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StrategieSit and Goes

Der Sinn von Contibets in SNGs

» KOLUMNE

Der Sinn von Contibets in SNGs

von Yoda

In der heutigen Kolumne werde ich für euch das Konzept der Contibet aufgreifen und unter spezieller Betrachtung einer Turniersituation besprechen.

Aus dem Strategieartikel „Contibets“, der ab Silber verfügbar ist:

„Hält man kein Paar in der Starthand, trifft man nur in gut einem Drittel aller Fälle etwas am Flop[…]. In der großen Mehrheit der Fälle wird man als Preflop-Aggressor also am Flop keine Hand haben, die ein Weiterspielen rechtfertigt.

Andererseits geht es den Gegnern in den meisten Fällen genauso. […] In diesen Fällen gewinnt oft der, der als Erster blufft und gerade in diesem Punkt hat man als Preflop-Aggressor einen entscheidenden Vorteil: Man hat vor dem Flop schon eine starke Hand angezeigt.“

ANPASSUNGEN IN EINEM SNG

Dieses Grundprinzip gilt natürlich auch in Turniersituationen, allerdings müssen wir das ICM berücksichtigen. Es gilt, dass ein gewonnener Chip in einem SNG weit weniger absoluten Wert besitzt als ein verlorener, ganz im Gegensatz zu Cashgames, wo verlorene und gewonnene Chips den gleichen Wert haben!

Wenn wir über dieses Faktum nachdenken, merken wir, dass wir bei gleicher Erfolgsquote und Größe der Contibet weniger Geld gewinnen bzw. eine knapp gute Contibet in einem Cashgame in einer Turniersituation durchaus unprofitabel sein könnte.

Daraus folgt: Im Gegensatz zu Cashgames, wo wir unsere Betgrößen standardmäßig gen Pot wählen, empfiehlt sich in SNGs die Anwendung einer kleineren Betsize(1/2-2/3).

Außerdem sollte man in SNGs seltener mehrere Barrels feuern - da wir nicht nachkaufen können und deshalb jeder Chipverlust uns dem Bustout näher bringt.

Im Folgenden habe ich einige Faktoren zusammengestellt, die ihr bei der Frage "Contibet - Ja oder Nein?" auf jeden Fall beachten solltet.

Generell wollen wir erreichen, dass

  • bessere Hände folden und/oder
  • schlechtere Hände callen und/oder
  • unsere Hand gegen Draws geschützt wird.
FAKTOREN PRO/CONTRA CONTIBET
PRO:
  • Guter Flop. Boardtextur impliziert, dass unser Gegner oft verfehlt hat (z.B. ein Q 2 7 Board), wenige/keine Draws sind möglich.

  • Wir wollen uns committen. Wir haben ein Overpair oder einen sehr starken Draw, der auf einem blank Turn viel Equity verliert und auf einem Turn, den er trifft, selten ausbezahlt wird (A K auf 9 8 2 Flop ), und wollen uns committen(wobei die Contibet hier auch eine Valuebet ist).

  • Villain ist nitty Regular. Unser Gegner ist ein Regular, der vermutlich oft auf Setvalue gecallt hat und nur mit einem Set weiterspielen wird. Hier muss man aufpassen, dass man Villain nicht zuviel Credit gibt, da auch andere Regulars gelegentlich denken und darauf kommen, dass sie sehr viel raisen können, wenn sie beim Raisen automatisch auf ein Set gesetzt werden. Damit sollten wir rechnen und ggf. zurückspielen.

  • Anzahl der Villains. Der Pot ist Heads-up, die Wahrscheinlichkeit ist hiermit viel größer, dass nicht nur wir nicht getroffen haben.

  • Die Höhe des Buy-ins kann für eine Contibet sprechen: Angenommen wir haben AK auf einem 233 Board in einem 109$ SNG gegen einen soliden Reg. Hier wird häufig mit den Setmining-Pockets call-once gespielt, was heißt, dass wir entweder twobarreln müssen oder auf die Contibet verzichten. In einem SNG sind multiple Barrels meistens eine schlechte Idee, da wir unsere Chips zusammenhalten wollen. Wäre unser Gegner hingegen ein 40%-VPIP-Fisch, würden wir gegen seine Range mit AK high so weit vorneliegen, dass das Verzichten auf eine Contibet Geldverschwendung wäre.

  • Wir haben Position. Generell gibt es speziell auf niedrigen Buy-ins sehr viele Gegner, die das Konzept des Checkraisens nicht verstanden haben und deshalb hit->donk spielen. Gegen diese Gegner ist eine Contibet selbstverständlich erfolgsversprechender, da sie uns schon eine Information über ihre Handstärke gegeben haben.

CONTRA:
  • Unser Image. Haben wir vorher schon einige Hände gecontibettet und aufgeben müssen, wirken wir weak auf die Gegner und sollten die Contibet als Bluff nicht mehr verwenden.

  • Way ahead, way behind Wir befinden uns in einer wa/wb-Situation(siehe zugehörigen Artikel, Paradebeispiel ist Beispielhand 2), ein Check hat nur Vorteile für uns.

  • Value einer Freecard. Unsere Hand ist nicht besonders stark, aber eine Freecard sehr wertvoll (A K auf Q T 5 Board) - besonders IP sollte man hier den Checkbehind wählen.

  • Ungünstige Stacksizes. Bei unserer/Villains Stackgröße würde uns die Contibet gegen einen Shove committen. Hier ist ein Checkbehind fast immer die beste Option.

  • Schlechter Flop. Die Floptextur lässt uns vermuten, dass unser Gegner oft getroffen hat. Ein Checkbehind kann außerdem seine von uns dominierten Overcards hitten lassen. Ein schlechter Flop wäre beispielsweise 9 8 7.

  • Balancing. Unser Gegner ist ein Regular, Hand ist wieder A K auf Q T 5 Board, wir checken behind. Daraufhin wird er häufig den Turn betten.. um dies zu kontern ist es wichtig, auch ab und zu JJ oder QQ behindzuchecken, um nicht so leicht lesbar zu sein. Das sollte natürlich nicht zum Standard werden, der Mix macht hier die Musik.

BEISPIELE

Die erste Beispielhand ist aus dem VIP Pass Tourney. Villain ist vieles - nur kein Shark.

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t30000 (9 handed)
BB (t1188999)
Hero (t491226)
UTG+1 (t254400)
MP1 (t418145)
MP2 (t621966)
MP3 (t345354)
CO (t495848)
Button (t160997)
SB (t217550)

Preflop: Hero is UTG with A, K.
Hero raises to t75000, 7 folds, BB calls t45000.

Flop: (t160000) Q, 2, J (2 players)
BB checks, Hero checks.

Turn: (t160000) 8 (2 players)
BB checks, Hero checks.

River: (t160000) T (2 players)
BB checks, Hero bets t122999, BB calls t122999.

Wir haben AKo und raisen preflop auf 2.5 BB. Der Flop kommt sehr drawy, jedes nimmt einen Flushdraw auf, T9 floppt das OESD, massig Q und J sind in Villains Range. Deshalb nehmen wir den Checkbehind am Flop.

Am Turn freuen wir uns darüber. dass wir eine weitere Freecard bekommen, viel wird Villain nach unserem Flopplay hier nicht mehr folden(sprich: Underpair Pockets bekommen hier vmtl. auch noch einen Call), wenn wir jetzt betten.

Am River treffen wir eins von drei cleanen Outs, da Villain nach dieser Line wohl nie einen Flush hält. Wir betten groß(wir können hier groß valuebetten da Villain wenn er irgendetwas hat, quasi unabhängig von der Betsize callen wird, da es sehr danach aussieht, als würden wir den Pot kaufen wollen) und bekommen einen Call.

Hero shows [ Ah, Kd ]a straight Ten to Ace.
Villain doesn't show [ Qh, 9c ]a straight Eight to Queen.

Unser Plan ging auf.

Hand 2 aus dem Forum:

No-Limit Hold'em Tournament ($55), Blinds 20/40 (10 handed)
MP3: 1,980
Hero: 2,000
MP1: 2,000
UTG: 2,000
UTG+2: 2,000
UTG+1: 2,000
SB: 2,000
CO: 2,620
BU: 1,840
BB: 1,560

Preflop: Hero is MP2 with K, K
4 folds, Hero raises to 120, 3 folds, SB calls $100,00, BB calls $80,00.

Flop: (360) 8, A, 7 (3 players)
SB checks, BB checks, Hero checks.

Turn: (360) 4 (3 players)
SB checks, BB checks, Hero bets 180, SB raises to 360, 2 folds.

Final Pot: 900

Hier gibt es zwar Draws auf dem Flop(T9, 56 haben OESD) aber wir entscheiden uns trotzdem für einen Checkbehind gegen zwei Gegner.

Am Turn hat Hero gebettet, was ich persönlich nicht gut finde, aus zweierlei Gründen: Erstens sieht unsere Hand sehr nach dem aus, was sie ist, eine Hand die eine dünne Valuebet macht, aber einem Raise nicht standhalten kann. Zweitens führt ein weiterer Checkbehind sehr häufig zu Bluffs à la Potsizebet von QJ auf dem River. Wenn wir hier behindchecken, dann machen wir das mit der Intention, den River zu callen.

» ZUSAMMENFASSUNG

Wir sollten bei jeder Contibet-Entscheidung die oben aufgeführten Punkte im Hinterkopf haben und durchgehen und gegeneinander abwägen. Ich habe schon häufig gehört, dass einige Regs komplett auf die Contibet verzichten, weil sie sie für unprofitabel halten. Ich denke, das ist ein Leak und schmälert den ROI. Man muss nur sorgfältig die richtigen Spots auswählen, dann ist die Contibet eine Waffe die auch im Arsenal eines SNG-Grinders nicht fehlen sollte.

 

Kommentare (14)

#1 punkschlumpf, 20.05.08 11:40

tolle Kolumne :P
mehr davon!!!

#2 niknik88, 20.05.08 13:11

"Hier gibt es zwar Draws auf dem Flop(T9, 56 haben OESD) aber wir entscheiden uns trotzdem für einen Checkbehind gegen zwei Gegner."

Warum?

Alles andere ist sehr gut erklärt und bringt einem die Materie gut bei.
Aber der Satz war mit unklar... warum machen wir trotzdem nen checkbehind am flop?
Meine Erklärung wär jetzt: Das A hat mit rel. großer wahrscheinlichkeit jemand getroffen und die draws sind sehr sehr unwahrscheinlich.
Richtig?

#3 djtommyblue, 20.05.08 13:35

Nice one, top!
Btw: Als nächstes wünsche ich mir nen Artikel "loose Calls gegen Regulars" :D

#4 mz89, 20.05.08 16:52

top kolummne, genau zu diesem thema hab ich mir was gewünscht. thx!"

#5 Adrenalin, 20.05.08 17:35

nice..danke

#6 JackBauerisback, 20.05.08 18:01

@#2
würde die Blinds eher auf so eine Hand wie AQ,AJs, vllt. noch AK setzen als auf 56 oder T9. Wenn du mit der Conti so eine Hand wie AK repräsentieren willst, musst du schon eine ordentliche Conti wählen
um bspw. vor nem kranken 2 pair zu protecten. Denke nicht, dass die Conti hier mit Midpair in 2 Leute sinnvoll wäre.

#7 Pulow, 21.05.08 14:13

"Es gilt, dass ein gewonnener Chip in einem SNG weit weniger absoluten Wert besitzt als ein verlorener..."
heißt das nicht auch das villians tighter callen sollten und wir mehr fold-eq haben als im cashgame ?

#8 Pokermakaja, 25.05.08 22:18

Bei Hand 2 fehlt eine Begründung für das Fehlen einer C-Bet am Flop. Ich würde hier protecten wollen und den Pot an Ort und Stellen einsacken. Die Hand ist mir hier stark genung für eine value bet, die Gegner profitieren mehr von freecards als wir.

#9 StrohhutRuffy, 29.05.08 11:49

@#7 na, der (durchschnitts)gegner callt wenn er was hat, sonst folded er. d.h. die wahrscheinlcihkeit dass er was hat is gleich allerdigns schieben wir mit unseren chips "mehr wert" in die mitte als beim cashgame im vergleich zu dem wert den wir gewinnen können.

von daher is die fold eq in etwa die selbe, wird ja im cash game keiner (ok, es gibt manche^^) denken: ach, des geld is eh wenig wert, hau ichs halt raus... (die die des im cash game machen, würdens im sng auch machen)

#10 jtpied, 03.06.08 07:33

Wieso contibetten wir nicht bei Beispiel 2? Wir repräsentieren das A, das Board ist recht dry.

#11 gregsamsa, 19.09.08 08:50

ich denk auch ne contibet in bsp 2 wäre angebracht. ich find das board auch recht dry, da 9T und 56 nicht unbedingt in der range des gegners liegen (call von raise aus MP in früher phase)..

#12 Kretzschi, 20.11.08 16:41

nett Kolumne

#13 Y0d4, 18.10.09 09:47

Hi,
wurde grad auf die Fragen zu Hand 2 aufmerksam gemacht...
Wenn wir den Flop in Hand 2 betten wird die Hand 1. einfacher zu spielen und 2. repräsentieren wir in der Tat das A, was die Bet, wenn man nicht unsere Handstärke betrachtet, in Ordnung macht.

Die Crux ist, dass wir mit KK nicht dass A reppen wollen - dann folded ja (überspitzt gesagt jetzt) alles schlechter A, und alles was nicht schlechter ist called oder raised.
Das ist doof für unsere Hand, weil sie genau zwischen Value- und Bluffrange liegt - KQ würden wir hier liebend gern betten, das A reppen und sowas wie 55 vertreiben.
Klar können gelegentlich Draws am Flop callen und danach mit uns runterchecken, das wird aber mMn durch den Fakt ausgeglichen dass wir durch den Check behind Bluffs inducen und dadurch Value von Händen bekommen die sonst einfach ge-c/f hätten.

Ich grüße euch
y0d4

#14 Dimpphh, 26.09.12 09:49

Guter Artikel, hätte im 2. Beispiel mit den KK aber trotzdem eine dünne Bet schon am Flop gefeuert um herauszufinden wo ich stehe und auf ein RR gefoldet, denn Ax macht genau dies am River als dünne Valluebet und ich hab schon Villains auf diesem Flop nach einer Contibet Ax offen folden sehen...(warum auch immer sie dann Preflop callen...!?!)