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Don't fold, just ask - FL: Spiel mit Midpair

 
» Don't fold, just ask

 

Es gibt Momente im Leben eines Pokerspielers, in denen der fundierte Rat eines Profis Not tut. Unter dem Motto "gemeinsam statt einsam" könnt ihr genau diesen professionalen Rat bei unseren Contentchefs, OnkelHotte (Fixed Limit), sammy (No-Limit, SNG), Wishmaster (Fixed Limit, Real-Life-Poker), einholen. Ob ihr euch bei einer Hand unsicher seid, Fragen zur Pokertheorie habt oder was auch immer ihr auf dem Herzen habt - fragt! Eure Fragen könnt ihr im Forum in diesem Thread loswerden: Fragen an die Contentchefs

 

Frage von kappe69

Fixed Limit

Wie spiele ich mein Midpair (speziell am Flop)?

- mit/ohne Initiative
- gegen 1-2 Gegner
- im Familypot
- auf drawlastigen Boards
- etc. etc.

Ist jetzt nicht sehr konkret, aber das ist ein Punkt bei dem ich immer nicht weiter weiß.

Antwort von OnkelHotte

Während man mit Toppair am Flop in der Regel davon ausgehen kann, die beste Hand zu halten, wird die Beantwortung dieser Frage mit Midpair schon schwerer. Aber auch, wenn man nicht die beste Hand hat, muss man sich im Klaren sein, wie viel eventuelle Outs auf ein Twopair wert sein können oder auch nicht und ob man implied Odds hat, wenn man ein solches Out trifft. Ich werde mich hier auf das Spiel ohne Initiative beschränken, da man mit Initiative eigentlich pauschal sagen kann, dass man jeden Flop einfach betten sollte.

OnkelHotte
Dr. rer. nat. Tobias Georgi, besser bekannt als Onkel Hotte, koordiniert die Arbeit der Education-Abteilung von PokerStrategy. Als ebenso passionierter wie erfolgreicher Fixed-Limit-Spieler ist er vielen Mitgliedern zudem durch seine Vortragstätigkeit bei den Theorieseminaren von PokerStrategy bekannt.

Am Flop muss man sich also ohne Initiative die üblichen Fragen stellen:

  • 1) Bin ich im Mittel Favorit mit meinem Midpair? Falls ja, kann ich for Value spielen? Falls man hier sehr unsicher ist: Muss ich und kann ich meine Hand protecten? Ist meine Hand sehr verwundbar?
  • 2) Falls ich kein Favorit bin, liege ich aber noch oft genug vorne, um einen Showdown sehen zu können?
  • 3) Falls nein, kann ich nach Odds und Outs weiterspielen? Habe ich implied Odds, wenn ich Twopair oder Trips treffe?

Bei Frage 1 ist wichtig, dass man nicht automatisch als Favorit eine Valueline spielen kann, weil man oft gegen bessere Hände mehr verliert, als man von schlechteren Händen gewinnt. Die Antworten von Frage 2 und 3 entscheiden darüber, ob du einen Fold finden kannst oder nicht. Die Frage, ob man bessere Hände zum Folden bringen kann, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Also solche kommen nämlich nur besseres Midpair und Toppair in Frage, die sich allerdings fast nie aus der Hand drängen lassen.

Auch wenn ich hier natürlich nicht jede Situation abbilden kann, wollen wir nun mit den hier genannten Punkten mal einige Beispielhände analysieren.

Beispiel 1

Preflop: Hero is Big Blind with 8 7
CO calls, BU raises, SB coldcalls, Hero calls

Flop: 9 8 2 (8 SB)
SB checks, Hero ???

Du findest dich im BB mit 87o wieder und hast einen einfachen Call bei Pot Odds von 7 zu 1 trotz eines Raises vom Button. Am Flop hast du ein Midpair mit schwachem Kicker. Was ist deine Line am Flop?

Zunächst einmal wollen wir uns der Frage widmen, ob du hier am Flop Favorit bist. Das ist insofern hier sehr schwer, da du die Ranges der Coldcaller nur sehr schwer bestimmen kannst. Der erste Punkt, den wir aber überprüfen können, ist die Frage, ob du überhaupt gegen die Range des Raisers vom Button vorne liegst.

Geben wir dem Button mal eine 20% Isolationsrange, welche so aussehen könnte: 55+, A3s+, K8s+, QTs+, JTs, A7o+, KTo+, QJo

Gegen diese Range hätten wir auf diesem Flop 62% Equity, könnten also klar for Value C/R spielen. Nun sind aber noch die beiden anderen Gegner da. Als erstes gebe ich den Knaben einmal zufällige Hände und schaue, was rauskommt. Gegen 2 Randomhände kommen wir hier auf 33,5% Equity, wobei der Button 27% hat. Engen wir die Range ein wenig ein und geben beiden Gegner so typische Limping-Ranges oder "Coldcalling in Multiway Pots"-Ranges, die die meisten fischigen Gegner in so einer Situation haben könnten.

Das ganze könnte dann so aussehen:

Board: 9s 8d 2c
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 23,407% 22,297% 2,271% 75,432% A6s-A2s, K9s-K2s, QTs-Q2s, J4s+, T6s+, 96s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, A8o-A2o, KTo-K7o, Q7o+, J7o+, T7o+, 97o+
Spieler 2: 26,115% 25,600% 1,059% 73,341% 55+, A3s+, K8s+, QTs+, JTs, A7o+, KTo+, QJo
Spieler 3: 23,408% 22,300% 2,269% 75,431% A6s-A2s, K9s-K2s, QTs-Q2s, J4s+, T6s+, 96s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, A8o-A2o, KTo-K7o, Q7o+, J7o+, T7o+, 97o+
Hero : 27,070% 25,926% 2,339% 71,734% 8h7d

Unter diesen Voraussetzungen wärst du hier leichter Favorit. Genauer kann man es kaum machen, du könntest natürlich bei tighteren Ranges kein echter Favorit mehr sein.

Diese Analyse sagt mir, dass wir gute Chancen haben, die beste Hand zu halten, dass ich aber auch nicht unnötig Geld in den Pot pumpen möchte, falls ich eines besseren belehrt werde. Ich möchte meine Hand schützen, aber nicht um jeden Preis, weil ich mir auch vorbehalte, bei viel Action einen Ausgang aus der Hand offen zu halten. Da ich mich aber als potenzieller Favorit sehe, vernachlässige ich erst einmal die oben genannten Fragen 2 und 3.

Für mich kommt nun am Flop keine Donkbet in Frage, weil ich erst einmal Abwarten möchte, was passiert, bevor ich Geld in die Mitte schiebe. Außerdem sitzt der Aggressor auch nicht direkt hinter mir, so dass ich nicht die optimale Position zum Protecten mit einer Donkbet habe. Wissenswertes zum Thema Protection findest du hier: Protection

Es folgt: Hero checks

Ab dann könnte es folgendermaßen weitergehen:

  • a) SB checks, Hero checks, CO checks, Button bets, SB folds, Hero raises!!!

Die perfekte Situation, um die Hand zu protecten. Wir können den Button mit 2 SB konfrontieren und sind uns nach dem Fold des Spielers im SB nun auch klarer Favorit:

Board: 9s 8d 2c
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 28,818% 27,864% 1,921% 70,216% A6s-A2s, K9s-K2s, QTs-Q2s, J4s+, T6s+, 96s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, A8o-A2o, KTo-K7o, Q7o+, J7o+, T7o+, 97o+
Spieler 2: 31,067% 30,680% 0,785% 68,535% 55+, A3s+, K8s+, QTs+, JTs, A7o+, KTo+, QJo
Spieler 3: 40,115% 39,249% 1,744% 59,007% 8h7d

  • b) SB checks, Hero checks, CO checks, Button bets, SB calls, Hero raises…

Auch nach dem Call vom SB sehe ich gute Chancen, vorne zu liegen. Ich sehe mich nun wieder als Favorit, weil CO nur gechecked hat (auch wenn das nur wenig verrät) und weil SB nur gecalled hat. Den CO hier mit 2 SB zu konfrontieren ist hier die beste Option.

  • c) SB checks, Hero checks, CO bets, Button calls, SB folds, Hero calls…

Eine Donkbet vom CO ist hier wesentlich gefährlicher als seine Continuationbet vom Button. Der CO bettet hier in 3 Spieler, inclusive dem Preflopaggressor, hinein, das heißt oft Stärke. Der Call vom Button zeigt aber wiederum, dass wir gegen ihn SEHR wahrscheinlich vorne liegen, weil er gute Hände in der Regel direkt am Flop raisen würde. Dennoch sehe ich hier keinen Value in einem C/R, weil ich mich hier eher als Außenseiter sehe und ich keine 3 Bet kassieren will. Wir haben zwar keine implied Odds, weil eine 7 am Turn nun kein Traum-Out wäre, aber 10 zu 1 ist bei 5 potentiellen Outs PLUS der Chance, evt. doch vorne zu liegen, ein einfacher Call.

  • d) SB checks, Hero checks, CO bets, Button raises, SB folds, Hero folds
  • e) SB checks, Hero checks, CO checks, Button bets, SB raises, Hero folds

Bei Betrachtung dieser Action wird der Vorteil des Checks klar. Wir finden einen Ausstieg aus der Hand, ohne weiter Geld zu investieren, und folden quasi nie die beste Hand. Bei d) kommt die Donk PLUS dem Raise vom Button. Da müssten schon CO bluffen und Button Overcards raisen, damit wir hier noch vorne liegen.

Bei 5,5 zu 1 kann die Chance, vorne zu liegen, nicht das Loch in den Pot Odds kompensieren, um auf Pot Odds von 8 zu 1 zu kommen, was man bei ca. 5 Outs zum Callen bräuchte. Gleiches gilt für Fall e, wenn der Button die Continuationbet macht und der SB C/R spielt.

In dieser Situation können wir also viel Informationen dadurch gewinnen, wenn wir am Flop erst einmal checken und abwarten. Dieser Informationsvorteil überwiegt hier das Risiko, dass wir mit der besten Hand eine Freecard verschenken könnten.

Beispiel 2:

Preflop: Hero is Big Blind with Q T
MP3 raises, CO coldcalls, Hero calls

Flop: J T 8 (6,5SB)
Hero???

Diesmal defenden wir den Big Blind gegen ein MP3-Raise und einen CO-Coldcaller. Beide Gegner seien völlig unbekannt. Auch hier halten wir wieder Midpair diesmal mit einem Gutshot, aber haben zunächst kein Plan, wo wir wirklich stehen. Fest steht eigentlich nur, dass wir in der Regel den River sehen sollten, weil die Kombination aus Gutshot + potenzielle beste Hand einfach dazu committed.

Mein erster Schritt besteht hier darin, dass ich erst einmal schaue, wie ich gegen den Preflopraiser dastehe, wenn er meine Raising-Standards hätte. Gegen die Range 44+, A7s+, KTs+, QJs, JTs, T9s, A9o+, KJo+, QJo hätten wir 54% Equity, eigentlich genug um for Value zu spielen. Ich sehe aber 2 Probleme.

Zum einen ist der Edge gering und wir spielen OOP, können also ein Turnraise kassieren. Außerdem haben wir selbst einen Draw, der EQ-Edge kommt auch oft durch weitere Outs zustande, so dass gar nicht klar ist, ob hier wirklich eine Valueline mit C/R Bet Turn Bet River möglich ist.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass eine Freecard eigentlich nicht der Weltuntergang wäre. Wir halten selbst einen Gutshot. Eine Q könnte uns zwar selbst gegen AK und Schwierigkeiten bringen, dafür gewinnen wir aber gegen KQ und AQ, welche gleich viele Möglichkeiten haben (AK = 16 Combos, KQ = 8 Combos, AQ = 8 Combos wenn eine Q am Turn kommt).

Fazit:

Zu Frage 1) Auch wenn wir leichter Favorit zu sein scheinen, sehe ich hier kein echtes Valueplay, welches profitabel endet. Der Edge wird dadurch aufgefressen, dass wir gegen bessere Hände mehr zahlen, als wir von schlechteren Händen bekommen

Frage 2 und 3 erübrigen sich, da es klar ist, dass wir den River sehen müssen.

Darum ist es hier einfach am besten, die Hand check/call am Flop zu spielen. Und so spiele ich die Hand auch an Turn und River weiter. Wenn ich keine Ahnung habe, mit wem ich es zu tun habe, dann spiele ich solche Hände einfach check/call an jeder Street. Sollte ich ein Out treffen, dann auf jeden Fall donken, weil jedes Out, was wir treffen können, das Board gefährlich aussehen lässt.

Beispiel 3a

Preflop: Hero is Button with 8 7
Hero raises, SB 3-Bets, BB calls, Hero calls

Flop: 9 8 2 (12SB)
SB bets, BB folds, Hero ???
SB bets, BB calls, Hero???

Auch hier brauche ich eigentlich keine Reads, um meine Line zu bestimmen. Zuerst frage ich mich: Wie performen wir gegen den Preflopaggressor? Bei einer Range von 33+, A2s+, KTs+, QTs+, JTs, T9s, A5o+, KTo+ haben wir überragende 65% EQ.

Der BB ist mir dann relativ egal, er kann eine weite Range haben, aber egal, wie ich diese festsetze, bleiben wir klarer Favourit in der Hand. Auf diesem Board können wir auf jeden Fall im Zweifelsfall auch noch den River for Value betten, weil BB oft ein kleines Pocket halten und der SB sogar mit A high runtercallen könnte. In diesem Spot können wir also for Value spielen und spielen Raise Flop, Bet Turn und Bet guten River.

Beispiel 3b

Preflop: Hero is Button with 8 7
Hero raises, SB calls, BB 3-Bets, Hero calls, SB calls

Flop: Q 8 2 (12SB)
SB checks, BB bets, Hero???

Etwas anderes Board und etwas andere Action. Diesmal hat nicht der SB die 3-Bet gemacht, sondern der BB, der auch easy für 5 zu 1 hätte callen können. Gegen die oben genannte 3-Betting-Range hätten wir 60% EQ.

Bei 3-Bets aus dem BB ist aber Vorsicht geboten, weil diese Range oft wesentlich tighter ist. Gegen die Range 88+, A9s+, KQs, ATo+, KQo haben wir nur 43% EQ. Hier sehe ich mich zwar nicht als Favourit, aber genug EQ, um den SD sehen zu müssen.

In diesem Fall möchte ich nicht als Außenseiter Geld in den Pot schieben, sondern spiele die Hand passiv, um günstig zum SD zu wollen. Den günstigen SD stelle ich hier auch über die Möglichkeit, den SB aus der Hand zu kicken. Diese Option würde ich nur dann nutzen, wenn ich realistische Chancen sehen könnte, dass SB eine bessere Hand folden könnte. Das wäre eine Option, wenn wir 33 halten würden. In diesem Fall könnte SB 44-77 am Flop folden, was gut in seine Coldcallingrange passen könnte und was ein Supergewinn wäre, sich hier möglicherweise die beste Hand kaufen zu können.

Darum meine Line: Hero calls mit SD-Ambition und spielt die Hand passiv weiter, sofern kein Out kommt.

Beispiel 3c

Preflop: Hero is Button with 8 7
Hero raises Button, SB 3-bets, BB caps, Hero calls, SB calls

Flop: 9 8 2 (12SB)
SB bets, BB raises, Hero ???

Diesmal haben wir einen Family- und Actionpot am Flop. Preflop wurde gecappt. Für 5 zu 1 aber ein easy Call mit einer Hand wie 87s. Nun kommt aber ein Flop, der erstmal gar nicht so schlecht aussieht. Wenn wir die reinen Preflopranges nehmen würden, könnte sich folgendes Bild ergeben:

Board: 9s 8d 2d
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 41,143% 41,013% 0,259% 58,728% 8s7s
Spieler 2: 22,342% 21,914% 0,856% 77,230% 33+, A2s+, KTs+, QTs+, JTs, T9s, A5o+, KTo+
Spieler 3: 36,515% 36,213% 0,604% 63,183% 88+, ATs+, AJo+

In der Tat sind wir am Flop sogar Favorit in dieser Hand. Aber es gab noch weitere Action. Der SB donkt in den Preflopcapper hinein und dieser raist auch noch. Es ist nun äußerst unwahrscheinlich, dass keiner von beiden Gegnern hier eine 9 oder ein Overpair hat.

Ich würde den SB in fast jedem Fall auf eine Hand setzen, die uns schlägt. Der BB könnte auch aus Prinzip AK raisen, aber auch hier würden manche Gegner nur callen, so dass der Raise zwar kein Garant für ein Overpair ist, aber die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass BB mit einer besseren Hand unterwegs ist. Das könnte dann so aussehen:

Board: 9s 8d 2d
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 30,768% 30,639% 0,257% 69,103% 8s7s
Spieler 2: 35,050% 34,729% 0,643% 64,629% 33+, A9s-A8s, A9o-A8o
Spieler 3: 34,182% 33,988% 0,388% 65,624% 88+, ATs+, AJo+

Selbst wenn wir dem BB seine gesamte Prefloprange für einen Raise geben würden, sind wir kein Favorit mehr. Gehen wir davon aus, dass SB keine kleinen Pocketpairs donkt und dass BB nur AK als einzige Hand ohne Pair raisen würde, verschlechtert sich das Bild drastisch:

Board: 9s 8d 2d
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 20,742% 20,679% 0,126% 79,195% 8s7s
Spieler 2: 40,557% 40,057% 1,001% 58,942% 88+, A9s-A8s, A9o-A8o
Spieler 3: 38,701% 38,263% 0,875% 60,861% 88+, AKs, AKo,AdQd,AdJd

Jetzt sind wir nun klarer Außenseiter und sollten und von dem Gedanken trennen, hier vorne zu liegen, somit müssen wir und der oben genannten Frage 3 widmen. Kann ich nach Odds und Outs weiterspielen? Die Pot Odds betragen 15 zu 2. Wir haben potenziell 5 Outs auf Twopair, 1,5 auf Backdoor-Flushdraw und ca. 0,75 auf unteres Ende eines Backdoor-Straightdraws.

Das gute an der Hand ist, dass wir unsere Outs nicht sehr stark discounten müssen. Da wir nämlich davon ausgehen, oft gegen 2 Overpairs zu spielen, ist ein Set sehr unwahrscheinlich, da wir eine 8 halten und 99 halt einfach nur Pech wäre. Darum hat auch der Backdoorflush volle 1,5 Outs.

Weiterhin haben wir mit Twopair am Turn auch fast immer die beste Hand. Das kann man auch beweisen, indem man am River mal eine Blank annimmt. Käme am Turn eine 7 und am River eine 3 ergibt sich folgendes Bild:

Board: 9s 8d 7c 3s 2d
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 84,478% 84,478% 0,000% 15,522% 8s7s
Spieler 2: 8,270% 8,270% 0,000% 91,730% 88+, A9s-A8s, A9o-A8o
Spieler 3: 7,252% 7,252% 0,000% 92,748% 88+, AKs, AKo,AdQd,AdJd

Daran sehen wir, dass uns eine 7 am Turn fast immer die beste Hand gibt. Aber auch ohne die Blank am River jumpen wir auf 61%.

Board: 9s 8d 7c 2h
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 60,681% 60,681% 0,000% 39,319% 8s7s
Spieler 2: 21,921% 21,788% 0,267% 77,945% 88+, A9s-A8s, A9o-A8o
Spieler 3: 17,398% 17,264% 0,267% 82,469% 88+, AKs, AKo,AdQd,AdJd

Bei einer 8 hüpfen wir sogar auf 75%

Board: 9s 8c 8d 2h
Dead:

Equity Gewonnen UnentschiedenVerloren Hand
Spieler 1: 75,322% 74,767% 1,108% 24,124% 8s7s
Spieler 2: 16,762% 16,208% 1,108% 82,683% 88+, A9s-A8s, A9o-A8o
Spieler 3: 7,916% 7,916% 0,000% 92,084% 88+, AKs, AKo,AdQd,AdJd

Wir lernen daraus, dass wir auf jeden Fall implied Odds haben, falls wir treffen. Ich würde hier einmal von 2 BB ausgehen.

Da wir beim Treffen eines Outs ganz gut dastehen, kann man hier schätzungsweise anhand der implied Odds auf das Discounten der Outs verzichten und die implied Odds dann aber nicht mehr einberechnen. Bei Pot Odds von 7,5 zu 1 können wir die Hand also auf jeden Fall weiterspielen.

Das Problem besteht nun noch in der Gefahr einer 3-Bet und eines Caps. Gehen wir mal davon aus, wir wüssten, dass der Flop gecappt wird. Dann hätten wir Pot Odds von 20 zu 4 = 5 zu 1. Das wäre dann trotz 7,25 Outs ein zähneknirschender Fold, da wie gesagt, implied Odds bereits verrechnet sind, indem die Outs nicht discounted wurden. Im echten Leben wird aber definitiv nicht immer gecappt, so dass man zum Schluss kommt, die Hand weiterspielen zu müssen.

Die allerletzte Frage ist nun 3-Bet oder Coldcall. Ich persönlich halte von einer 3-Bet nicht viel, da wir doch fast immer hinten liegen und es uns als Außenseiter nur teuer machen. Wie gesagt, wenn wir wüssten, dass gecappt wird, sollten wir die Hand eh weglegen, darum wollen wir das hier auch nicht provozieren. Freecard wäre nämlich der einzige Sinn der Aktion. So wie es läuft, sehe ich es aber eher, billig die nächsten Streets zu sehen, für 2 SB zum Turn und am Turn dann möglichst für eine BB zum River. Denn ich spiele diese Hand nicht um jeden Preis showdowngebunden. Sollten beide anderen Spieler zum River mitgehen, dann würde ich keinen Overcall machen und meine Hand unimproved dann auch weglegen können.

Mein Spiel am Flop wäre hier also: Hero coldcalls!! Mit Ambition, den River zu sehen ohne feste SD-Ambition.

Sieht komisch aus, aber da man auch Draws und Monster so spielen könnte, ist auch ein Balancing vorhanden. Das ändert sich, wenn wir von sehr loosen 3-Betting und Capping-Ranges der Gegner ausgehen. In diesem Fall sollte man am River auch nicht mehr für eine BB folden.

Fazit: Das Spielen von Midpairs kann man natürlich nicht auf jede Lebenlage pauschalisieren. Ich hoffe, ich konnte mit den gestellten Fragen und Beispielen aber zeigen, wie man solche Spots analysieren kann und wie man so zur besten Entscheidung finden kann. Auch wenn hier Beispiele mit Midpair gewählt wurden, lässt dich dieses Schema sich natürlich auf alle Situationen ausweiten. Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen Ausführungen weiter helfen.

viele Grüße
OnkelHotte

 

Kommentare (5)

#1 Shining, 20.05.08 13:21

Schöner Artikel wieder was gelernt. Aber eine Frage hätte ich, da ich bei fr von tighteren raises bzw 3bets ausgehen muss wie hier in den beispielen werden ich fr eher selten mit Midpair zum showdown gehen oder?

achja #1 =)

#2 OnkelHotte, 20.05.08 14:39

Das ist ganz einfach, du musst halt die Ranges anschauen und dann deine EQ mit den von dir angepassten Ranges mal testweise ausrechnen. Da kann es natürlich sein, dass du statt einer Valueline nur die SD-bound passive Line spielst oder statt der passiven Line vielleicht sogar nur nach Odds und Outs weiterspielst oder statt nach Odds und Outs mit x outs nach Odds und Outs mit x-y Outs spielst.

Der Rest ist dann gleich!:)

#3 Phoe, 26.05.08 11:01

nice work, kleiner verbesserungsvorschlag, schreib doch bitte bei den ranges nicht Spieler 1.... sondenr CO BU SB Hero, dann lässt sich das viel leichter lesen und man muss nicht erst gucken wie das jetzt angeordnet ist.
bei beispiel 1 würde ich in die ranges sogar noch kleine PP von coldcaller und limper adden, so 22-77 für den sb, und ca 22-55 für co.

#4 ciRith, 26.05.08 14:47

#2 #3

Der ARtikel gefällt mir gut. :)

By the way kann man bei 3a (BB folds) nicht auch call Flop, raise Turn spielen?

#5 KingofQueens08, 15.07.08 14:49

@ciRith:

denke, Hotte hat hier vergessen, die erste Version zu beurteilen.

Er hat die Situation für den Fall analysiert, dass der BB in der Hand bleibt, ist also nur auf die zweite eingegangen.

Aber wenn der BB aussteigt, ändert sich ja nichts daran, dass wir gegen den SB immer noch deutlih öfter vorne als hinten liegen und deshalb würde ich hier ganz lar call flop, raise turn spielen, da es gegen einen Gegner mehr Value bringt.

Da Hotte die Situation, in der der BB in der Hand bleibt gemeint hat, muss man hier raisen, da es hier mehr Value bringt den Flop direkt zu raisen, als das Raise auf den Turn zu verlegen.