von der eigenen Hand ab, zum anderen aber auch von der Hand bzw. der Range, die du beim Gegner erwartest.

Je genauer du die Range deines Gegners bestimmen kannst, desto seltener wird sein Ziel mit deinem vereinbar sein (die Ausnahmesituationen spielen sich dann sowieso von selbst). Deswegen ist es für dich unerlässlich, die gegnerische Wahrnehmung deiner Range zu manipulieren. Einfach gesagt: Du darfst gegen einen guten Gegner nicht jeden Draw wie einen Draw und nicht jede made Hand wie eine made Hand spielen.

Pure Bluffs und Semibluffs

Einen relativ einfachen Zugang zu diesem Konzept erhältst du über Semibluffs. Folgende Punkte sollten zutreffen:

  • Du spielst nun shorthanded.
  • Du hast mehr Erfahrung.
  • Du bist ein besserer Handreader.

Dasselbe gilt auch für deine Gegner. Auf trockenen Boards gibt es für dich zunächst zwei Möglichkeiten. Entweder du spielst nur Hände so, die genügend Equity haben, oder du spielst neben starken Händen auch Bluffs auf diese Weise.

Auf die Möglichkeit, die Range nicht zu polarisieren und auch mittelstarke Hände wie sehr starke Hände zu spielen, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Das bedeutet für einen perfekten Gegner, dass er entweder immer weiß “Der will All-In, welche Range hat er da?” wenn du Stärke zeigst, oder er muss abschätzen “entweder er will All-In oder er blufft”. Dabei benötigt er eine genaue Information über die spezielle Situation oder eine gute Statistik für deine Blufffrequenz.

Geht er davon aus, dass du in solchen Spots generell bluffst, so führt das schnell zu schlechten Reaktionen. Dein Gegner kann leicht davon ausgehen, dass du öfter bluffst, als du es tatsächlich tust oder vom Gegenteil. Wenn du hingegen nie bluffst, ist es für ihn leichter, denn er kann seinen Fehler nur noch beim Abschätzen der Valuerange begehen.

Ein großes Problem von pure Bluffs ist, dass sie sehr gut die Forderung an eine Bluffequity = 0 erfüllen. Gegen die Range, die weitergespielt wird, ist ihr Anteil am Pot in der Regel wirklich 0, weswegen natürlich auch der bluffende Spieler teure Fehler machen kann, wenn er sich verschätzt.

Anders ist es hingegen im Falle eines mehr oder weniger starken Semibluffs. Dieser verfügt anstelle von 0 Anteilen am Pot über vieleicht 25%-45% Equity. Auch mit diesen Händen ist dir ein Fold deines Gegners lieber, jedoch kann die Frequenz, mit der er nicht foldet, sehr viel geringer sein als im Falle eines pure Bluffs, ohne dass du Verlust machst.

Oft ist die Equity sogar so groß, das du gar keine Foldequity mehr brauchst, um profitabel All-In zu gehen. Trotzdem ist auch in diesem Fall eine Maximierung der Foldequity notwendig, um nicht nur einen positiven, sondern den maximalen EV zu erreichen.

Wichtig ist es auch, möglichst selbst das letzte Geld in den Pot zu bringen, solange dies noch Foldequity erzeugt. Zum Beispiel musst du nach einem Checkraise oft ein All-In mit einem guten Draw callen, obwohl es kein Oddscall ist. Könntest du dem Gegner mit einem anderen Spiel die letzte Entscheidung aufzwingen und damit Foldequity generieren, wäre dies vorzuziehen.

BEISPIEL 1

100BB Stacks

Preflop: Hero is SB with 8, 9
UTG raises 4BB, MP calls 4BB, Hero calls 3.5 BB

Preflop ist der Coldcall aufgrund eines schlechten MP/UTG/BB-Spielers definitiv denkbar.

Flop: T, 7, 2

Das ist unzweifelhaft ein Traumflop mit riesiger Equity. Die Frage ist natürlich, was hier die beste Spielweise sein wird?

Gehe davon aus, dass UTG in dieser Hand nicht der Fish ist. Die Möglichkeiten, um Geld in den Pot zu bekommen, sind entweder eine Donkbet oder ein Checkraise. Ein Checkraise hat zum einen den Nachteil, dass es nur funktioniert, wenn auch wirklich eine Bet kommt.

Das muss allerdings nicht passieren, denn der Flop ist nicht optimal. 3-handed mit einem Fish in der Hand kann UTG hier einiges checken. Zum anderen bleiben am Turn je nach Raisesize noch rund 2/3- bis 3/4-Potsize übrig.

Es gibt einige Gegner, die am Flop nur callen würden, um die Turnkarte abzuwarten. Triffst du, folden sie (zumindest auf den Flush). Triffst du nicht, callen sie. Leider ist das das Gegenteil von dem, was du erreichen wolltest. Dennoch kannst du hier - was ja dein Ziel war - gut eine made Hand repräsentieren, da sehr viele Spieler TT, 77, 22 oder vielleicht T7 genau so spielen würden.

Bliebe eine Donkbet. Diese ist hier in der Tat oft die beste Wahl. Für den Fall, dass es am Flop zu einem Fold beider Gegner kommt, ist das offensichtlich gut für dich. Raist einer der beiden Gegner, kannst du mit relativ viel dead Money und eventuell sogar noch Foldequity dein Geld direkt am Flop in die Mitte schieben und so schwierige Situationen am Turn vermeiden.

Im Falle eines Calls musst du den Turn out of Position spielen. Weiterhin wird UTG aufgrund seiner Sandwichposition zwischen dem Fish und der Donkbet oft Hände raisen oder folden, die er HU nur callen würde.

Ansonsten kannst du am Turn entscheiden, weiter aggressiv zu spielen oder passiv zu werden. In der Summe wird die Line bet/3-bet hier oft leichter spielbar sein als ein Checkraise.

Was hat das ganze nun mit Deception zu tun? Erstmal nichts. Gut ist hier, dass sich die für Draws geeignete, aggressive Line auch für made Hands eignet. Wenn du neben Monsterdraws auch Sets auf diese Weise spielst, hat dein Gegner eine spieltheoretisch sehr schwierige Entscheidung.

Er muss sich genau überlegen, welche Formen von Draws bzw. made Hands du hier haben kannst. Genauso braucht er eine gute Abschätzung, wie du sie in dieser Situation spielst. Wichtig ist eben, Informationen über deine Range nicht preiszugeben. Um auch vom Semibluffgedanken am Flop ein wenig wegzukommen, findest du nun noch einmal ein Gedankenbeispiel.

Du könntest auf diesem Flop ungefähr drei Handkategorien halten:

  • Mittelstarke Hände wie Toppair oder Middlepair, eventuell JJ. Sie schlagen Overcards und Draws, sind aber gegen den starken Teil der gegnerischen Range behind.
  • Starke Hände wie Sets oder eventuell T7. Mit ihnen willst du auf jeden Fall All-In. Wie sich genau die Grenze zwischen mittelstarker und starker made Hand zeigt, ist natürlich wieder situations- und gegnerabhängig.
  • Zuletzt noch Draws verschiedener Stärke, Combodraws oder einzelne Flush- oder Straightdraws.

Dies stellt in etwa die Menge der Hände dar, welche du weiterspielen willst. Viele Leute würden hier vielleicht als Standardline für die starken Hände checkraise + Bet spielen, sowie check/call oder check/fold mit dem Rest. Das ist natürlich kein bisschen deceptive, denn die Range ist komplett unbalanced und dein Gegner kann leicht dagegen spielen.

Eine Möglichkeit davon abzukommen wurde nun mittels bet/3-bet mit starken made Hands und einem Teil der Draws gegeben. Damit spielen sich diese beiden gut, aber du kommst in eine Bredouille:

Spielst du check/call am Flop, so kannst du, außer bei einem Hit eines Draws, niemals drei Bets callen. Du musst also entweder damit leben, hier bluffbar zu sein oder du baust Herocalls mit einem Teil der mittelstarken Hände ein. So in etwa präsentiert sich die hier vorgestellte Alternative. Ohne im Detail weiter darauf einzugehen, gibt es auch andere Möglichkeiten, solche Lines zu balancen.

Nicht unbedingt 3-handed, aber Heads-up bietet sich hier auch die Möglichkeit an, eine Zeit lang nur einfache Draws, die du auf eine 3-Bet foldest, zu checkraisen und starke Draws sowie Sets oder Twopair nur zu callen.

Am Turn bietet sich dann mit der gesamten Range ein Checkraise an. Dies wäre eine Option, häufige 2nd Barrels des Gegners zu kontern und dann eventuell einfache one Pair Hände besser zum Showdown bringen zu können, eben durch die gesenkte Frequenz von 2nd Barrels.

Das Prinzip dahinter ist simpel: Spiele einen Teil deiner Range nicht wie erwartet. Dabei solltest du immer vermeiden, dass dein Gegner dich auf eine präzise Range setzen kann (also immer Semibluffs oder Bluffs mit in der Range halten) und dich auf notwendige Herocalls einstellen, wenn die Situation dazu unvermeidbar ist.

Grundlagen gegen verschiedene Gegnertypen

Auf eine Klassifizierung aufgrund von Stats wird hier absichtlich verzichtet. Vielmehr ist die Art und Weise wichtig, wie jemand spielt und welche Ziele er verfolgt. Diese Information ist für eine Kategorisierung kategorisieren, als eine reine Spielstatistik.

Weak-tighter TAG (wTAG)

Man könnte diesen Gegner auch als schlechten Tag bezeichnen. Tight-agressive ist natürlich schon ein guter Anfang, es gibt aber viele Spieler, die entweder allgemein sehr weak sind, oder zu stark schematisiert spielen. Letzteres führt aufgrund mangelnder Entscheidungstiefe auch sehr oft zu dieser Weakness.

Der wTAG ist oft selbst noch marginaler winning Player, da es eben auch richtige Fische gibt, er ist aber kein starker Spieler. Geld gewinnst du gegen ihn in kleinen und mittelgroßen Pötten. Der wTAG spielt häufig seine Karten, ohne groß auf die Ranges seiner Gegner zu achten. Dadurch ist er anfällig für plumpere Bluffs, sowie im Gegenteil selten in der Lage, selbst kreativ zu spielen oder größere Bluffs zu fahren.

In großen Pötten hält er meist auch eine starke Hand, weswegen du hier im Schnitt keinen Vorteil haben wirst. Insgesamt sollte dieser Spielertyp schlechter sein als du. Du kannst relativ konstant und ohne großes Risiko von ihm Geld extrahieren. Nicht so viel wie bei einem richtigen Fish, aber du spielst dennoch +EV gegen ihn.

Im Einzelnen kannst du hier, wie schon erwähnt, oft versuchen mit moderatem Risiko kleine und mittlere Pötte zu kaufen. Preflop kannst du gegen diesen Spieler eine hohe 3-Bet-Frequenz fahren, da du selten Gegenwehr bekommst. Du solltest dabei natürlich darauf achten, dass seine initiale Range nicht zu klein ist (UTG-Raise), sonst bekommst du selten Gegenwehr in Form von lighteren Calls oder 4-Bets bzw. 4-Bet-Bluffs.

Gleichzeitig ergeben sich auch oft profitable Coldcall-Situationen, da du nicht nur durch Treffer, sondern besonders in Position oft auch ohne Treffer den Pot mitnehmen kannst. Dabei musst du besonders auf Squeezes achten, da der wTAG auch dafür relativ anfällig ist.

Am Flop bieten sich sowohl Raises als auch Floats an, um den wTAG aus der Hand zu drängen. Du musst bei Flopraises auch nur wenig darauf achten, was du repräsentierst, denn der wTAG wird seltener runtercallen, nur weil deine Hand bluffy aussieht. Auch gegen Flopcalls bekommst du häufig einen Fold. Der wTAG 2nd-barrelt zu wenig und spielt sowohl am Flop als auch am Turn oft zu tight.

Auch für 3-Barrel-Bluffs ist dieser Spieler anfällig, da er seine starken Hände besonders out of Position meistens schnell spielt und somit nach einer check/call, check/Call Line an Flop und Turn selten eine Hand hat, die eine Riverbet sehen will, ergo häufig auf diese foldet (Auch wenn er vielleicht herocallen sollte).

Solider TAG (TAG)

Wie der Name schon sagt, die gute Ausgabe des wTAGs. Die angesprochenen Schwächen des wTAGs existieren beim idealen TAG nicht mehr. Der Tag spielt im Grunde ähnlich wie der wTAG, im Unterschied ist er aber bereit, wenn nötig von seinem Gameplan abzuweichen. Wie der Name schon sagt, hat er einen grundsätzlich tighten Ansatz, wird er jedoch mit übermäßiger Aggression oder Blufffrequenzen konfrontiert, wird er sich auf die eine oder andere Weise richtig anpassen.

Lighte 3-Bets wird er mit Calls, 4-Bets und geänderten Openraisingstandards beantworten, Floats und Angriffe am Flop mit Rebluffs und Refloats sowie lighteren Calldowns, wenn es nötig ist. Auch Semibluffs am Turn versteht dieser Gegner und kann sich darauf anpassen. Um es kurz zu machen, der TAG wird nicht zwingend versuchen gegen dich zu spielen, solange er dich für einen überdurchschnittlichen Spieler hält. Kommst du ihm in die Quere, wirst du kein leichtes Spiel haben.

Wenn zwei Spieler mit derselben Strategie aufeinander treffen, ist es allgemein so, dass entweder einer von beiden ausweichen muss, oder dass der gewinnt, der die Strategie weiter perfektioniert hat. Du hast also die Möglichkeit, selbst weiter tight-aggressive zu spielen und dich auf dein Fingerspitzengefühl in knappen Entscheidungen zu verlassen oder du passt dich entweder durch tighteres Spiel (Vermeiden dieser Situationen) oder durch looseres Spiel (Veränderung der Dynamik) an die Situation an.

Letzteres kann funktionieren, wenn du gut genug spielst, ansonsten wird es teuer. Gegen gute Tags wirst du kaum in der Lage sein, Geld zu gewinnen, solange sie nicht in Richtung wTAG gehen. Der TAG bereitet dir nicht absichtlich Probleme, ist aber auch kein angenehmer Tischpartner.

Loose-aggressive (LAG)

Hier soll nicht zwischen guten und schlechten LAGs unterschieden werden, denn schlechte LAGs sind oft einfach nur schlechte TAGs, die mehr Hände spielen, oder schlicht und ergreifend Maniacs. Ein LAG geht das Spiel anders an als der TAG. Er versucht deutlich stärker, Fehler bei Gegnern zu induzieren und zu provozieren, um aus ihnen Profit zu schlagen. Dies geschieht, indem sie mit mehr als der üblichen Aggression konfrontiert werden.

Es gibt schon preflop einige Basiseigenschaften, die durch ihre Ausnutzung direkten Profit versprechen, zum Beispiel das Stealverhalten. Nimm einen Spieler mit etwa 27% Openraise vom CO. Bekommt er eine 3-Bet, spielt er oft nur TT+, AK weiter, also 3.5%. Er foldet also als Defaultentscheidung 87% seiner Openraises auf eine 3-Bet.

Riskiert ein Spieler nach einem 4BB Openraise 12BB für eine 3-Bet und du ignorierst die Fälle, in denen ein dritter Spieler einsteigt, so macht er mit diesem Raise einen direkten Profit von EV = 0.87 * 5.5 – 0.13 * 12 = 3.225 BB

Das ist ein sehr hoher EV für das Risiko von 12BB. Ein guter TAG ist sich dessen auch bewusst. Im Gegensatz zum LAG forciert er das Ausnutzen jedoch nicht. Während ein TAG einfach seine 3-Bet Frequenz soweit hoch fährt, das der initiale Openraiser sich keinem zu großen Druck ausgesetzt fühlt und seine Spielweise weitestgehend beibehält, attackiert der LAG den Spot oft deutlich härter und zwingt den Gegner zur Reaktion. Damit wird die ursprüngliche +EV Situation zerstört.

An ihre Stelle tritt allerdings mit Glück eine noch größere +EV Situation. Allgemein beeinflusst diese Spielweise auch das Image des LAG. Das lässt sich auch auf das Verhalten nach dem Flop übertragen.

Auch hier versucht ein TAG eher, aus gegebenen Situationen einen positiven Erwartungswert zu ziehen und dies weiterhin zu können, während der Lag sie so stark ausnutzt, dass er seine Gegner ihrerseits zu einer Reaktion zwingt. Diese fällt oft schlecht aus, da die Spieler aus ihrem Erfahrungsrahmen gerissen werden, während der LAG sich seiner Rolle bewusst auf bekanntem Terrain bewegt.

Während ein guter Tag nur unangenehm am Tisch ist, wird ein guter LAG zu einem echten Problem. Man kann dieser erhöhten Looseness und Aggression auch nicht mehr mit einem weiteren Aufdrehen begegnen. Vor allem dann nicht, wenn man es nicht gewohnt ist. Es bleibt dir eigentlich nur übrig, den LAG genau zu studieren und in seinem Spiel Stellen zu finden, in denen er insgesamt schlecht spielt.

Die gute Nachricht ist aber: Aufgrund der Menge an Entscheidungen, die der LAG trifft, sind eigentlich immer einige von ihnen nicht gut. Das Problem dabei ist natürlich, dass es sich um sehr marginale Situationen handelt, in die du dich aber dennoch begeben musst, um zu bestehen.

Am ehesten trittst du ihm wohl mit einer moderat passiven Spielweise entgegen. Du spielst weniger aggressiv und achtest weniger auf Potbuilding (das macht ja der LAG für dich), sondern beschränkst dich häufiger darauf, showdownbound zu spielen. Die Menge der Hände, die der LAG spielt, sorgt schließlich dafür, dass seine durchschnittliche Equity relativ gering ist. Bringst du die Hände gut genug zum Showdown, kannst du so einen Anhaltspunkt zum Spiel finden.

Insgesamt ist der LAG wohl der unangenehmste der hier besprochenen Kandidaten. Er ist gut und du gewinnst dadurch allenfalls wenig gegen ihn. Zum anderen ist er sehr aggressiv und wenn du etwas gewinnen möchtest, so musst du immer darum kämpfen. Hier ist dein eigenes Handreading, deine Kreativität und Spielverständnis gefragt.

Maniac

Maniacs sind vom Erscheinen am Tisch den LAGs ähnlich. Der große Unterschied ist jedoch, dass es sich um schlechte Spieler handelt. Du kannst viel Geld aus ihnen extrahieren, deine Edge ist hier wohl größer als gegen jeden anderen Gegner. Während der LAG versucht, seinen EV durch das Ausüben von Druck zu erhöhen, begnügt sich der Maniac oft damit, nur Druck aufzubauen.

Das siehst du oft daran, dass Maniacs sich viel zu wenig auf verschiedene Gegnertypen einstellen. Sie spielen immer ohne Präferenzen aggressiv und versuchen auch in Situationen zu bluffen, in denen es überhaupt keinen oder nur sehr wenig Sinn ergibt.

Während du gegen LAGs auch darauf abzielen kannst, ab und an Pötte ohne Showdown zu gewinnen, ist dies gegen den Maniac die falsche Herangehensweise. Hier gewinnst du dein Geld am Showdown durch überzogen gespielte made Hands oder Bluffs des Maniacs. Slowplay und auch Herocalls sind die Waffen der Wahl gegen diesen Spielertyp.

Sehr wichtig ist es auch, sich bestimmte Spielweisen des Maniac zu merken. Während gute Spieler hier häufiger variieren ist es oft so, dass Maniacs (wie eigentlich alle schlechteren Spieler) nur über ein recht beschränktes Repertoire an Spielzügen verfügen und dieses oft auch nur für einen Handtyp verwenden.

Bestimmte Draws werden an Flop oder Turn geraist, andere nicht. Manchmal wird am River auf einen Check zu 100% gebettet, auch wenn ein Bluff recht aussichtslos sein sollte. Andere checkraisen jeden Flop einfach blind und so weiter.

Oft begegnest du ansatzweise auch einer verkehrten Spielweise. Der Maniac spielt Draws und schwache Hände sehr aggressiv, während er gleichzeitig versucht, enorm viel zu slowplayen. Der Grund dafür liegt unter anderem in seiner eigenen Spielweise. Irgendwo geht jeder Pokerspieler davon aus, dass andere Spieler eine ähnliche Logik verfolgen wie sie selbst. Folglich betreibt er viel Slowplay, was ja gegen ihn auch ganz gut funktionieren würde.

Das ist auch ein Gegensatz zum LAG, denn dieser weiß, dass er, um seine Bluffs und Semibluffs spielen zu können, auch viele made Hands aggressiv for Value spielen muss. Deswegen ist auch hier das Spiel gegen den Maniac einfacher als gegen den LAG.

Es macht nicht immer nur Spaß gegen einen Maniac zu spielen. Behältst du allerdings die Kontrolle über dein eigenes Spiel, so ist die Situation die vielleicht profitabelste überhaupt.

Loose-passive (LPA)

Oft auch Callingstation genannt. Klarer losing Player, sehr einfach zu spielen. Er bereitet dir aufgrund seiner Passivität selten oder nie Probleme. Du kannst die Potgröße gut vorgeben und siehst auch viele Showdowns mit schwachen Händen, von denen ein anderer Spieler dich vielleicht im Laufe der Hand trennen würde. LPAs spielen normalerweise ihre Karten. Sie spielen sehr selten aggressiv, meist handelt es sich dabei um made Hands oder pure Bluffs.

Draws werden anstelle eines aggressiven Spiels eher passiv gespielt, um zu sehen ob man trifft. LPAs verlieren wie Maniacs viel Geld am Showdown, da sie einfach zu viele Showdowns sehen. Sie sind im Gegensatz dazu allerdings nicht in der Lage, wenigstens Pötte ohne Showdown zu gewinnen. Sie verlieren konstant Geld und sind sehr anfällig für Valuebets.

Sie sind vom Herangehen her auch recht statisch, wenn sie sich einmal etwas vorgenommen haben, versuchen sie es oft auch zu erreichen. Oft ist dies nur ein Showdown, gelegentlich aber auch ein Bluff. Sie gehen wenig bis gar nicht auf veränderte Situationen durch Boardkarten oder sonstige Konstellationen ein.

Gegen LPAs solltest du deine eigene Spielweise in einer Art und Weise umstellen, die es dir erlaubt, mehr mittelstarke Hände zu treffen und weniger auf Deception oder Bluffs gehen. Aufgrund der Passivität bekommst du ohnehin selten einen großen Pot, den eine sehr starke Hand benötigen würde und in der Summe gewinnst du hier mit mittelstarken Händen wie Toppair am meisten.

Du darfst allerdings nicht dem Irrglauben verfallen, LPAs würden niemals bluffen. Dies ist schlicht falsch, denn sie bluffen durchaus und ab und an sogar konsequent über mehrere Straßen. Nur leider insgesamt zu selten, um dadurch gefährlich zu werden.

 

Kommentare (2)

#2 CryingAce, 15.02.11 14:36

Guter Artikel !!

#3 MisterSnS, 07.02.13 11:55

"Wichtig ist es auch, möglichst selbst das letzte Geld in den Pot zu bringen, solange dies noch Foldequity erzeugt. Zum Beispiel musst du nach einem Checkraise oft ein All-In mit einem guten Draw callen, obwohl es kein Oddscall ist."<br /> <br /> Den teil verstehe ich nicht. Wenn wir genug Foldequity erzeugen wollen, tun wir das doch nicht indem wir ein AI against the odds callen. ?_?