Mit Strategie zum dauerhaften Erfolg im Online Poker – jetzt kostenlos anmelden!

Die stärksten Strategien Mit der richtigen Strategie wird Poker zum Kinderspiel. Unsere Autoren zeigen Schritt für Schritt, wie es geht.

Die klügsten Köpfe Lerne von und mit international erfolgreichen Pokerprofis in unseren Live-Coachings und im Forum.

Gratis Pokergeld PokerStrategy.com kostet dich nichts. Und es wartet gratis Pokergeld auf dich.

Du bist schon PokerStrategy.com Mitglied? Logg dich hier ein

StrategieNo-Limit BSS

Crushing NL50 (2/6) - Postflop: Konzepte und Anwendungen

» KOLUMNE

Crushing NL 50 (2/6)
Postflop: Konzepte

von Hasenbraten


In dieser Kolumne geht es um spezielle Grundkonzepte des No-Limit Hold'em Fullringspiels. Nachdem im ersten Teil dieser Reihe das Preflopspiel bearbeitet wurde, geht es hier um die Optimierung nach dem Flop. Zum einen werden direkt anwendbare Konzepte betrachtet, als auch spieltheoretische Hintergründe beleuchtet. 

Plane deine Hand

In diesem Abschnitt geht es darum, wie du dein Pokerspiel angehen solltest. Du kannst natürlich einfach drauflos spielen, oder zufällig Knöpfe drücken, der Erfolg wird jedoch begrenzt sein. Besser ist es, wenn du dir bei jeder Entscheidung, die du zu treffen hast, folgendes überlegst:

  • Was ist dein Ziel für diese Situation und was kann dein Ziel für noch kommende Entscheidungen sein?

Mögliche Ziele könnten sein:

  • Bessere Hände zum Folden bringen (Bluff)
  • Schlechtere Hände zum Callen bringen (Value)
  • Die Verbesserung der eigenen Hand (Draws)

Dein Ziel für eine Entscheidung ergibt sich aus der Gesamtsituation. Der Gegnertyp hat Einfluß auf die Möglichkeit zum erfolgreichen Bluffen, deine Hand hat selbstverständlich Einfluß auf die Möglichkeit, Value von schlechteren Händen zu bekommen und so weiter. Hast du dein Ziel formuliert, so musst du im nächsten Schritt immer eine neutrale Abschätzung der Realisierbarkeit sowie der möglichen Umsetzung machen.

Praktisch hierfür ist es, wenn du dir schon Gedanken über mögliche Szenarien machst, bevor diese Wirklichkeit werden. Dadurch sparst du zum einen Zeit und schulst zum anderen dein Spielverständnis und kannst auf die Aktionen deiner Gegner schneller reagieren.

Beachte auch die Realisierbarkeit deines Ziels. Dies ist nämlich oft nicht zu erreichen. Möchtest du einen Gegner bluffen, der sehr selten foldet, so wirst du dieses Ziel nicht erreichen können und solltest deswegen einfach aufgeben.

Für alle diese Überlegungen gilt: Sie müssen dem Prinzip der EV-Maximierung entsprechen. Bei der hier vorgestellten Vorgehensweise handelt es sich um ein eher theoretisches Konzept, welches sowohl in komplexen als auch einfachen Situationen Anwendung findet. Ein Beispiel ist im Kapitel zur Continuationbet aufgeführt.

Das Prinzip hinter einer Bet

Hast du dich schonmal gefragt, warum du einen Einsatz machst? Das kann mehrere Gründe haben, richtig gespielt erfüllt jeder einzelne dabei das Prinzip der EV-Maximierung.

Es gibt zum einen die Bluffkomponente. Hier entsteht der positive Erwartungswert durch einen Fold des Gegners. Dieser ist immer gut für dich, auch wenn du die Nuts hältst und dein Gegner foldet, bekommst du ja den Pot. Im Vergleich mit anderen möglichen Aktionen eines Gegners kann er jedoch einen nicht maximalen EV haben. In diese Kategorie fallen sowohl der pure Bluff als auch der Semibluff.

Ein weiterer Grund für dich zu setzen, kann die Valuekomponente sein. Hierbei hoffst du auf einen Call von einer schlechteren Hand. Wenn du davon ausgehst, den Pot häufig genug zu gewinnen, erfüllt auch dieses Prinzip das Prinzip der EV-Maximierung, solange deine Annahmen stimmen. Dies können zum einen Draws, zum anderen schlechtere made Hands sein.

Als weiterer Grund sei hier noch die mögliche Entstehung von Situationen mit positivem Erwartungswert in der Zukunft angeführt. Das kann zum Beispiel ein Isolationraise sein, das für sich genommen keinen positiven Erwartungswert hat, wenn dein Gegner nicht foldet. Insgesamt kann das Isolationraise dennoch richtig sein, da du nach dem Flop den Pot oft genug durch deine Continuationbet mitnehmen kannst. Hier hat die Aktion einen vorbereitenden Charakter, wie eine Flanke beim Fußball.

Es sind hier auch beliebige feinere Aufteilungen möglich, meist kann man sich dennoch durchaus auf diese drei beschränken. Sehr wichtig ist folgendes:

Mache dir in jeder Situation klar, weshalb du setzt. Frage dich dann, bevor du setzt noch einmal, ob dein Ziel eben durch den Einsatz erreichbar ist oder nicht. Denke daran, dass eine Aktion im Poker niemals für sich allein steht, sie geht immer Hand in Hand mit der Intention, mit der sie ausgeführt wurde.

Nur wenn die Intention den Einsatz auch rechtfertigt, ist der Einsatz selbst als richtig anzusehen. Eine Aktion mit der falschen Begründung wird nicht dadurch richtig, dass aus einer falschen Annahme eine richtige Entscheidung gefolgert wird.

Ein Beispiel als Überleitung zum nächsten Abschnitt: Es sei Aussage A: „Ich habe Ein Set“, sowie B: „Ich setze“. Hier lässt sich die Brücke von A zu B mit der Implikation über die Begründung Value schlagen. Gefahr kommt entweder von der falschen Bewertung von A, was in der Regel nur bei komplexeren Sachverhalten auftritt. Auch denkbar und häufiger auftretend ist allerdings einfach folgendes:

Der Spieler liefert eine falsche Begründung für die Implikation. Zum Beispiel sei A „Ich habe ein Set“, B wieder „Ich setze“. Sagt ein Spieler als Begründung, weshalb hier A => B gelten soll, „Ich mache eine Continuationbet und möchte, dass mein Gegner foldet“, so ist dies falsch und der Spieler hat einen Fehler gemacht. Das subtile daran ist, dass dieser Fehler ja trotzdem zur richtigen Entscheidung führt.

Achte von Beginn an darauf, sowohl deine Entscheidungen als auch den Denkweg dahin zu hinterfragen. Nur so kannst du langfristig dein Spiel verbessern.

Die Continuationbet

Zunächst eine Definition. Eine Continuationbet ist eine Bet, welche die Aggression vor dem Flop weiterführt. Also ein Einsatz des Preflopaggressors solange kein anderer Spieler gesetzt hat. Dieser kann alle der Ziele des vorherigen Abschnitts verfolgen. Die Continuationbet tritt sehr oft auf, entweder von dir oder deinen Gegnern gespielt. Deswegen ist es die für dich relevanteste Aktion am Flop.

Ziehe alle verfügbaren Informationen zu Rate, um deine Aktion am Flop zu bestimmen. Diese sind:

  • Handstärke
  • Gegnertyp, -position, -stacksizes
  • Board
  • History

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es auch, deine Hand zu verschleiern. Würdest du durch immer gleiche Aktionen oder durch die Größe deines Einsatzes Information über deine Hand preisgeben, würde das deinen Gegnern möglicherweise einen Vorteil verschaffen. Deshalb solltest du die gleichen Aktionen sowohl mit schwachen als auch mit starken Händen machen.

BEISPIEL 1

100BB Stacks
BB (Callingstation)

Preflop: Hero is BU mit 5, 6
Folds, Hero raises 4BB, fold, BB calls 3BB

Flop: 2, 7, 9; Pot 8.5BB
BB checks, Hero?

Was ist hier dein Ziel? Da du nur 6-high als Hand vorweisen kannst, wird es nicht Value sein. Bleibt zunächst der Bluff. Unter Berücksichtigung der Chance, den Pot auch am Showdown durch einen Treffer deines Draws zu gewinnen, lässt sich hier eine Bet rechtfertigen. Du kannst bessere Hände zum Folden bringen, zum Beispiel Highcards, eventuell auch Paare kleiner 7X.

Hero bets 5.5BB, BB calls 5.5BB

Turn: T
BB checks, Hero

Du hast weiterhin nur 6-high. Dein Ziel kann hier nur sein, deine Hand zu verbessern oder den Gegner zu vertreiben. Dies spricht für eine Bet. Die Frage ist aber, ob du dein Ziel erreichen kannst. Die Antwort ist nein. Dein Gegner ist eine Callingstation, er foldet also generell nicht viel. Es gibt auch nur sehr wenige Hände, die er am Flop callt und am Turn foldet.

Im Gegenteil, die Turnkarte hat ihm mit Händen wie T8, 68, JT oder sogar QT, AT, die solche Spieler gerne am Flop callen, sogar oft geholfen. Auch 78 oder ähnliches wird sicher nicht mehr aufgeben. Da du dein Ziel „Fold des Gegners“ nicht erreichen kannst, bleibt dir nur der Check.

Hero checks.

River: 3 BB checks, Hero?

Keine Hilfe für deine Hand. Verbessern kannst du dich nicht, bleibt also nur das Vertreiben des Gegners. Dies wird allerdings hier nicht eher möglich sein als am Turn und dir bleibt nichts weiter übrig, als deine Hand aufzugeben. Hier siehst du gut, das nicht nur die Zielbestimmung von Bedeutung ist, sondern auch die Einschätzung der Erreichbarkeit dieses Ziels.

Betsizing

Über Betsizing wurde bis jetzt noch kein Wort verloren. Sehr viel lässt sich in diesem  Rahmen auch nicht zu diesem  schwierigem Thema sagen. Postflop sollte für dich gelten: Die Ausgangsgröße für deine Einsätze ist eine ¾-Potsize Bet. Nach oben abweichen solltest du zum Beispiel aufgrund von:

  • schlechter Position
  • möglichen Draws
  • vielen Gegnern

Nach unten abweichen solltest du zum Beispiel bei:

  • trockenen Boards
  • wenigen Gegnern
  • guter Position

Wichtig ist auch: Hast du in einer speziellen Situation einen guten Grund von deiner Standardbetsize abzuweichen (zum Beispiel doppelte Potize zu setzen, weil du dir sehr sicher bist, dass dein Gegner auch so einen Einsatz mitgeht und du das möchtest), so solltest du dies tun.

Es gilt auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel. Solche Entscheidungen bieten sich auch sehr gut an, um darüber in den Handbewertungsforen zu diskutieren.

Der Semibluff

Der Name tauchte schon einmal auf, jetzt soll explizit darauf eingegangen werden. Was genau ist ein Semibluff?

Ein Bluff ist ein Einsatz ohne Chance auf einen Sieg, wenn der Gegner seine Hand nicht aufgibt. Dein Anteil am Pot beträgt hier im Grunde genommen 0. Du profitierst also nur von Folds. Hast du hingegen eine Hand, die nicht von schlechteren gecallt werden kann (Draw), aber noch die Chance hat zu gewinnen, so ist dein Ziel auch, bessere Hände zum Folden zu bringen. Allerdings ist dein Anteil am Pot je nach Stärke des Draws und der gegnerischen Hand meist zwischen 20 und 40 Prozent. Also ist ein Semibluff ein Bluff mit einer Chance auf Sieg ohne die Aufgabe des Gegners.

Hier gibt es zwei mögliche Spielweisen. Spielst du passiv, so wirst du die Hand nur gewinnen, wenn dein Draw ankommt. Weiterhin ist leicht zu erkennen, dass du einen Draw hast, wenn du passiv spielst und aggressiv, wenn du triffst. Dagegen steht das aggressive Spiel. Hierbei kannst du entweder treffen, oder deinen Gegner zur Aufgabe zwingen. Zu dem Anteil am Pot, der dir aufgrund deines Draws gehört, addiert sich ein Anteil durch die möglichen Folds deines Gegners, auch unter dem Begriff Foldequity zusammengefasst.

Zusätzlich ist deine Hand weniger einfach zu erkennen, was auch zu höheren Gewinnen bei einem Treffer führen kann. Allerdings ist das Risiko bei aggressivem Spiel höher. Du investierst mehr Geld. Generell gilt: Je stärker dein Draw ist (je höher seine Equity, sein Anteil am Pot), desto seltener muss dein Gegner folden, um profitabel aggressiv zu spielen.

BEISPIEL 2

100BB Stacks

Preflop: Hero is SB with 4, 5
Co limps, BU limps, Hero completes, BB checks

Flop: Q, J, 8

Hier könnte Hero einen Semibluff starten. Die Frage ist, ob du das willst? Genauer betrachtet lautet die Antwort hier nein. Du bist out of Position gegen drei Gegner und jeder von ihnen kann dieses Board gut getroffen haben. Es sind viele mittelstarke Hände unterwegs, die nicht direkt aufgeben, aber auch keinen großen Pot mit einem Herz am Turn oder River spielen wollen. Dies sorgt für zwei Dinge: Erstens ist deine Foldequtiy gering. Zweitens gewinnst du auch durch aggressives Spiel im Falle eines Treffers nicht besonders viel.

Hier kommt noch entscheidend hinzu, dass es gut möglich ist, dass ein Gegner einen stärkeren Flushdraw hält. Dieses Szenario ist zwar unwahrscheinlich, sorgt in der Regel aber für einen Verlust deines Stacks. Alle Argumente zusammengenommen sorgen dafür, dass du hier nicht setzen, sondern nur checken und höchstens einen kleinen Einsatz mitgehen solltest.

In der selben Situation mit J, T, was ändert sich?

Preflop: Hero is SB with J, T
Co limps, BU limps, Hero completes, BB check

Flop: Q, J, 8
Hero?

Deine Hand ist stärker. Es ist nicht übermäßig wahrscheinlich, auf einen besseren Flushdraw zu treffen. Im Gegenteil triffst du auch durchaus auf schlechtere. Du hast ein Pair, könntest also gegen Hände wie 89 oder andere Flushdraws den Showdown gewinnen. Auch ist dein Draw schlicht stärker. 4h5h hat gegen Q7 36% Equity, JhTh dagegen 58%. Zusammengenommen ergibt dies am Flop die Entscheidung für eine Bet:

Hero bets 4BB, BB raises 12BB, fold, fold, Hero???

Der BB demonstriert hier viel Stärke. Er könnte viele bessere Hände haben, ein direktes Patentrezept für die ganze Hand existiert nicht. In fast allen Fällen jedoch solltest du den Flop nur callen, um dich nicht gegen bessere Hände wie QJ zu isolieren. Wie du den Turn bei Herz, J T oder 9 weiterspielst, ist allerdings sehr gegnerabhängig.
» ZUSAMMENFASSUNG

Damit ist auch der zweite Teil der Kolumne „Crushing NL50“ beendet. Du solltest jetzt viel von den theoretischen Grundlagen für Einsätze sowie die Konzepte hinter ihnen Verstanden haben. Auch im Bereich Continuationbet sowie Semibluff sind die Grundlagen vertieft, besonders vor der gesetzten theoretischen Basis. Im nächsten Teil geht es dann mit spezielleren Konzepten weiter.

 

Kommentare (5)

#1 kleineMaus87, 13.10.09 11:10

1

#2 Scooop, 13.10.09 22:16

selbst gegen so eine Monsterrange wie: QQ+,JJ,88,QJ,Q8,J8,T9,AhQx,AhJx,Ah8x haben wir in Beispiel2 um die 50% Equity und eben deshalb würde ich hier immer shippen. Selbst gegen die fertige straight oder Topset haben wir noch massig Equity und unser push dürfte durchaus noch so einiges an FE erzeugen.<br /> <br /> Es mag sein, dass man u.U. gegen bestimmte Villains mit nem Call hier mehr rausholen kann, weil man sie am Turn und River ausspielen und valuetownen kann, aber es können halt auch sehr eklige Karten kommen, die uns die Entscheidung schwer machen und bei denen wir uns möglicherweise selber leveln...<br /> <br /> Mit dem push machen wir imo immer einen +EV move und ich sehe nicht, wieso man darauf verzichten sollte hier...<br />

#3 hasenbraten, 14.10.09 07:23

Es geht nicht darum ob der Move +EV ist - sondern ob sein EV maximal ist, ich hatte extra versucht einige Worte im Rahmen von Crushing NL50 dazu zu verlieren... Push EV ist absolut betrachtet kein Fehler, ob er besser ist als ein Call allerdings gegnerabhängig

#4 Puscherbilbo, 14.10.09 11:18

Mir ist es unerklärlich, wie man den Gegner nach einer Hand als Calling Station abqualifizieren kann.<br /> Dazu fehlen schlicht Infos. Weiß mans vorher, muss man die c-bet überdenken, oder nicht?

#5 thebuster, 20.10.09 13:50

Ich denke die Annotation "Callingstation" dient einfach nur dazu zu verdeutlichen wie man sich bei bestimmten Gegnern, Boards etc. verhalten sollte. D.h. die Tatsache, dass der Gegner gerne downcallt zusammen mit der für uns schlechten Boardtextur lässt den Schluss zu die Hand nach dem Flop-Call einfach aufzugeben. Hasenbraten hätte in dem Beispiel genausogut Villain als TAG klassifizieren und den Turn zu einem A machen können. Dann würde die Bet wieder deutlich mehr Sinn machen. Wie gesagt, dass Ganze soll doch nur einen Einblick in das Thema dieses Kolumnen-Teils geben.