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StrategieNo-Limit BSS

Das Balancing deines Spiels und das Exploiten der gegnerischen Leaks

Einleitung

In diesem Artikel
  • Wie wichtig Balancing auf den höheren Limits ist
  • Warum du deine Ranges polarisieren solltest
  • Gegnerspezifisches Balancing

Es ist ganz klar, dass das Balancing deines Spiels umso wichtiger wird, je höher das Limit ist, auf dem du dich befindest. Wenn man auf den Mikro-Limits spielt, muss man noch nicht analysieren, wie oft man eine 1st, 2nd, oder 3rd Barrel feuert, wie gut man gegen einen Float dasteht usw. Dieser Aspekt des Pokerns wird ab NL100 allerdings extrem wichtig.

Deshalb soll das Thema in diesem Artikel nun genauer betrachtet werden. Unzureichendes Balancing führt dazu, dass die Gegner uns leicht lesen können – solche Leaks müssen wir in unserem Spiel vermeiden. Auf der anderen Seite müssen wir genau solche Leaks im Spiel unserer Gegner suchen, damit wir eine Edge auf sie aufbauen können.

Dieses Thema ist so weit und vielfältig, dass es schwierig ist, alle relevanten Gedanken innerhalb eines Artikels zu betrachten. Das soll auch gar nicht unser Ziel sein. Es ist allerdings wichtig, das Prinzip und die Grundgedanken zu verstehen, damit man sich später eigenständig Gedanken zu der Problematik machen kann. Diese Artikel soll dir diese grundlegenden Dinge vermitteln.

Grundlagen

Schau dir die Stats des Gegners im HM-Replayer an und stell dir vor, du müsstest lernen, gegen diesen einen Gegner gut zu spielen, d.h. seine Leaks zu finden, um ihn zu exploiten. Womöglich feuert er oft eine 2nd Barrel. Du würdest ihn am Flop mit einem Set nicht raisen, sondern ihn eher callen, da dies effektiver wäre.

Umgekehrt foldet er vielleicht oft auf Contibet-Raises, sagen wir in 45-55% der Fälle. Das ist definitiv ein Gegner, gegen den du auf Continuationbets bluffraisen solltest. Es sind Leaks – DEINE Leaks. Gute Spieler werden sie erkennen und dich exploiten. Beobachte ganz genau, wie oft du auf eine 3-Bet, 4-Bet, Continuationbet oder 2nd Barrel foldest, schau dir an, wie aggressiv du den River spielst, analysiere dein eigenes Spiel. Dann wirst du auch die Spots finden, in denen du dein Spiel balancen musst.

Vielleicht fragst du dich, in wie viel Prozent der Fälle du z.B. eine 2nd Barrel feuern musst. In 50%, 60% oder vielleicht 65% der Fälle? Welchen Prozentsatz sollte man erreichen? Es gibt ein paar Anhaltspunkte, die dir hier weiterhelfen.

Analyse

Zunächst einmal musst du dich fragen, welche Art von Gegner (Stats) für dich am schwierigsten zu spielen ist und welchen Prozentsatz an 2nd Barrels du als verwirrend empfindest.

Versuche dann, diesen Prozentsatz auch in dein Spiel zu übernehmen, es wird die ideale Häufigkeit sein. Zweitens musst du auf die gegnerischen Hände und ihre Lines gegen dich achten. Schau dir genau an, wo sie angemessen spielen und wo sie gerne einmal einen Move machen.

Als ich zum Beispiel erkannt habe, dass meine Gegner zu oft mit einer weiten Range gegen mich 3-betten, habe ich auch erkannt, dass ich viel auf ihre 3-Bets folde. Daraufhin habe ich weniger gefoldet und konnte meine Winrate so verdoppeln.

Jedes Mal wenn du am Showdown bist und der Gegner eine “seltsame“ Hand hält, musst du dich fragen: “Spielt er so, weil er sich auf mein unbalanced Play eingestellt hat?“

BEISPIEL 1:

NL Holdem $6(BB)

Stacks & Stats
UTG ($221)
UTG+1 ($761)
CO ($601)
BTN ($1.028)
SB ($600)
Hero ($600)

Prelop: Hero is BB with JdQs
4 folds, SB raises to $15, Hero calls $9

Flop: ($30) Qd6cQc
SB bets $15, Hero calls $15

Turn: ($60) Qd6cQcKs
SB bets $30, Hero calls $30

River: ($120) Qd6cQcKs5d
SB bets $81, Hero calls $81

Hero shows JdQs
(Pre 71%, Flop 100,0%, Turn 100,0%)

SB shows 9hTs
(Pre 29%, Flop 0,0%, Turn 0,0%)

Hero wins $279

Der Gegner ist höchstwahrscheinlich auf Tilt. Wie auch immer, du solltest dich fragen, mit welcher Häufigkeit du auf 2nd oder 3rd Barrels foldest. Ist sie eventuell zu hoch? Und wenn du bemerkst, dass der Gegner bestimmte Lines gegen dich zu häufig benutzt, solltest du das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und dein potentielles Leak beseitigen.

Das Polarisieren deiner Ranges

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Balancing ist es, die passenden Handranges für eine bestimmte Line zu finden. Es ist klar, dass wir bei einer 2nd Barrel Häufigkeit von 60% nicht nur mit guten Händen betten und die schlechten aufgeben. Der Hauptaspekt ist hier das Polarisieren von Ranges, um deine Hand vor den Gegnern verborgen zu halten.

Wir wollen unsere 2nd-Barrel-Range am Turn aufsplitten in:

  • 1. Starke Hände (Toppair +)
  • 2. Mittelstarke Hände (Toppair -)
  • 3. Draws
  • 4. Trash

Es ist viel effektiver, die 2nd-Barrel-Range zu polarisieren und in Fall 1) und 3) zu betten und in Fall 2) und 4) zu checken, als in Fall 1) und 2) zu betten und in Fall 3) und 4) zu checken. Trotzdem wird der Aggressionsfaktor ungefähr identisch sein.

Vielleicht ist dieses Beispiel zu offensichtlich, aber es verdeutlicht doch ganz klar den Sinn der Rangepolarisierung. Und darum geht es uns. Wir wollen es dem Gegner erschweren, den korrekten Spielzug zu finden.

Im Idealfall sollten wir unsere Ranges in allen Setzrunden polarisieren, damit die Gegner immer vor einer schwierigen Entscheidung stehen.

Um noch einmal auf das vorherige Beispiel zurückzukommen: Wir müssen nicht nur Bettingranges, sondern auch Checkingranges polarisieren. Das ist wichtig, da wir am Turn mit 2) auch immer checkraisen oder check/callen können und dem Gegner damit die Information vorenthalten, ob ein Float für ihn profitabel wäre.

BEISPIEL 2:

NL Holdem $20(BB)

Stacks & Stats
UTG ($837)
Hero ($2.000)
CO ($4.091)
BTN ($2.110)
SB ($1.626)
BB ($3.180)

Preflop: Hero is UTG+1 with ThAs
UTG folds, Hero raises to $60, CO calls $60, 3 folds

Flop: ($150) 3h8cJd
Hero bets $90, CO calls $90

Turn: ($330) 3h8cJd9d
Hero bets $240, CO folds

Hero shows ThAs

Hero wins $327

Wir haben am Turn lediglich einen Draw. Dadurch, dass wir allerdings korrekt balancen, machen wir es dem Gegner unmöglich, sein Spiel mit positivem EV fortzusetzen, da unsere Range voller Overpairs, Sets und starken Jacks ist. Unsere Range ist daher ziemlich polarisiert. Wenn wir hier checken, machen wir es ihm zu einfach, den Pot mit einer mittelmäßigen Hand zu kontrollieren oder mit einem starken Draw zu valuebetten.

Abschließend soll noch ein andere Frage angesprochen werden: Wie passt man sein Balancing an verschiedene Gegner an?

Gegnerspezifisches Balancing

Bisher haben wir unser Spiel unabhängig von den Gegnern analysiert, d.h. das Standardspiel gegen einen durchschnittlichen Gegner ohne Bezug auf spezielle Spieler. Aber was passiert nun, wenn unser Gegner kein Durchschnittsspieler ist? Was ist, wenn sein Spiel einfach zu spezifisch ist?

Ein Spieler zum Beispiel, der preflop sehr aggressiv spielt, oder der in 30% der Fälle Contibets raist, oder ein Spieler, der in 70% der Fälle floatet. Sein Spiel mag durchaus einen positiven EV haben, aber nicht ausschließlich aufgrund unserer Spielweise. Solche Abweichungen in seinem Spiel sind Leaks, die wir auf jeden Fall exploiten müssen.

Stellen wir uns z.B. eine generelle 3-Betting-Range gegen einen beliebigen Spieler und eine spezifische 3-Betting-Range gegen bestimmte Spieler preflop vor. Wir können unabhängig vom Gegnertyp spielen und gegen alle Spieler mit einer bestimmten Range aus einer bestimmten Position 3-betten. Andererseits können wir unsere 3-Betting-Range aber gegen solche Gegner erweitern, die gerne folden und sie gegen solche Gegner, die auf 3-Bets nur selten folden, verkleinern.

Dadurch, dass wir unser Balancing an bestimmte Spielertypen anpassen, haben wir eine Edge auf sie. Wir nutzen ihre Leaks aus sowie die Tatsache, dass sie ihre Reaktion auf unsere 3-Bets nicht genügend balancen und erhöhen damit unsere Winrate.

 

Dieses Beispiel ist eher einfach gestrickt, trotzdem sollte der Grund für das Balancing deutlich geworden sein. Kommen wir kurz zu einem etwas komplexeren Szenario: Du stehst mit einem weiteren Spieler am Flop und dein Gegner spielt den River passiv. Du musst hier schon am Flop analysieren, mit welcher Line du das Leak des Gegners am besten ausnutzen kannst. Wir müssen unser Spiel hier anpassen. Wir spielen am River extrem aggressiv gegen ihn, wodurch unsere Valuebets dann auch gegen Spieler mit hohem Aggression Frequency Stat erfolgreicher sein werden.

Zusammenfassung

Dieser Artikel hat sich mit der Thematik des Balancings beschäftigt, einer von vielen Möglichkeiten maximalen Value aus unseren Aktionen am Pokertisch zu extrahieren. Falls dich dieser Artikel zum Denken angeregt hat, so habe ich mein Ziel erreicht. Damit möchte ich mich verabschieden. Viel Glück an den Tischen!

 

Kommentare (1)

#1 suspectt, 21.04.11 23:58

hey echt supper erklärt. vielen dank für deine bemühungen.